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Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

Als Hannu Salonen anfing, Fernsehkrimis zu drehen – Directors’ First Steps

Ein Kommentar

English Version follows German.

16 Jahre First Steps Awards

Die Deutsche Filmakademie verleiht seit 2000 jährlich einen Nachwuchspreis für Abschlussfilme von Studierenden an den Filmschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Deutschsprachige der Schulen drückt sich nicht unbedingt im Preisnamen – FIRST STEPS AWARDS – aus, aber das ist ein anderes Thema. Der Preis, der auf eine Initiative der Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann zürückgeht, präsentiert der Branche das hohe kreative Potenzial des Nachwuchses und erleichtert den Absolvent/innen die „ersten Schritte“ in den Beruf.“ heißt es auf der Webseite der FIRST STEPS AWARDS (LINK), und meine heutige Auswertung der letzten 16 Jahre soll genau dies überprüfen, in den drei – von insgesamt sieben – Kategorien Abendfüllender Spielfilm, Mittellanger Spielfilm (bis 60 min.), und Kurzfilm / Animation, also den fiktionalen Formaten.
Die ersten drei Abbildungen zeigen die Verteilung der Nominierungen und Preise für die drei Spielfilmkategorien in den vergangenen 16 Jahren, aufgeschlüsselt nach Filmhochschulen.

Die meisten Preise gingen an die Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg, die auch am häufigsten nominiert wurde. Anders sieht eine getrennte Betrachtung der drei Filmgruppen aus. Spitzenreiterin bei den Nominierungen zum Abendfüllenden Film ist mit Abstand die DFFB (29), gefolgt von der HFF München (17). Die Filmakademie Ludwigsburg und die HFF München führen das Mittellange Feld an, und im Kurz-/Animationsfilm stehen gleich vier Filmschulen an der Spitze mit jeweils 11 Nominierungen: die Filmakademie Ludwigsburg, die Media School Hamburg, die Kunsthochschule für Medien Köln und die Zürcher Hochschule der Künste, die in keiner anderen Spielfilmrubrik nominiert wurde. Hier lässt sich erahnen, dass Filmhochschulen bezüglich der Grundfinanzierung der Abschlussfilme ziemlich unterschiedlich ausgestattet sind.
Freie Produktionen außerhalb des Hochschulkontextes kommen immerhin auf 13 Nominierungen, darunter sechs für abendfüllende Filme – mit einer Auszeichnung im Jahre 2003 für den Film FREMDER FREUND von Elmar Fischer. Acht Filmschulen, die nicht dem Internationalen Filmhochschulverband CILECT angehören, sind mit elf Nominierungen vertreten, sechs davon finden sich in der Kategorie Kurz-/ Animationsfilm und nur eine in der Kategorie Langfilm.
Wie lang oder kurz ein Abschlussfilm ist beeinflusst nicht zwangsläufig die weiteren Schritte im Beruf. Marc-Andreas Borchert, der 2000 für seinen Kurzfilm KLEINGELD nominiert wurde, arbeitete in der Folge rund zwanzig Mal für das Fernsehen, Anne Høegh Krohn, im selben Jahr mit FREMDE FREUNDIN unter den langen Spielfilm-Nominierungen, hat seitdem einen TV- und einen Kinofilm gedreht. Insofern ist eine Auswertung der Nominierungen und Folgearbeiten der Regisseur*innen nach Geschlecht sinnvoll.
Die vierte Abbildung zeigt die weiblichen und männlichen Nominierten in den fiktionalen Kategorien von 2000 bis 2015, die fünfte Abbildung die prozentuale Verteilung mit der Referenzlinie 42 %, dem durchschnittlichen Frauenanteil unter den Absolvierenden an den deutschen – also nicht allen deutschsprachigen – Filmhochschulen der letzten 20 Jahre (Quelle: Pro Quote Regie). Der Anteil für nominierte Dokumentarfilme ist ebenfalls ergänzt. Abbildung 6 wiederum zeigt den Frauenanteil unter den Nominierten und Gewinnerfilmen für die drei fiktionalen Kategorien
.

