SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

DRadio Kultur und sein Frauenproblem – When will we get to see some Change?

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English Version follows German.

Heute ist der 16. Januar, mein Blog SchspIN wird 3 Jahre alt und im Hintergrund läuft das Radio: Die Sendung IM GESPRÄCH MIT HÖRERN, in der jeden Samstag zwischen 9 und 11 Uhr ein oder zwei Fachleute über ein aktuelles oder nicht aktuelles Thema mit anrufenden oder emailenden Hörer*innen diskutieren, hat heute das Thema: Flüchtlingspolitik – Wo liegen unsere Grenzen bei der Integration?

Forderungen nach schärferen Gesetzen, Instrumentalisierung von rechts: Nach Köln hält die Debatte über die Konsequenzen an. Was müssen beide Seiten jetzt tun? Brauchen wir eine offenere Debatte über Integration? Darüber sprechen wir mit der Ex-SPD-Abgeordneten Lale Akgün und dem Politologen Hans Vorländer. 

(Immerhin! in der 3. Sendung des Jahres ist zum ersten Mal eine Expertin im Studio.)
Das Foto zur Sendung zeigt ein Schild mit der Aufschrift „Köln ist überall !!!“ und trägt die Unterschrift „Anhänger des bayerischen Pegida-Ablegers Bagida versuchen in München die Silvesterübergriffe von Köln zu instrumentalisieren“. Zum Schluss der Ankündigung heißt es: Wendepunkt Köln – Wo liegen unsere Grenzen bei der Integration?

In dem 517 Wörter langen Text kommt das Wort Köln vier Mal vor, es ist von Silvester-Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof die Rede, aber Wörter wie Frau oder Sexismus oder sexualisierte Gewalt fehlen.
Die ungeheuerlichen Übergriffe gegen Frauen – das ist mit „Köln“ gemeint – werden nicht zum Anlass genommen, mit den Hörer*innen über Sexismus in unserer Gesellschaft zu sprechen, über Gemeinsamkeiten und mögliche Unterschiede zwischen urdeutschem und zugewandertem Sexismus, über die mangelnde Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum und den eigenen vier Wänden, über die desolate Realität bei Anzeigen sexualisierter Gewalt, womöglich mit einer Initiatorin von #ausnahmslos als ein Gast (Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos). Nein, es geht um Integration. „Was müssen beide Seiten jetzt tun? Brauchen wir eine offene Debatte über Integration?“ Aus den vorangegangenen Sätzen wird nicht ganz klar, wer die beiden Seiten sind: etwa die Täter von Köln und die Frauen, die ihre Opfer wurden?
Mir stellt sich in diesem Moment eine andere Frage, und das nicht zum ersten Mal:

Deutschlandradio Kultur – Hast Du ein Problem mit Frauen?

Die folgende Grafik zeigt die deutliche Männerlastigkeit der Gästelisten aller Sendungen der vergangenen drei Jahre:DRadio_Gaeste_2013-2015Nach wie vor ist es ein einseitiges Format, die große Mehrheit der Gäste, der Fachleute für die verschiedensten Themen, sind Männer. 2015 saß in über 58 % der Sendungen keine Expertin im Studio. In 11 von 14 Sendungen mit nur einem Gast war dies ein Mann.
Es gibt kaum etwas zu sagen, das ich nicht schon über diese Sendung geschrieben habe, über die Aussagen der Redaktion zu den fehlenden Frauen, über die erfolgreiche Suche nach kompetenten Fachfrauen für die männlich besetzten Themen, über die Auswirkungen auf das Radiopublikum und mehr:

