SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

Was tut sich am TATORT? – #2v6pN – Who’s to be seen in CRIME SCENE?

English Version follows German.

TATORT-Analyse 2011-18: Sechs Gewerke und der Hauptcast


Zum 1. August 2015 hatte sich die ARD-Tochter Degeto Film GmbH zunächst für drei Jahre verpflichtet, den Regisseurinnenanteil in ihren Produktionen auf 20 % zu erhöhen:

Damit greift Christine Strobl eine Forderung auf, die „Pro Quote Regie“ im vergangenen Jahr formuliert hatte. Zwanzig Prozent aller Filme in der Regie von Frauen, das sei ein „maßvolles Ziel“, sagt Christine Strobl (…). Sie will damit in der Branche, bei Produzenten und in den Redaktionen für ein „verändertes Bewusstsein“ sorgen.
(Manfred Hanfeld: Zwanzig Prozent Regisseurinnen FAZ 8.7.15)

Ob es zu den 20 % Regisseurinnen gekommen ist und auch zum veränderten Bewusstsein in Redaktionen weiß ich nicht – es ist auch gar nicht so einfach, die Degeto-Produktionen eines Jahrgangs herauszufinden – aber zumindest kann ich sagen, dass die ARD- TATORTE (die nicht von der Degeto sondern von Landesrundfunkanstalten produziert werden) im ersten Halbjahr 2018 die Regisseurinnenmarke von 20 % fast erreicht haben.

Ich habe außerdem noch einen weitergehenden Selbstverpflichtungs-Vorschlag, aber dazu später mehr, am Ende des Textes (2v6pN). Jetzt erst mal die TATORTE.

Das erste TATORT-Halbjahr 2018

4 von bislang 21 TATORTEN 2018, das sind 19 %, wurden von Frauen inszeniert. Im gleichen Zeitraum gingen allerdings die Frauenanteile in einigen anderen Gewerken  in den Keller. Keine Frau lieferte die Bilder, keine den Ton, und auch die Geschichten, die Dialoge schrieben nur zu 7 % Frauen. Das zeigt die folgende linke Abbildung.
Besteht womöglich ein Zusammenhang zum erhöhten Regisseurinnenanteil? Diese Vermutung äußerten letztes Jahr einige Kamerafrauen, sie hätten – nicht bei TATORTEN – bereits mehrfach gehört „wir haben jetzt schon eine Regisseurin, da können wir nicht auch noch eine Kamerafrau nehmen“. Oder kommen die ganzen TATORTE die von Frauen geschrieben und gefilmt wurden in der zweiten Jahreshälfte? Oder ist es einfach nur Zufall?
Vor der Kamera hat sich auch einiges getan, im ersten Halbjahr (und auch schon 2017) lag der Anteil der gemischten Ermittlungsteams in den ausgestrahlten TATORTEN bei über 60 % – eine ziemliche Steigerung, wenn wir 2011 mit weniger als 40 % betrachten. Und Hannover ist auch nicht mehr der einzige TATORT ohne Hauptermittler (siehe die folgende rechte Abbildung).

Sechs Monate sind natürlich nicht so aussagekräftig, deshalb ein Blick zurück.

TATORT 6-Gewerke-Check: Die Daten und die Quellen

2011 bis Sommer 2018, das sind siebeneinhalb Jahre mit insgesamt 276 TATORTEN, bei 6 Gewerken also insgesamt 1656 Teampositionen. Die TATORTE selber gibt es schön übersichtlich auf der ARD-Webseite, dort werden Sendetermine, Titel, Städte und Ermittlungsteams genannt und auf den Unterseiten dann eine inhaltliche Kurzbeschreibung (um die es nicht gehen wird), sowie meistens die Teampositionen Regie, Drehbuch, Kamera und Musik und das, was ich den Hauptcast nenne. Die fehlenden Angaben, denn manchmal gibt es nur Regie und Drehbuch und Ton und Schnitt kommen gar nicht vor, recherchiere ich bei filmportal,de, crew united, IMDB und Wikipedia. Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach den Tonmeister*innen – wenn es die Angabe bei filmportal nicht gab war meist die letzte Hoffnung IMDB mit dem Problem unterschiedlicher Begrifflichkeiten – und den Komponist*innen, die ich bei fehlenden filmportal-Rubriken erstaunlich häufig bei Wikipedia fand, wobei ich nicht weiß, woher die Angaben dort stammen. Und für eine Handvoll TATORTE habe ich gar keine Tonleute auftun können.
Um es kurz sagen: es war viel Arbeit (nach Recherche und Analyse, d.h. als ich anfing  den Text zu schreiben, hatte ich mehr als 60 Stunden auf der Stechuhr) und alles ist ohne Gewähr, obwohl ich natürlich so sorgfältig wie möglich gearbeitet und alle Berechnungen mehrfach wiederholt habe.
Hinweis 1: Alle Abbildungen – auch die Bildergalerien – werden durch Anklicken größer zum Betrachten.
Hinweis 2: Ihr könnt gerne mit meinen Ergebnissen, Analysen und Grafiken arbeiten und sie verwenden, aber bitte gebt mich als Urheberin an. Immer.