Die nominierten Filme von Frauen sind also keineswegs schlechter als die ihrer Kollegen, wenn die Juryentscheidungen ein Maßstab sind, im Gegenteil: Filme von Regisseurinnen machten 34,3 % aller fiktionalen Nominierungen aus, jedoch 40,4 % der Preisträger*innen. Dieses Phänomen gibt es nicht nur bei Abschlussfilmen, wie eine Untersuchung des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock zum Festivallauf von Filmen herausfand:

Nur jeder fünfte Film (22 %) der Jahre 2009 bis 2013 wurde von einer Frau inszeniert. Diese Filme bestechen offensichtlich durch eine hohe Qualität, denn Filme von Frauen erhalten häufiger Filmpreise und laufen viel erfolgreicher auf Festivals. Dieser Erfolg ist bemerkenswert, bedenkt man neben der Unterrepräsentanz von Frauen in der Filmproduktion, dass ihre Filme in der Regel finanziell schlechter ausgestattet sind. (…) Im Mittelwert erhält ein Film, den eine Frau inszeniert hat ca. 660.000 Euro Filmförderung, während ein Film, den ein Mann inszenierte, über 1.000.000 Euro erhielt.“ (Quelle: Elizabeth Prommer / Skadi Loist, „Wer dreht deutsche Kinofilme? Genderreport 2009-2013“, Februar 2015).

Und wie sieht es mit der erwähnten „Erleichterung der ersten Schritte“ der Nachwuchsregisseur*innen aus? Um dies herauszufinden habe ich verglichen, wie viele Filme (Kinofilme, TV-Filme bzw. TV-Serien) die Regisseur*innen der nominierten Filme innerhalb der ersten sieben Jahre nach Nominierung für den FIRST STEP AWARD inszeniert haben. Quelle hierfür sind die filmbiographischen Angaben auf der FIRST STEPS-Webseite, die ich in Einzelfällen abgeglichen bzw. ergänzt habe über die Datenbanken von crew united, Filmportal und IMDB.
Es überrascht zunächst, wie viele Nominierte bei Null stehen; 17 von 43 Regisseurinnen (= 40 %) und 28 von 93 Regisseuren (= 30 %) haben in den sieben Jahren weder Kino- noch Fernsehspielfilme noch Fernsehserien inszeniert. Nicht berücksichtigt: Kurz- und Dokumentarfilme sowie Werbung und Musikvideo.
Die meisten übrigen drehten ihren nächsten Kinofilm innerhalb von sieben Jahren (Regisseurinnen im Schnitt 1,1 Filme, Regisseure 1,0 – das sind wie gesagt Durchschnittswerte). Der große Unterschied kommt durch das Fernsehen. Bei Filmen erreichen die Männer hier einen Durchschnittswert von 0,9 gegenüber den 0,5 der Frauen, und bei Serienformaten sind die Werte 0,5 gegenüber 0,3 pro Person über sieben Jahre. Das heißt, dass die nominierten Regisseure fast doppelt so häufig Fernsehaufträge bekommen wie ihre Kolleginnen. Spitzenreiter Hannu Salonen* drehte neun Fernsehfilme innerhalb seiner ersten sieben Nachfilmschuljahre, darunter drei Tatorte und zwei Polizeirufe, allerdings keinen Kinofilm. Vanessa Jopp, die wie Salonen 2000 ihren Abschluss machte und den FIRST STEPS AWARD für VERGISS AMERIKA gewann, drehte in dem genannten Zeitraum einen Tatort und zwei Kinofilme.
(* Achtung! Salonen wird – wie die meisten finnischen Wörter – auf der ersten Silbe betont)

Woher kommen diese Unterschiede? Haben Regisseure und Regisseurinnen unterschiedliche Ambitionen? Aber vor allem: Welche Auswirkungen haben sie? Fernsehen gilt als Einstiegsmedium in den Regieberuf. Der Erste Diversitätsbericht 2014 vom Bundesverband Regie hat umfassend belegt, dass Frauen deutlich unterproportional vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Regieaufgaben betraut werden. Warum ist das so? Was motiviert eigentlich Sender und Redaktionen, Nachwuchsregisseur*innen und No-Names ein Projekt, sei es einen Tatort oder Fernsehfilm, anzuvertrauen? Ist es das Charisma? Die Qualität des Abschlussfilms? Die Filmhochschule? Vitamin B? Ist Geschlecht das erste Kriterium?

