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Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

Sind Abiturienten dümmer – Cleverer Girls

English Version follows German.

Schülerinnen sind besser in der Schule, sie überspringen eher eine Klasse als Schüler, die wiederum häufiger sitzenbleiben, oft mehrfach.
Worauf stütze ich diese These?
Auf eine Analyse des Alters von Abiturient*innen (im ersten Bildungsweg). Die Schüler sind in der Regel beim Schulabschluss älter als ihre Klassenkameradinnen, das heißt sie haben eine oder mehrere Klassen wiederholt, und / oder wurden womöglich später eingeschult. Vielleicht sind sie also nicht dümmer, sondern einfach nur Spätzünder und lernen langsamer. Gleichzeitig sind Schülerinnen richtig gut in der Schule und überspringen mitunter eine oder mehrere Klassen. Ausnahmen bestätigen die Regel, das gilt für beide Gruppen.
Es gibt allerdings zwei Einschränkungen: zum einen gilt das nicht für Abiturient*innen im 21. Jahrhundert. Und zum anderen bezieht sich das nur auf fiktionale Abiturient*innen in Film und Fernsehen.

Klassentreffen

Gerade sind zwei deutsche Klassentreffen-Produktionen entstanden, der Kinofilm KLASSENTREFFEN 1.0 – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER SILBERRÜCKEN (Barefoot Films GmbH, Kinostart 20.9.) und der an nur zwei Tagen gedrehte Fernsehfilm KLASSENTREFFEN (Die Film GmbH für WDR, noch kein Sendetermin). Das habe ich zum Anlass genommen, Abitreffen-Filme zu betrachten, bzw. das Alter der Schauspieler*innen der ehemaligen Schüler*innen. Einige habe ich gesehen, manche vor längerer Zeit. Die analysierten Rollen sind nur solche, von denen ich sicher bin, dass sie ehemaligen Schüler*innen in den Klassen waren.
Deshalb sind beispielsweise bei dem Film KLASSENTREFFEN 1.0 bislang nur drei Schüler berücksichtigt. Ich habe den Film noch nicht gesehen, und mir ist es bis jetzt trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen herauszufinden, wer ehemalige Klassenkameradinnen und vielleicht auch weitere Mitschüler des Trios im Zentrum der Geschichte gespielt hat. Über die Auskunft „am Ende kommen die Drei beim Klassentreffen an“ hinaus konnte ich bislang noch nichts erfahren, werde es aber ggfs. nachtragen. Der Film basiert auf der dänischen Komödie KLASSEFESTEN, die ich auch nicht gesehen habe, und deshalb auch nicht mehr als die drei Männerrollen eindeutig als zum-Klassentreffen-Gehende sicher weiß.
Hier also nun meine erste Auflistung von filmischen Ehemaligentreffen. Die Werte in Klammern geben das Durchschnittsalter der Schüler bzw. Schülerinnen zum Zeitpunkt ihres Abiturs an (MW = Mittelwert). Die Liste werde ich ergänzen wenn ich weitere Filme oder zusätzliche relevante Rolleninfos herausfinde.

FÜR IMMER JUNG (ZDF. 1990). Regie Vivian Naefe.
15 Jahre Abitur. 3 Schülerinnen (MW 17), 4 Schüler (MW 20,5). Älteste*r: Michael, Hotelbesitzer (26).

KLASSENTREFFEN – MORDFALL UNTER FREUNDEN (Sat1. 2001), Regie Diethard Küster.
15 Jahre Abitur. 3 Schülerinnen (MW 17,5), 4 Schüler (MW 26). Älteste*r: Wolfi, Reporter (27).

KLASSENTREFFEN (HR. 2004). Regie Marc Hertel.
15 Jahre Abitur. 2 Schülerinnen (MW 19,5), 4 Schüler (MW 17,5). Älteste*r: Tanja (23).
Ausgerechnet ,der Verlierer Bert‘ ist der Jüngste, er machte bereits mit 15 sein Abitur.

TATORT KLASSENTREFFEN (ARD. 2010). Regie Kaspar Heidelbach.
30 Jahre Abitur. 2 Schülerinnen (MW 14,5), 3 Schüler (MW 22). Älteste*r: Stefan, Stiftungsleiter (23) und Peter (23).

KLASSEFESTEN (Kino. DK 2011) Regie Niels Nørløv Hansen.
25 Jahre Abitur. 3 Schüler (MW 17,7) Ältester: Thomas (19).
(Die Schüler*innen in Dänemark, die von der Folkeskole direkt aufs Gymnasium gehen, legen ihr Studentereksamen nach 12 Schuljahren ab, also mit 18).

KLASSENTREFFEN 1.0 (Kino. 2018). Regie Til Schweiger.
30 Jahre Abitur. 3 Schüler (MW 21,3). Ältester: Thomas, DJ (24).

KLASSENTREFFEN (WDR. 2018). Regie Jan Georg Schütte.
25 Jahre Abitur. 8 Schülerinnen (MW 18,9), 9 Schüler (18,7), Älteste*r: Marion (23).