6-Gewerke-Check: Regie Drehbuch Kamera Komposition Ton Schnitt

Das Fehlen von Kamera- und Tonfrauen 2018 hatte ich bereits angesprochen. Über alle Jahre gab es  fünf mal eine Null, in den insgesamt 48 Jahreswerten (= 8 untersuchte Jahre, 6 Gewerke), das sind 10 %:

Die nächste Abbildung zeigt alle sechs Gewerke für den untersuchten Zeitraum und als Referenzwert in fünf Fällen die Alumniangaben, also die Frauanteile unter den Absolvierenden, so wie sie in der FFA-Studie Gender und Film (2017) angegeben werden. Das Ansteigen der Regisseurinnen nach dem Zwischenhoch 2012 ist deutlich zu erkennen, ebenso die traurige Drehbuchsituation der letzten beiden Jahre. Die TATORTE sind fiktionale Stoffe aber sie sollen in unserem Land spielen, in der Gegenwart. Warum erzählen das fast nur noch Männer? Dass von den Alumni fast 50 % Frauen sind macht deutlich, dass Autorinnenmangel nicht wirklich der Grund sein kann. 2018 gab es mehr TATORTE deren Musik von einer Frau komponiert wurde als welche, deren Geschichten von Frauen stammen.
Im Gegensatz zur Tonausbildung schließen bei Kamera ein Viertel Frauen ab, was ist also die Erklärung für die beide Löcher 2015 und 2018? Können weibliche DoPs kein Blut sehen oder sind ihnen Verfolgungsjagden zu schnell? Ernsthafter: kennen die Redaktionen einfach keine (es gibt sie, siehe Kamera: mit ihren Augen) oder haben die TATORTE Stammkameramänner? Zumindest zur letzten Frage kann ich etwas beisteuern, etwas weiter unten. Der Frauenüberhang im Schnittbereich – bei mittlerweile ausgeglichenen Ausbildungszahlen – macht das Bild immerhin etwas bunter:

Die nächste Galerie liefert Detailansichten und Umfeld der sechs Gewerke. Zunächst sind die Berufsanfänger*innen (entsprechend den Alumni), den Verbandsmitgliedern und den im Beruf stehenden gegenübergestellt. Für letzteres habe ich die Volleinträge in der Datenbank von Crew United verwendet (Stand 2017). Es bleiben aktuell deutlich weniger Regisseurinnen und Kamerafrauen als Drehbuchautorinnen in den Projekten ,übrig‘. Hat das vielleicht auch mit der leichteren Vereinbarkeit von Beruf und Familie der Autorinnen zu tun? Damit, dass Drehbücher zu Hause oder im Büro geschrieben werden können, über längere Zeiträume, alleine oder im Team? (Auch bei den TATORTEN gab es jedes Jahr recht viele Ko-Autor*innen. Wobei oftmals auch Regieleute die Bücher mitschrieben, aber das war eine Minderheit unter den Teams).
Bei Komposition fehlen verständlicherweise zwei Werte, nämlich Ausbildung und Verband. Interessant wird es beim Schnitt, wobei, ich habe schon öfter drüber geschrieben: im Verband ist der Frauenanteil (noch) so hoch, weil Schnitt in analogen Zeiten ein klassischer Frauenberuf war und Männer sich erst verstärkt seit der Digitalisierung zum Editor ausbilden lassen. Die Ausbildungszahlen sind aktuell grob 50 : 50, im Beruf haben die Männer schon im Schnitt das Übergewicht (ja, das Wortspiel war Absicht), im Verband stellen sie zumindest im Vorstand auch die Mehrheit (5 : 2).
Das zweite Bild zeigt den 6-Gewerke-Check für die 100 erfolgreichsten Kinofilme 2012 bis 2015 und als drittes und viertes dazu die TATORTE aus dem gleichen Zeitraum bzw. von  2015 bis heute. Im ersten Zeitabschnitt gibt es prozentual mehr Kinoregisseurinnen und -drehbuchautorinnen als beim TATORT, und gleichzeitig arbeiten prozentual wesentlich mehr Editoren im Kino als im TATORT. (Galerie anklicken, dann könnt Ihr mit den Pfeilen links und rechts hin- und herwandern).