Ich habe Hannu Salonen nach dem Beginn seiner Fernsehkrimikarriere gefragt, die ihn nur wenige Jahre nach seinem (Nicht-Krimi-)Abschlussfilm DOWNHILL CITY bereits zu seinen ersten drei von bisher rund elf Tatorten führte: DER VIERTE MANN (Berlin 2003), FEUERTAUFE (Leipzig 2004) und STERNENKINDER (Kiel 2005). Hier seine Antwort:

Meine Entwicklung ist tatsächlich erstaunlich, wenn man zum Beispiel DOWNHILL CITY und die vorangegangenen Kurzfilme in Betracht zieht. Jene Filme sind eher dem Kunstkino zuzuordnen, es waren keineswegs kommerziellen Filme. DOWNHILL CITY war festivaltechnisch durchaus ein Erfolg, für mich persönlich zeigte sich eine eher schwierige Seite des Kunstkinos: letztlich sahen den Film nur wenige Leute und ein recht auserwähltes und so weit auch ein elitäres Publikum. Ich entdeckte den Filmemacher in mir, der Massen erreichen wollte – nicht nach dem Motto „Koste was es wolle“, aber so, dass die Filme jeweils Unterhaltsamkeit mit Anspruch verbinden. Ich wollte von da an möglichst viele Leute erreichen.
Es gibt aber noch etwas, was mir letztlich den Stoß in jene „kommerzielle“ Richtung gab. Es war mein Hintergrund, meine finnische Heimat. Ich wuchs in der Nähe von großen, dunklen Wäldern und Wikingergräbern – das war meine seelische Heimat. Sie war stes mystisch, spannend und dunkel. Natur spielt darin eine große Rolle – bis heute. Diese Welt, die wir nicht rational beherrschen können, hat mich immer fasziniert. Erst nach meiner „Kunstphase“ an der dffb fand ich mich zurück zu meinen Ursprüngen, wo ich schon als halbes Kind Genrefilme gemacht hatte, vielleicht vermischt mit Bergman und Tarkovsky, und jedoch: es waren immer Filme, die nicht den Alltag schilderten, sondern eine mythische Narrative hatten und oft böse und blutig endeten.
Insofern ist es am Ende doch nicht so erstaunlich, dass ich „daheim“ geblieben bin bzw. einst zurückgekehrt bin. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: der Regisseur von DOWNHILL CITY war und blieb immer ein Märchenonkel.

Hannu Salonen. Beim Tatortdreh mit einem Team des Aktuellen Fernsehens des Saarländischen Rundfunks. Foto: SR/M. Meyer

Hannu Salonen beim Tatortdreh mit einem Team des Aktuellen Fernsehens des Saarländischen Rundfunks. Foto: SR/M. Meyer