Ach doch, eine neue Sache gibt es! Und zwar stand 2015 erstmal in den letzten drei Jahren ein frauenpolitisches Thema auf dem Programm: Was kann die Welt für Frauen gerechter machen? mit Monika Hauser, Fachärztin für Gynäkologie, die In den 1990er Jahren die Frauenrechtsorganisation medica mondiale gründete.
Diese hochinteressante Sendung, bei der sowohl Hörerinnen als auch Hörer anriefen, steht zum Nachhören auf der DRadio-Webseite, allerdings unter einem anderen Titel. Sie heißt jetzt nicht mehr Was kann die Welt für Frauen gerechter machen? Sondern:Bild_Dradio_MonikaHauserKlingt interessant, nur hat es mit dem Schwerpunkt der Diskussion nichts zu tun. Wenn der Titel schon geändert werden muss (wobei, muss er das?), warum nicht ein Zitat nehmen wie zum Beispiel:  „Wenn die Welt für Frauen gerechter wäre, wäre sie gerechter für alle!“ Oder noch besser: warum nicht einfach den ursprünglichen Titel belassen? Die Antwort von DKultur auf meine Nachfrage lautete:Dradio_Hauser_EUIch habe gerade die Titel der 2015er Sendungen in meiner Tabelle mit denen auf der DRadio-Webseite verglichen. Alle Titel waren gleich, bis auf den der Sendung mit Frau Hauser. Natürlich weiß ich nicht mehr, welche Titel ich während der Sendung und welche erst später eingetragen habe. Aber ich weiß, dass ich es öfter am Tag selber gemacht habe. Wenn diese Aussage mit der „echten Headline“ nach der Auswertung stimmt, müssten dann nicht noch weitere Titel anders sein?
Ansonsten bleiben die üblichen Fragen:

  • Warum werden so wenig Expertinnen in die Sendung eingeladen, wird nicht richtig gesucht?
  • Was kann die Sendung IM GESPRÄCH MIT HÖRERN für Frauen gerechter machen?

Und da mein Blog ja heute Geburtstag hat, darf ich mir vielleicht über das übliche hinaus (Holt mehr Frauen in die Sendung!) etwas wünschen:

Liebe Redaktion,
mal was ganz anderes, ich hab einen Vorschlag für ein Thema!

Frauen kommen nicht vor – über die Tücken der deutschen Sprache.
Gäste: Ihr ladet doch gerne Männer ein und besonders gerne Professoren. Dürften es diesmal ein Mann UND eine Frau sein, wenn sie Professorin ist?
Vorschlag: Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch und Prof. Dr. Luise F. Pusch.

Das würde bestimmt eine hörenswerte Sendung.

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English Version

When will we get to see some Change in the Guest List?

Today for the fifth time I am looking at a weekly radio show on Deutschlandradio Kultur (German Culture Radio, abbreviated DRadio or DKultur) called „Im Gespräch“ (Conversations). There one or two guests who are experts on the day’s topic are invited, sometimes presenting opposing views, sometimes just coming from different and in a way complementary lines of work. Then there is a host and also listeners calling in or participating via emails with questions and comments.
The following diagram shows that in the last three years the majority of guests are male, 58 % of the discussions were without female experts in the studio, of the 14 shows with only one guest 11 were with a man.

DRadio_Guests_2013-2015There is hardly anything left to say that I have not written about in the past: the quotes from the makers of the show, the lack of women, my successful search for competent female experts for the male-only topics of the pasts, the effects a male-dominated show like this has on the radio audience etc:

Oh, but there is one new aspect! In 2015, for the first time in the past three years, a women politics topic was discussed: What can be done to make the world fairer and more just for women? The only guest on Nov. 28 was Monika Hauser, specialist in gynecology and founder of the women’s rights organizatin medica mondiale in the 1990s.

This very interesting discussion, where both female and male listeners participated, can be heard again (in German) via the website of DRadio. Surprisingly enough though under a new title. It is not Was kann die Welt für Frauen gerechter machen? / What can be done to make the world fairer and more just for women? any more. The new title is: “The EU should give back its Nobel Prize”. Yes, that is a quote from the show, but of course it is not a summary of the topic, of the discussion. If you want to change the title, why not use another, more fitting quote: “If the world were more just for women, it would be more just for everyone!” But better still, why not keep the original title? I asked DKultur and they answered:

This is standard procedure. We have a working title BEFORE a show is broadcast and after evaluating it afterwards we come up with a new headline.

I just checked the titles of all 2015 shows in my database and compared them with the DRadio website. All titles were the same, except for the discussion with Monika Hauser. Of course I don’t remember any more which titles I typed during the broadcast of the show and which I added afterwards. But I do remember that I wrote down a number of titles directly, so if this changing of titles after evaluating the discussion is common practise there would have been some deviations. I close with the usual questions:

  • Why are so few female experts invited to the show, are the makers biased or simply not doing a proper search?
  • What can be done to make the programme IM GESPRÄCH MIT HÖRERN / CONVERSATIONS WITH LISTENERS fairer and more just for women?

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