Meine Entschuldigung an die Gewerke Komposition und Schnitt, denn in der Folge betrachte ich noch einmal die anderen vier Gewerke, in vier Abbildungen.
Als Einstieg das kommende linke Bild 1 mit den Frauenanteilen bei Alumi, im Beruf, den Top 100 Filmen und den beiden TATORT-Gruppen. Bild 2 zeigt, wie viele Leute absolut in den siebeneinhalb Jahren in allen vier Gewerken arbeiteten – also nicht die Teampositionen sondern die Frauen und Männer die zum Einsatz kamen. Es waren ungefähr gleich viele Regisseure, Kameramänner und Tonmeister (ca. 110),  also keine Handvoll Stammkameramänner, die allen anderen – Frauen wie Männern – den Weg zum Set versperren. Drehbuchautoren gab es deutlich mehr, 155, was vermutlich auch mit den Schreibteams (von 2 bis 4 Leuten) zusammenhängt. Dem standen wie zu erwarten war deutlich weniger Frauen gegenüber, die von 33 (Drehbuchautorinnen) bis  4 (Tonmeisterinnen) reichten.
Bild 3 und 4 zeigen, in wie vielen TATORTEN jeder Mann bzw. jede Frau durchschnittlich gearbeitet hat, in den Zeiträumen 2012 bis 2015 und 2015 bis Sommer 2018. Die Werte der Männer in jedem Gewerk sind relativ stabil, insgesamt arbeiteten sie in  1,6 bis 2,1 TATORTEN. Bei den Frauen zeigt sich ein anderes Bild, mit sehr unterschiedlichen Werten in den beiden Zeitabschnitten. 2012 bis 2015 konnten nur 6 verschiedene Regisseurinnen TATORTE inszenieren, 2015 bis 2018 waren es immerhin schon 16, das Verhältnis Regisseurinnen zu Regisseuren sank von 1 : 12 auf 1 : 4. Beachtlich. Gleichzeitig sank die Anzahl von TATORTEN pro Regisseurin von 2 auf etwas über 1, viele inszenierten ihren ersten und bislang einzigen TATORT. Ob sie auch den zweiten, dritten und vierten bekommen, wird sich in ein paar Jahren zeigen. Von 2011 bis 2018 waren es übrigens 17 verschiedene Regisseurinnen.
Im Kamerabereich gab es den entgegengesetzten Trend, die Zahl der Kamerafrauen nahm ab: statt 8 nur noch 5 verschiedene Kamerafrauen, und die TATORTE pro Frau sanken noch drastischer. Die Drehbuchautorinnen sind nur geringfügig weniger geworden, von 25 (2012-15) zu 18 (2015-18), die TATORT-Bücher pro Person haben sich kaum verändert. In beiden Zeiträumen kamen jeweils drei verschiedene Tonmeisterinnen zum Einsatz (es gibt einfach nur sehr wenige, in der Crew United Datenbank stehen 18), und bei den Top 100 Kinofilmen kommen auch nur rund 5 verschiedene pro Jahrgang vor, allerdings andere als bei den TATORTEN.  (Randbemerkung:  es gibt bei Crew United 15 Komponistinnen und 321 Editorinnen. Und über Frauen und Filmton schreibe ich ein anderes Mal ausführlicher.) Hier nun die Bilderreihe:

Die TATORTE pro Person sind Durchschnittswerte. Die Spitzenreiter*innen der vier Gewerke, bezogen auf die siebeneinhalb Jahre waren:
Regie: Florian Baxmeyer (12 TATORTE) und Franziska Meletzky (5 TATORTE)
Drehbuch: Jürgen Werner (17) und Dagmar Gabler (5)
Kamera: Jürgen Carle (14) und Christine A. Meier (4)
Ton: Wolfgang Wirtz (21) und Katja Schenk (6)

Auch eine ziemliche Diskrepanz zwischen Männern und Frauen.

Und noch eine letzte Korrelation: Anzahl reiner Männergewerke pro TATORT und Jahr. Als Hilfe zum Lesen der nächsten linken Abbildung: die kleine hellgrüne Säule bei „Zwei“ bedeutet, dass es unter den 2012er TATORTEN einen Film gab, bei dem zwei der sechs Gewerke mit Männern besetzt waren. Die hellblaue Säule ganz rechts wiederum zeigt, dass 2018 bislang in vier TATORTEN alle sechs Gewerke männlich geführt wurden, also ohne jegliche Frauenbeteiligung. Den höchsten Wert in jedem Jahr liefert die „Fünf“, d.h. fünf Gewerke wurden an Männer und eins an eine Frau vergeben. Es gibt keine TATORTE mit fünf oder sechs ,Frauengewerken‘, und insgesamt nur drei Filme mit vier Frauengewerken, wobei eins jeweils die Regie ist:

  • Frankfurt-Tatort DIE GESCHICHTE VOM BÖSEN FRIEDRICH (2016). Regie Hermine Huntgeburth, Ton Katja Schenk, Schnitt Silke Franken und Musik Christine Aufderhaar. Erste Rolle Margarita Broich.
  • Konstanz-Tatort WOFÜR ES SICH ZU LEBEN LOHNT (2016). Regie Aelrun Goette, Buch Aelrun Goette mit Sathyan Ramesh, Kamera Conny Janssen, Schnitt Saskia Metten. Erste Rolle Eva Mattes.
  • Bremen-Tatort ORDNUNG IM LOT (2012). Regie und Buch Claudia Prietzel und Peter Henning, Kamera Bella Halben, Schnitt Elke Schloo. Erste Rolle Sabine Postel.

Nicht unerwähnt bleiben sollen an dieser Stelle die fünf TATORTE von Regisseuren, die ebenso wie die gerade genannten drei Regisseurinnen mit drei Frauen in den genannten Gewerken drehten:

  • Konstanz-Tatort DER SCHÖNE SCHEIN (2011). Regie René Heisig, Buch Susanne Schneider, Kamera Cornelia Wiederhold, Schnitt Martina Butz. Erste Rolle Eva Mattes.
  • Leipzig-Tatort RENDEZVOUS MIT DEM TOD (2011). Regie Buddy Giovinazzo. Buch Meike Hauck mit Clemens Schönborn, Musik Susan DiBona, Schnitt Katja Dringenberg. Erste Rolle Simone Thomalla.
  • Ludwigshafen-Tatort TÖDLICHE HÄPPCHEN (2012). Regie Josh Broecker, Buch Frauke Hunfeld mit Josh Broecker, Kamera Cornelia Wiederhold, Schnitt Katja Habermehl. Erste Rolle Ulrike Folkerts.
  • Und die beiden Bremen-Tatorte DIE WIEDERKEHR (2015). Regie Florian Baxmeyer, Buch Stefanie Veith mit Matthias Tuchmann, Ton Tina Schulte, Schnitt Friederike Weymar. Erste Rolle Sabine Postel. und
  • NACHTSICHT (2017). Regie Florian Baxmeyer, Buch Stefanie Veith mit Matthias Tuchmann, Ton Tina Dobbertin, Schnitt Friederike Weymar. Erste Rolle Sabine Postel.

Alle 8 Filme hatten eine weibliche erste Rolle. Noch so ein Zufall? Die zweite – hellblaue – Abbildung zeigt den prozentualen Anzahl von TATORTEN mit mindestens zwei Gewerken, an denen Frauen beteiligt waren von den sechsen – das können auch Frau-Mann-Drehbuchteams sein. Und es ist nicht jedes Mal Schnitt dabei. Der Mittelwert über die Jahre liegt bei 31 %.


63 TATORTE hatten null Frauen in den sechs Gewerken. Bezogen auf die Gesamtzahl (276) sind das 22,8 %, von den 247 TATORTEN mit Regisseuren ist das ein Viertel, 25,5 %. Dieser Wert wird – vielleicht überraschend – auch bei den Regisseurinnen-TATORTEN erreicht. 8 von 31 TATORTEN hatten keine weitere Frau in den sechs Gewerken, das sind 25,8 %.
Eine Reihe von Regisseuren und eine Regisseurin tauchen mehr als einmal in dieser Null-Kategorie auf. Aber egal, es soll ja kein Pranger sein, sondern ein Denkanstoß. Insofern wäre es vielleicht interessant zu sehen, ob bestimmte TATORT-Städte bzw. -Redaktionen häufiger durch diesen Frauenmangel auffalen, aber das habe ich auch nicht recherchiert.

Wir können jedenfalls festhalten, dass es in jedem der sechs Gewerke qualifizierte und TATORT-erprobte Filmfrauen gibt (zugegebenermaßen sehr wenige für Ton und Musik). Männer natürlich auch. 

Jetzt noch ein Blick vor die Kamera, das lässt sich relativ knapp in nur drei Abbildungen analysieren: Noch einmal die Zusammensetzung der Ermittlungsteams, dann in der Mitte die Frauenanteile für die erstgenannten Rollen und die auf den ARD TATORT-Seiten aufgeführten Hauptcasts. Im ersten Halbjahr 2018 wurde von den erstgenannten Frauenrollen erstmals die 50 % Linie überschritten. Ich weiß nicht, ob dieser Wert am Ende des Jahres bestehen bleibt, denn es kommen ja noch die ganzen Filme der zweiten Hälfte. Aber bemerkenswert ist das schon. Die dritte Abbildung zeigt erstgenannte Rollen und Hauptcasts für die acht Jahrgänge:

Am aufschlussreichsten finde ich das dritte Bild, aus zwei Gründen.
1. Der Frauenanteil unter den ersten Rollen ist schrittweise angestiegen. Das kann viele Gründe haben. Zum Beispiel das Bemühen der Verantwortlichen um mehr Kommissarinnen. Oder, dass bei den meisten neuen mixed Ermittlungsteams Frauen zuerst genannt werden, auch wenn es keine so deutliche Hierarchie gibt wie beispielsweise bei den Kiel-, Dortmund oder Saarbrücken-Tatorten.
2. Die Genderzusammensetzung der Hauptcasts ist eigentlich unverändert. Warum? Vielleicht werden Frauen als wirkliche Handlungsträgerinnen vergessen, und weiter mehrheitlich als Ehefrau, Partnerin, Tochter oder Mutter von Verdächtigen, oder Prostituierte angelegt. Auch die Tatsache, dass dermaßen viele Drehbücher von Männern geschrieben werden (2017 und 2018 jeweils 93 %!) kann eine Rolle gespielt haben.

Was wäre, wenn jedes TATORT-Drehbuch zu Produktionsbeginn mit der NEROPA-Methode von einem Dreierteam überprüft würde? Das verändert zwar  die Geschichten nicht groß, aber zumindest wird es zu mehr Frauenrollen führ, mit mehr Berufen und auch älteren, denn es werden vermutlich in den meisten Filmen die eine oder andere zusätzliche Frauenrolle, d.h. genderumgewandelte Männerrollen, rausspringen, nicht nur bei den kleinen namenlosen Tagesrollen.


Ich hatte es ja eingangs schon angekündigt, ich möchte ich zum Schluss eine Idee für eine Selbstverpflichtung aller TATORT-Verantwortlichen (und auch anderer) vorstellen:

2 von 6 plus NEROPA  –  #2v6pN

  • In jedem zu produzierenden TATORT werden mindestens zwei der Gewerke Regie, Drehbuch, Kamera, Komposition, Ton und Schnitt mit Frauen besetzt (Heads of Department). Wird eine Position von mehreren geteilt wie es z.B. bei Drehbuch, Ton oder Musik öfter der Fall ist, zählt das auch.
  • Mit jedem TATORT-Drehbuch wird zu Produktionsbeginn der NEROPA-Check durchgeführt.

Zwei Gewerke, das sind ein Drittel von den sechs, und es entspricht gleichzeitig dem Mittel der fünf Alumniwerte (für Musik habe ich keinen Wert).

Diese Selbstverpflichtung könnte beispielsweise ab 2020 eingeführt werden, die 2019er TATORTE werden bzw. wurden teilweise ja schon gedreht bzw. besetzt. Der Vorteil einer Verpflichtung für jeden TATORT – und nicht einer Zielgröße für die gesamte Reihe für nur ein Gewerk – ist, dass die autonom produzierten Filme bzw. Produktionsfirmen sich nicht mit anderen absprechen müssen, und dass es schneller zu (nicht nur statistischen) Veränderungen führen kann. Das Konzept der Diversitätsklausel (Inclusion Rider) von Dr. Stacy Smith (siehe auch Der Inclusion Rider) hat mich nicht wirklich überzeugt, weil da nur „ladet auch jeweils eine Frau im Bewebungsprozess für zehn Gewerke ein“ – das muss zu keiner Beschäftigung führen. #2von6pN schon.
Warum ich auch gut finde, dieses Modell, diese Zielvorgabe für die TATORTE anzunehmen ist, dass es zum einen die vielleicht prestigeträchtigsten öffentlich-rechtlichen Fernsehfilmproduktionen sind, die seit Jahrzehnten eine Männerdomäne waren – und jetzt vielleicht andere Formate anstecken können. Außerdem sind TATORTE wirklich überschaubar, quasi ein begrenztes Filmotop, so dass sie sich für Testlauf von #2v6uN geradezu aufdrängen.