Der Wunsch des Regisseurs, seine Filme einem größeren Publikum zu zeigen und die Entscheidung, sich deshalb vom Arthousekino zum Fernsehen zu wenden ist nachvollziehbar. Erfreulich ist gleichzeitig, dass es geklappt hat und er von Beginn seiner Karriere an Aufträge für Fernsehfilme, für Fernsehkrimis bekam.
Wer ihm, einem Newcomer, den ersten Primetimekrimi ermöglicht hat und wie es dazu kam habe ich leider nicht herausfinden können. Weder beim Sender, der Produktionsfirma, der Produktionsleitung oder dem Drehbuchautor (das waren die Stationen, an die ich jeweils verwiesen wurde) gab es da konkrete Erinnerungen. Vielleicht war es ein glücklicher Zufall, vielleicht gab es andere Gründe, auf jeden Fall folgten jede Menge weiterer Krimis und Fernsehfilme. Dieses Jahr drehte Salonen schließlich seinen dritten Kinofilm, – für ein kleineres, besonderes Publikum, denn soweit ich feststellen konnte lief VARES – SHERIFFI (Vares – Der Sheriff) bislang nur in Finnland.
Es wird immer Regisseur*innen geben, die aus verschiedenen Gründen einen besseren Start haben als andere. Nur, wenn Männer in ihren ersten sieben Karrierejahren mehrheitlich deutlich mehr Fernsehaufträge bekommen als Frauen, dann kann neben eventuell unterschiedlichen Vorlieben eine strukturelle Benachteiligung vermutet werden, die auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen anzutreffen ist. Niedrige Frauenanteile in Aufsichtsräten und Vorständen, an der Spitze von Redaktionen oder in Talkshow- und Kongresspanels, in der Sportberichterstattung in action oder am Mikrofon sind nur einige Beispiele. Diese Frauenarmut wird leider auch in der Filmbranche und vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor der Kamera reproduziert, anstatt über’s Jahr eine der gesellschaftlichen 50:50-Situation entsprechende Ausgeglichenheit zu zeigen. WINNETOU (8 Männer und 1 Frau im Hauptcast) wird neu verfilmt und eventuell auch DAS BOOT (reiner Männerhauptcast) – selbst die Fernsehserie WEISSENSEE hatte mehrheitlich – sehr unterschiedliche und vielschichtige – Männerfiguren im Zentrum des Geschehens. Filme und Serien mit Frauenübergewicht, die dies ausgleichen würden, fehlen.
Warum? Sind Frauen wirklich weniger interessant für Film- und Fernsehstoffe, oder ist es eine schlechte Angewohnheit? Liegt es an den Strukturen oder an der Art der Stoffgewinnung? Wie dem auch sei, wir sehen immer wieder Männer als Macher und Frauen als schmückendes Beiwerk oder geduldige Zuhörerinnen. Also kommen wir gar nicht auf die Idee, an Frauen zu denken, wenn wir etwas gemacht haben wollen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf meinen Blogtext Frage Dich: Was würde DRadio Kultur machen? über eine wöchentliche Diskussionssendung hinweisen. Eine nach letztem Stand rein weibliche Redaktion plant gesellschaftlich relevante bis populäre Themen, und holt seit Jahren deutich mehr männliche als weibliche Gäste ins Studio. Aktuell beträgt das Verhältnis für dieses Jahr 1 zu 3,5, und das ohne Not, denn es gibt genügend Expertinnen, – wenn sie nur gesucht würden. Aber wie läuft es ab? „Wir machen eine Diskussionsrunde zum Thema ABC, welche Männer können wir da einladen?“ oder „Lasst uns versuchen, es vielseitig zu gestalten, also nehmen wir einen mittleren und einen älteren Mann.“ „Oh ja, einen Mann der Praxis und einen Akademiker, vielleicht einen Professor?“
Und was wird in Fernsehsendern gesagt? „Hier das neuen Drehbuch, welchem Regisseur (d.h. welchem Mann) wollen wir das mal geben?“

Es geht aber auch anders. Nehmen wir das Beispiel großer Orchester wie der Berliner Philharmoniker, die 100 Jahre ein reines Männerorchester waren (siehe Deike Diening: Berliner Philharmoniker – hart besaitet. Tagesspiegel 26.8.2007), und sich nur sehr langsam für Frauen öffneten. Um Musikerinnen nicht zu benachteiligen finden gegenwärtig immer häufiger die ersten Runden der Probespiele (das ist das Bewerbungsvorspielen der Bewerber*innen an einem Orchester) hinter einem Vorhang statt, so dass die musikalische Leistung und nicht das Geschlecht bei der Auswahl entscheidend ist. Dies hat zu einem deutlichen Anstieg der Aufnahmerate von Musikerinnen geführt. Es gibt Literaturwettbewerbe, die explizit für anonym eingesandte Texte ausgeschrieben werden, und manche Verlage prüfen ebenso neutral eingesandte Manuskripte, beides steigert die Frauenquote.
Wäre das eine Möglichkeit für das öffentlich-rechtliche Fernsehen? Warum auch nicht, zumindest für das anonymisierte Einreichen von Drehbüchern und Exposés spricht einiges, nicht nur unter Genderaspekten.
In Bezug auf Regie ist es schwieriger, da sich hier Bewerbungen nicht wirklich anonymisieren lassen. Gegen die Benachteiligung von Regisseurinnen durch die Praxis der Filmförderung werden gegenwärtig Alternativmodelle diskutiert, u.a. nach schwedischem Vorbild. Auch im Fernsehen gerät einiges in Bewegung, nicht zuletzt dank Pro Quote Regie: ARD-Programmdirektor Volker Herres kündigte Ende September eine 20-Prozent-Quote innerhalb von drei Jahren für Regisseurinnen im Bereich TATORT, POLIZEIRUF und ARD-Mittwochsfilme an. Ein erster wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen. Auch beim ZDF.
Und damit zurück zu den FIRST STEPS AWARDS: Nachwuchsförderung im Allgemeinen und Frauenförderung im Speziellen sind im Regiebereich wichtig, um dem Kino- und Fernsehpublikum ein möglichst vielfältiges Sehangebot zu machen, das hat u.a der Diversitätsbericht des Regieverbands gezeigt. Und es macht ja auch Sinn, die aufwändig ausgebildeten Absolvent*innen an Filmhochschulen nicht nur mit einer nominellen Auszeichnung zu versehen, sondern ihnen eine praktische Starthilfe für ihre berufliche Laufbahn zu geben. Warum sollte auf neue Talente verzichtet werden? Also, wie wäre es, den in den fiktionalen FIRST STEPS-Kategorien Nominierten innnerhalb von sieben Jahren – oder besser noch einer kürzeren Zeitspanne – die Realisierung eines regulären Fernsehfilms zu garantieren, Männern wie Frauen? Denn das Beispiel von Hannu Salonen mit seinen neun Fernsehfilmen bedeutet bei dem Mittelwert 0,7 Fernsehfilme auf 7 Jahre pro Regisseur gleichzeitig, dass andere Regisseure gar keine Fernsehfilme inszeniert haben. Diese Garantie wäre ein Angebot für Regisseur*innen, die überhaupt an einer Arbeit für das Fernsehen interessiert sind. Ob es da grundlegende Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt – Arthouse gegen Kommerz – könnte vielleicht die nächste Umfrage unter Studierenden und Alumni herausfinden.

Gründlich untersucht werden müsste außerdem die Frage der (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es werden oft und fast reflexartig für die seltenere Beschäftigung von Regisseurinnen Kinder als Grund genannt. Nur, wie viele Regisseurinnen sind überhaupt Mütter? In welchem Alter bekommen sie ihre Kinder und inwieweit führen Kinder dazu, dass sie Fernsehaufträge nicht annehmen und Kinoprojekte aufgeben müssen? Und wie ist die Situation für Regisseure, die Väter kleiner Kinder sind, und Zeit mit ihnen verbringen wollen? Führt das auch zu Karriereknicks oder gar vorzeitigem Aus?
Das betrifft nicht nur die Regie sondern alle Gewerke (ich habe letztes Jahr darüber gebloggt: Kino, Kinder, Karriere?), und ist neben der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern vielleicht die wichtigste Herausforderung auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit von Frauen und Männer in der Film- und Fernsehbranche.

 

English Version

The Directors‘ First Steps

Since 2000 the German Film Academy has annually been presenting the First Steps Awards to the graduation films of at the German-language film schools in Germany, Austria and Switzerland.
To quote from the official website: “This award presents the high creative protential of the newcomers to the industry and also eases their “first steps” in the profession.” Today’s evaluation of 16 years of nominated films aims at checking if this is true in three categories out of a total of seven: Feature Lengh Films, Medium Length Films (up to 60 mins) and Short Films / Animated Films, i.e. the fictional films.
The first three figures show the distribution of nominations and awards for the three fictional categories for the past 16 years for the main film schools in Germany, Austria and Switzerland.