Die Alumnizahlen und die Angaben der Crew United Datenbank sowie die Auswertung der acht TATORT-Jahrgänge haben gezeigt, dass es in jedem Gewerk qualifizierte Filmfrauen gibt, und wenn wir voraussetzen, dass die Ausbildung an den deutschen Filmhochschulen nicht schlecht ist, kommen noch mehr dazu, als potenzielle Auswahl für die Entscheider*innen.
Würden durch diese Selbstverpflichtung Männer benachteiligt? Hm, wenn wir von durchschnittlich 36 TATORTEN in einem Jahr ausgehen, bleiben immer noch (maximal) 144 Head-Positionen für Männer in den 6 Gewerken übrig. Das sind weitaus mehr als  Frauen bislang zur Verfügung standen. Und dass ein Großteil der Bremen-TATORTE von Florian Baxmeyer (und soweit ich weiß – anderes Beispiel – alle TATORTREINIGER von Arne Feldhusen) inszeniert wurden hat auch noch niemand als Diskriminierung der anderen bezeichnet.
Werden mehr Frauen in den Gewerken zu einem filmischen Qualitätsabfall führen? Nein. Warum sollte eine qualifizierte Frau weniger gute Ergebnisse abliefern als ein qualifizierter Mann, per se? Es geht ja nicht darum irgendeine Frau einzustellen die noch nie an einem Filmset gearbeitet hat, aber ganz fit mit Handycam und Kopfhörern kann.
Ich habe  die Daten nicht unter inhaltlichen Aspekten oder vermuteten Publikumszahlen analysiert und auch nicht die weiblich vergebenen Gewerke mit den dubiosen, sogenannten Einschaltquoten korreliert. Allerdings möchte ich trotzdem die Behauptung aufstellen, dass zwei oder drei Frauengewerke niemanden zum Abschalten bringen werden, und dass die Beliebtheit beispielsweise der Münsteraner TATORTE nicht daran liegt, dass meist nur eine Frau (die Editorin) in den 6 Gewerken auftaucht.
Zur Erinnerung, aktuell machen die TATORTE, bei denen mindestens 2 der 6 Gewerke mit Frauen besetzt sind, ein Drittel aus. Dies auf 100 % zu steigern wirkt enorm, aber warum nicht mal einen größeren Schritt gehen, der zudem kein Risiko birgt?
Noch toller wäre es, wenn von alleine Frauen wie Männer an der Spitze von und in Teams arbeiten, und die Stoffe sowohl von Frauen als auch Männern stammen und handeln. Nur, dieses ,von alleine‘ scheint ja nicht immer so gut zu funktionieren.
Ein weiteres Thema für diese sechs Gewerke ist die Bezahlung und Fair Pay, aber das ist nun wirklich ein Thema für einen anderen Tag.

Und was denkt Ihr über 2 von 6 plus NEROPA?

k.

English Version

Germany’s Top Cop Drama TATORT on and off-screen 2011 to 2018

The women directors lobby group Pro Quote Regie – who have since then expanded and are now Pro Quote Film, covering some 10 departments – had been campaigning for more films directed by women in German film and televison. Just under three years ago the Degeto Film GmbH (the company who is responsible for a large number of films of public tv channel ARD) commited to a 20 % share of female directors in their productions. Degeto boss Christine Strobl is quoted as saying that 20 % are a resonable target with which she wanted to ensure a change of consciousness within the industry, among producers and commissioners (according to Manfred Hanfeld: Zwanzig Prozent Regisseurinnen FAZ 8.7.15).
Unfortunately it is not so easy to get hold of a list of all Degeto‘s productions in a year, so instead I looked into Germany‘s top cop drama TATORT / CRIME SCENE once again, a weekly 90 min. film broadcast by ARD on Sunday nights, with roughly 35 news films every year. Because surprisingly enough the TATORTE (that‘s the plural) have nearly reached a 20 % share of female directors in the first half of 2018 – after years of single-figures in that category.
By the way, I have a different proposal for a commitment which I will present at the end of today’s text (#2v6pN). But first, let’s have a look at the TATORTE.

The first six months of TATORTE 2018

Indeed, 4 of the so far 21 TATORTE 2018, that‘s 19 %, were directed by women. At the same time the share of women for a number of other departments have decreased alarmingly. No woman provided the images or the sound, and only 7 % of the stories, the dialogues were written by women (the next image on the left will show this).
So is there a connection to the increase of female directing? This theory was mentioned by several female DoP who said they had been told „well, we do have a female director already, so a woman at the camera would be a bit too much“. Or will all those TATORTE written and filmed by women be screened in the second half of 2018? Or is this just coincidental?
On screen there have also been some developments. In the first half o this year (and already in 2017) the share of gender-mixed teams leading the investigations has risen to 60 % which is quite a lot when you consider that in 2011 it were 40 % (see next image on the right shows this). For better understanding let me add that each TATORT is a complete story without a sequel, but it‘s the same cop teams or rather about 20 or so different cop teams investigating in different towns. Some are two men, some are mixed, and I think one or two years ago for the first time they introduced two women.

Of course six months are not so conclusive on their own, so let‘s take a look back.

TATORT 6-Departments-Check: The Data and the Sources

From 2011 to the summer break of 2018, in those 7,5 years, a total of 276 TATORTE premiered, and analyzing 6 departments each means that I had to evaluate 1,656 team positions. The TATORTE of the last years are listed on a subpage of the ARD website, with information on date, title, town and team, and then each film has it‘s own page with a short summary, the names of the director and script writer/s and sometimes also of the DoP and the composer. All gaps concerning these and the other two departments I filled using the websites of filmportal.de, crew united, IMDB and Wikipedia. The most difficult team position to research usually was the sound mixer.
All images and galleries in this text can be enlarged by clicking on them. You can use and quote my findings and diagrams, but please don‘t forget to name me as the source.