Most awards were won by the Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg, which also had been nominated the most. A look at the three film categories paints a different picture. Most nominations for feature length were received by the DFFB in Berlin (29 nominations), followed bei the HFF Munich (17). The Filmakademie Ludwigsburg and the HFF Munich lead the field for medium length films, and for short and animated films there are four film schools on top with 11 nominations each: the Filmakademie Ludwigsburg, the Media School Hamburg, the Kunsthochschule für Medien Köln and the Hochschule der Künste in Zurich, which has not been nominated in any other fictional category. We may assume that the basic financial situation for graduation films differs considerably from school to school.
Independent productions outside of film schools account for a total of 13 nominations, among which were 6 feature length films – with one award in 2003 for the film FREMDER FREUND (Foreign Friend) by Elmar Fischer. Eight film schools that don’t belong to the International Association of Film and Television Schools CILECT received a total of eleven nominations, six of which for the category short / animated film and only one for full length films.
The lenght of a graduation film does not automatically determine the following career. Marc-Andreas Borchert, whose short film KLEINGELD (Small Change) was nominated in 2000, has worked for television 20 times or more after that, and Anne Høegh Krohn who was nominated in the same year for her feature film FREMDE FREUNDIN (Foreign Girl-Friend) has since only directed one television movie and one for the cinema. So it might be useful to analyze the nominations and following careers of directors in relation to their gender as well.
The fourth figure shows all nominations from 2000 to 2015 (= 16 years), broken down to women and men directors. The fifth figure shows the same distribution, only this time percentaged, with a reference line at 42 % which has been the mean share of women among graduates at all German film schools over the last years. The figures for nominated documentaries are included as well. And figure 6 shows the share of women for nominations and awards for the three fictional categories.

Nominated films that were directed by women are just as good as those by men if the jury decisions are anything to go by, on the contrary: films directed by women made 34,3 % of all fictional nominations, but 40,4 % of the awards. This is something not only to be found among graduation films, as was discovered by research of the Institut für Medienforschung (Institute for media research) of the University of Rostock into the festival run of films:

“Only 1 in 5 films (22 %) between 2009 and 2013 were directed by a woman. These films apparently are of a high quality, since films by women receive awards more often and also have much more successful festival runs. This success is quite remarkable if we take into account that not only are women underrepresented in film productions but also as a rule films by women are less well equipped financially. (…) On average a film directed by a women gets 660,000 € of funding whereas a film directed by a man gets 1,000,000 € on average.” (Elizabeth Prommer / Skadi Loist, Wer dreht deutsche Kinofilme? Genderreport 2009-2013“, February 2015).

And what about the aforementioned ”Easing of the first steps“ for young directors? To find out I compared how many films for cinema and TV and how many TV-series the nominees directed in the first seven years after being nominated for the FIRST STEP AWARD. As a source I used the biographical data on the FIRST STEPS website, comparing and sometimes complementing it with data from crew united, Filmportal and IMDB.
The first thing that is quite remarkable is the fact that quite a large number of nominees are on zero; 17 of 43 female directors (= 40 %) and 28 of 93 male directors (= 30 %) did not direct any film for the cinema or television nor any episode in a TV series. Short films and documentaries as well as commercials and music videos were not taken into acount. The majority of the others shot their next film for cinema within seven years (female directors with 1,1 films on avery, male directors 1,0). The big difference is due to television. Male directors on average shot 0,9 TV movies over the seven year period, female directors only 0,5. For TV series the numbers are 0,5 and 0,3 respectively. To put it in words: men get nearly twice as many jobs directing for television as women do. Top of the list Hannu Salonen shot as many as nine TV movies within his first seven years after graduation, among them three TATORTE (Crime Scene, cop drama) and two POLIZEIRUFE, but no film for the cinema screen. Vanessa Jopp who graduated in 2000 just like Salonen and who won the FIRST STEPS AWARD with her film VERGISS AMERIKA (Forget America) shot one TATORT and two films for cinema in the seven years.

Where do these differences come from? Are the ambitions of male and female directors different? And more important: What are the consequences of this? Television is considered as the entrance medium to professional directing. The first Diversity Report 2014 of the Directors’ Association has shown comprehensively women directors are clearly and strongly underprepresented in public television. Why is this so? What motivates broadcasters / commissioning editors to give a project to a newcomer, to a no-name, be it a TATORT or any other television movie? Is it the charism? The quality of the graduation film? The film school? Connections? Is gender the first criterion?

I asked Hannu Salonen about the start of his television career that brought him the first three of his to date eleven TATORTs: DER VIERTE MANN (the fourth man, Berlin 2003), FEUERTAUFE (baptism of fire, Leipzig 2004) and STERNENKINDER (still born children, KIel 2005), and his only a few years after graduating with the non cop-story film DOWNHILL CITY. This is his answer:

My development is indeed quite remarkable, when you take DOWNHILL CITY and my short films prior to that into account. Those films can be assigned to art house cinema, they weren’t commercial films at all. DOWNHILL CITY was quite successful at festivals, what I personally saw was the more difficult aspect of art house cinema: in the end the films were only seen by few people, by a quite elect and so far also elitist audience. I discovered the filmmaker in me who wanted to reach the masses – not along the lines of “no matter what the cost”, but in a manner that combines entertainment and standard for the films. From then on I wanted to reach as many people as possible.
But there is another thing that tipped the scales in favour of “commercialsim”. My background, my finnish Heimat. I grew up close to large, dark forests and viking tombs – this was my spiritual home. And it was always mystical, exciting and dark. Nature played a big part in this – and still does today. This world that we are not able to control rationally has always fascinated me. It was only after my “art house period” at the DFFB film school that I found my way back to my roots, where I had been making genre films practically from childhood days, possibly mixed with Bergman and Tarkovsky, and however: it were always films that did not portray evey-day life, but rather had a mythical narrative and often ended bad and bloody.
So in this respect it is not really a surprise in the end that I stayed “at home” or rather returned some day. In a nutshell: the director of DOWNHILL CITY was and remained a fairy-tale teller.

Hannu Salonen. Beim Tatortdreh mit einem Team des Aktuellen Fernsehens des Saarländischen Rundfunks. Foto: SR/M. Meyer

Hannu Salonen. On Set of Tatort with a team of Aktuelles Fernsehen of Saarländischer Rundfunk. Photo by SR/M. Meyer

That a director wants to show his films to a bigger audience and consequently decides to leave art house cinema and turn to television is quite comprehensible. At the same time it is good news that he succeeded and got offers to direct TV movies, TV cop dramas right from the start of his career.
Who it was that enabled him, a newcomer, to shoot his first prime-time copdrama and how this came about I was not able to find out unfortunately. Nobody I spoke to from the broadcasting or the production company, neither the production manager nor the author (those were the people I had been advised to ask) had any clear recollection. Maybe it was a fortunate coincidence, maybe there were other reasons, in any case Salonen went on to direct lots of cop dramas and other television movies and still does. This year his third feature film for the cinema premiered – to a small, special audience. As far as I could find out VARES – SHERIFFI (Vares – the sheriff) has only been shown in cinemas in Finland so far.