6-Departments-Check: Director Script DoP Sound Music Editor

I already mentioned the complete lack of female DoP and sound mixers in 2018 so far. Overall there were five blankments in the 48 annual department statistics (= 8 years, 6 departments), that’s 10 %:

The next image shows all six departments in the analysed period, with the the alumni figures as reference, i.e. the shares of women for those graduating from film school (alumni data taken from the German Federal Film Board FFA Gender und Film 2018).
The rise of the female directors is clearly to be sehen and also the desolate script situation. The TATORTE are fictional stories of course, but set in present day Germany. So why are they nearly all being told by men? A lack of female script writers cannot be the reason, with nearly half the graduates being women. In 2018 there were more TATORT scores composed by women than scripts written. Unlike sound, the share of female graduates in the camera department is a quarter, so what could be a reason for the two gaps in 2015 and 2018? Is it because female DoP can‘t see blood? Are the car chases too fast for them? Is it that the commissioners simply don‘t know any (better read Camera: Through Their Eyes), or does the TATORT have permanent crews? More on that in a short while. At least the surplus of women editors – as opposed to the momentary even numbers at film schools – make the next image a bit more colourful:

The next gallery provides a few detailed views and further information for the six departments. First we see the job starters (who are the alumni), the members in the unions and the full professionals. For the latter I turned to the database crew united (2017) and their listings. So what we see is quite a large drop in the share of female directors and DoP – as opposed to female writers. Is this possibly connected to the difficulties in combining family and working on a film set? And the fact that scripts can be written at home or in an office over longer periods of time, alone, with a co-author or even in a team? For music, naturally the first two pieces of data (film schools, unions) don‘t exist. And the thing about the editors is that film editing used to be a woman‘s job. It was only when editing became digital that more men got interested in the department. Today the training is about 50 : 50, and for the film projects there is already a male majority. The editors union is still female dominated as far as the members go, the board on the other hand consists of five men and two women.
The second image shows the 6-departments-check for the 100 most successful German films from 2012 to 2015, and the third and fourth image show the TATORTE for that period and also for 2015 until today. In the first years there are more female directors and scriptwriters for films than for tv / the TATORTE, and at the same time there are less female editors in the projects. (if you click any image of the gallery you can move with the arrows).

I want to apologize to composers and editors, because I will look into the other four departments a bit now.

Next, you see the image on the left with the shares of women among Alumni, among professionals, for the German Top 100 films and both TATORTE groups. The second image depicts how many women and men actually worked in every department in all the TATORTE of the 7 ½ years. The number of men is more or less the same for the directors, DoP and sound mixers (around 110), so there‘s nothing to the theory of a handful of DoP working on all the films and blocking the way for female and other male colleagues. There were more mal script writers – 155, this is probably due to the fact that many scripts are written by more than one author. The numbers of women are much lower, from the most – 33 – women script writers to the least – 4 – women sound mixers.
The diagrams 3 and 4 tell us in how many TATORTE each man and each woman worked on average, in the years 2012 to 2015 and the years 2015 to the summer of 2018.
The men‘s data is quite firm, each one was hired or 1,6 to 2,1 TATORTE, not much change from the earlier to the later time period. For the women it‘s quite diferent. Between 2012 and 2015 only 6 women directed a TATORT, this figure rose to 16 (2015 – 18), and the ratio female director to male director consequently dropped from 1 : 12 to 1 : 4. Parallel to that, the number of films directed by a woman was cut in half, with every woman  only directing one film on average. For many it was their TATORT debut, – if there will be a second, third, fourth or moreth waits to be seen. Over the whole 7 ½ years there was a total of 17 female TATORT directors by the way.
Looking at the female DoPs we see the opposite trend, their number has decreased from 8 to 5, and the number of films per person declined even more. The number of female authors changed a little less (from 25 to 18), and also the number of TATORTE written by each women remain more or less the same. There were three female sound mixers in both intervals, looking at the whole industry, or rather the crew united database, we find a total of 18 (and 15 female composers and 321 female editors. I will write about ‘women in sound‘ in the future article). So here are the four images:

The data for TATORTE per person were averages of course. Here are the top people for each department in those 7 ½ years:

  • Directors: Florian Baxmeyer (12 TATORTE) and Franziska Meletzky (5 TATORTE)
  • Script Writers: Jürgen Werner (17) and Dagmar Gabler (5)
  • DoPs: Jürgen Carle (14) and Christine A. Meier (4)
  • Sound Mixers: Wolfgang Wirtz (21) and Katja Schenk (6)

There’s quite a gap between the men and the women, isn’t there?