There will always be directors, men and women, that have a better start than the rest for a number of reasons. However, when men get more directing jobs for television than women in the first seven years of their professional life, then we may assume some sort of structural discrimination, something we also encounter in other areas of society. Low shares of women in governing boards and management, for editors of newspapers and radio / TV, in talk shows and conference panels are just some examples for gender imbalance. This form of female poverty unfortunately is reproduced by the film industry and public television in front of the camera as well, who don’t present a 50:50 gender balance in their fictional casts that would more truthfully depict the situation in this country.
WINNETOU (8 men and 1 woman in main cast) will be remade and possibly also DAS BOOT (all-male main cast) – even the TV series WEISSENSEE mainly centred around – very different and complex – male characers. Films and series with surplus female characters to balance this are not to be found. Are women really less interesting for film and TV plots, or is this the result of a bad habit?
Is this because of the structures or the way, new plot ideas are found? Be this as it may, we very often see man als the makers and women as the ornament or patient listeners. So we don’t really think of women when there is something we want to be done.
In this context I would like to go back to my blog text Ask yourself: What would DRadio Kultur do? about a weekly radio show in Germany. All-female editing staff offers a programme that covers socially relevant and popular topics and has been inviting a vast majority of male guests over the past years. At the moment the ratio is 1 to 3,5 – without the need to do so becauser there are enough female experts around – if only someone cared to look for them. But what is happening instead? Maybe something like this: “So we are planning a discussion on topic ABC, which men could we invite?” or “Let’s try for some diversity, so how about taking a middle-aged and an older man.” “Oh yes, someone with practical experience and an academic, possibly a professor?”
And what might happen in television? “Here’s the new script, who will be our man (sic!) to direct it?”

There are alternatives of course. Let’s learn from the way some major orchestras have been dealing with overcoming the male bias. In order to not discriminate musicians because of their gender auditions are held with the musicians playing behind a curtain or a sceen, so that the decision about whether to hire someone is based on muscial merit. This approach has led to a substantial rise in the share of female musicians in the orchestras. Also we know of literary competitions where writers have to apply anonymously, and some publishers even have manuscripts checked gender-neutralized, both led to a rise in the share of female writers. Is this a path public television could go as well? Why not? There are a number of arguments in favour of anonymized submissions of scripts and plot exposés, not only from a gender point of view.
As regards the hiring of directors this would be more difficult, because there you can’t really anomymize the applications. There are a number of measures against discriminating female directors that are being discussed currently. Not only for feature films (cinema) but also for television there is some commition, not least because of Pro Quote Regie: the head of programme for ARD (first channel, public television) Volker Herres has announced the goal of a 20 % quota for female directors for the TV movie slots TATORT, POLIZEIRUF and Mittwochsfilm (Wednesday movie). This is a first step, and an important one. Others will have to follow, also at the ZDF (second channel, public television).
Which brings us back to the FIRST STEPS AWARDS. Boosting young directing talents generally and women in particulary are very important for the future to provide diverse cinema and television for the audiences, this is one of the conclusions that can be drawn from the First Diversity Report by the German directors’ guild BVR. And it makes total sense to not only nominate those elaborately and expensively trained film school graduates for an award, but give them a proper start-up for their professional careers. So what about guaranteeing every nominated graduate, man and woman, the job of directing a regular TV movie within their first seven years – preverably within a shorter time-span even? We can deduce from Hannu Salonen’s example (nine TV movies within his first seven years) and the average value of 0,7 films / 7 years for all male nominees that quite a large number did not direct a TV movie at all. This guarantee of course is an offer for all directors who are interested in working for television in the first place. Whether there are differences between women and men – art-house versus commercial projects – might be an interesting question for a future survey among students and alumni.

Another question that needs to be investigated thoroughly is that about the (in-)compatibility of job and family for directors. Very often, and maybe as a reflex, the low share of women in directing is explained by “they start a family”. But how many female directors are mothers? In what age do they have their children, and do children lead to them having to turn down TV and cinema jobs? And what about the situation of male directors who are the fathers of young children and want to spend time with them? Do they experience a setback in their careers or even a premature end to it?
This of course is not only a challenge for directors but for people in all areas of the film / TV industry (I wrote about this last year: (Cinema, Career, Children), and combining family and work is next to equal pay for women and men perhaps the most important challenge on the road to equal opportunities for women and men in the film and TV industry of today.


 

One thought on “Als Hannu Salonen anfing, Fernsehkrimis zu drehen – Directors’ First Steps

  1. Eine gekürzte Fassung dieses Textes ist gestern bei out-takes erschienen:
    FIRST STEPS AWARD – die ersten Schritte der Regiekarriere

    A shorter version of this text – only in German – was published yesterday in the blog out-takes.

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