Finally one last correlation: the number of men only departments of six per TATORT and year. To talk you through the next image: look at the little light-green column in the „Two“ section, it signifies that there was one film in 2012 where two of the six departments were led by men. The light-blue column on the far right shows that there were four TATORTE in 2018 so far where all six departments were led by men, without any women involved. The highest number each year is found in the „Five“ section, meaning 5 male and 1 female department. There was no TATORT with five or six female departments, and there were only three films with four female departments, each time with a female director. Five male directors also worked with 3 heads of departments. Incidentally, all eight films had a female lead / first role on the list. Another coincidence? The second – light blue – image shows the share of TATORTE each year with two or more women as heads of department (this could also be woman-man-co-writers). The average over all years for this is 31 %.

63 TATORTE had no women in any of the six departments. That‘s 22,8 % of all 276 films, and 25,5 % of all 247 films with male directors. It‘s may be surprising (maybe not) that the same share – 25,8 % of all films directed by women had no women in the remaining five departments.
There are some directors, both male or female, that can be found more than once in this group. It would be interesting to see if certain TATORT towns or commissioners appear more often than others, but I haven‘t looked into this yet.

Anyway, we can say that competent and TATORT experienced women work in all six departments (men as well of course) – less in the sound and music of course.

Now let‘s look at the situation on screen, and this can be done quicky with three diagrams. First once again we see the distribution of all female, all male and mixed lead coppers in 2011 and 2017 / 2018. Then, in the middle, it‘s the first roles and main casts of the 21 TATORTE in the first half of 2018, where for the first time more than 50 % of the first roles were female. I don‘t know if this number still stands at the end of the year, because there are more TATORTE to come. But still, it‘s remarkable. The third image shos the first roles and main casts for the 7 ½ years:

I find the third image just now most significant for two reasons.
1) The share of women for the first roles has risen continuously. There may be several reasons for that. For example, the strive of the commissioners towards more female top coppers. Or that for many of the new TATORT duos, e.g. if they are a man and a woman, the woman is listed in first place, the man in second.
2) The gender distribution of the main casts has not really changed over the years. Why is that? Maybe women as vital characters are simply forgotten, we tend to see them on the side, as wives or partners, mothers or daughters of suspects for example, or as prostitutes. Maybe the fact that so so many scripts were written by men (remember? 93 % in 2017 and 2018!) has also had an influence.

What if every TATORT script were to undergo the NEROPA method? This wouldn‘t change the stories, but it would probably lead to more female characters not only among the nameless minor characters, but among all roles, we would get more female characters with a name, a a proper job, more older women.

I said at the beginning that I would present an alternative idea for a self-commitment by those responsible for the TATORTE (or other TV films), so here goes:

2 of 6 plus NEROPA – #2v6pN

  • in each TATORT production at least two of the departments directing, script, DoP, music, sound and editing will have a female head of department. I case of shared responsibility one woman will suffice.
  • Each TATORT script will be examined by a team of three with the NEROPA Neutral Roles Parity method.

Two departments, that‘s a third of six, and this corresponds to the average of the female alumni shares in five departments (for music there is no data, obviously). This commitment could be introduced starting 2020, because the TATORTE for 2019 are being shot or at least planned and hiring started already. It‘s good to have a commitment that each TATORT production can follow individually – also instead of a quota or target for a single department like directing. The concept of the inclusion rider of Dr. Stacy Smith (read also: Let‘s talk about the Inclusion Rider) is not so promising as it asks for one women to be interviews (alongside numerous men) for each of ten departments. That won‘t necessary lead to the hiring of women. #2von6uN will.

The data has shown that there are enough qualified film women in each department for this to be possible, and when we assume that the training at German film schools is alright, then many more can follow.
Would this concept Would this concept for hiring women, of increasing their creative influence in television, discriminate against men? I don‘t see why. There will still be enough team positions – even heading the six departments in question – left to apply for, maybe 144.
Would more women as heads of department lead to a decline in quality? No, why should the hiring of qualified (female) film professionals be a greater risk than hiring equally qualified men? Also I didn‘t find any evidence suggesting that TATORTE with more women in the departments were switched off early more often.
Raising the share of TATORTE with 2 women in those 6 departments from the on average 31 % (since 2011) to 100 % seems like a big step, but why not try something that will actually make a change?
It would be even better if producers and commissioners would employ men and women behind the camera, as heads of department and raise the share of women, and also have stories equally be about women and written by women. But apparently this does not seem to happen without incentives or slender regulations, so I think self commiting could be a good idea.

Another issue in this context would be equal and fair pay, but that is definitely a topic for another day.

So, what are your thoughts on 2 of 6 plus NEROPA?

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