Jetzt sind die Altersunterschiede nicht so krass wie in KEINOHRHASEN (2007), der Film in dem Ludo Decker / Til Schweiger seine alte Klassenkameradin Anna Gotzlowski / Nora Tschirner wiedertrifft – Schweiger ist 17 ½ Jahre älter als Tschirner. Aber die ehemaligen Schüler sind schon tendenziell älter als ihre Mitschülerinnen, und außerdem gibt es immer mehr von ihnen in den Hauptcasts.
Sicher bietet es sich an, über die Gründe für das Genderungleichgewicht und vor allem die Altersunterschiede zu spekulieren, aber da ich mir nicht vorstellen kann, dass die Verantwortlichen finden, gleichaltrige Frauen müssen immer jünger sein als Männer, oder 45-jährige Frauen zu alt sind für Leinwand und Mattscheibe, kann ich es mir beim besten Willen nicht anders als erklären als dass es einfach bloßer Zufall ist, Gedankenlosigkeit oder eine schlechte Angewohnheit. Wie Rauchen. Das ist ja auch nicht gesund.
Und nach 28 Jahren wäre es übrigens mal wieder Zeit für einen Abitreffen-Film einer Regisseurin.

Aber um auf mit einem positiven Gedanken zu enden: Der nächste KLASSENTREFFEN-Film (von Jan Georg Schütte) könnte interessant werden, es gab kein Drehbuch, nur Rollenprofile, und die Szenen wurden überwiegend improvisiert. Und empirisch gesehen: Das Abitreffen ist genderquantitativ relativ ausgeglichen und im Schnitt hatten alle ihr Abitur in den damals üblichen 13 Jahren geschafft. Herzlichen Glückwunsch!

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English Version

Cleverer Girls

School girls are better at school, they are more likely to skip a class than school boys, who often even have to repeat classes.
What do I base this premise on?
On an analysis of the age of students when they take their A-Levels (or rather the German equivalent, the Abitur). Male pupils are usually older than their female classmates, which means that they probably had to repeat a year or two, or maybe started school altogether a year or so late. So maybe they are not neccessarily more stupid, but just late bloomers who take longer to learn things. The female pupils on the other hand are really good at school and skip one or two classes on their way to the Abitur. Of course there are exceptions to the rules in both groups.
There are two contraints though: for one, this is not a theory for the 21st century. And on top of this, it only refers to fictional school graduates in film and television.

„Klassentreffen“ is the German word for Class Reunion.

There are two new class reunion films out in Germany this year, KLASSENTREFFEN 1.0 – THE UNBELIEVABLE JOURNEY OF THE SILVERBACKS (Barefoot Films, cinema start Sept. 20) and the TV movie KLASSENTREFFEN that was shot in only two days (produced by Die Film GmbH for WDR TV, so far no date of transmission). I‘ve taken this as a reason for having a look at class reunion films, or more precisely, at the ages of those playing the former students in them. I‘ve seen some of the films, some quite a while back. The roles in my statistics are only characters of which I am sure that they were former students.
Therefore, so far I have only taken three male ex-graduates into account for the film KLASSENTREFFEN 1.0. I haven‘t seen the film yet and also haven‘t managed to find out which other former classmates the three friends meet in the end, when they finally get to the reunion. Should I know more I will add the data to this article. By the way, the film is based on the Danish comedy KLASSEFESTEN, which I haven‘t seen either, so there I am also only looking at three roles so far.
S
o here‘s my first list of class reunions in (mainly German) films. In brackets you can see the average age of the students at the time they graduated – which in Germany would have been after 13 years (MV = mean value). I will add more class reunion films when I come across them.

FÜR IMMER JUNG / FOREVER YOUNG (TV. 1990). Director Vivian Naefe.
Graduation 15 years ago. 3 female (MV 17), 4 male students (MV 20.5). oldest: Michael, hotel owner (26).

KLASSENTREFFEN – MORDFALL UNTER FREUNDEN / CLASS REUNION – MURDER AMONG FRIENDS (TV. 2001), Director Diethard Küster.
Graduation 15 years ago. 3 female (MV 17.5), 4 male students (MV 26). oldest: Wolfi, journalist (27).

KLASSENTREFFEN / CLASS REUNION (TV. 2004). Director Marc Hertel.
Graduation 15 years ago. 2 female (MV 19.5), 4 male students (MV 17.5). oldest: Tanja (23).
Incidentally, Bert who is described as ,The Loser‘ is the youngest of them all, he graduated when he was 15.

TATORT KLASSENTREFFEN / CRIME SCENE CLASS REUNION (TV. 2010). Director Kaspar Heidelbach.
Graduation 30 years ago. 2 female (MV 14.5), 3 male students (MV 22). oldest: Stefan (23) and Peter (23).

KLASSEFESTEN (DK 2011) Director Niels Nørløv Hansen.
Graduation 25 years ago. 3 male students (MV 17.7) oldest: Thomas (19).
(In Denmark pupils graduate after 12 years at school, when they are 18).

KLASSENTREFFEN 1.0 / CLASS REUNION 1.0 (2018). Director Til Schweiger.
Graduation 30 years ago. 3 male students (MV 21.3). oldest: Thomas, DJ (24).

KLASSENTREFFEN / CLASS REUNION (TV. 2018). Director Jan Georg Schütte.
Graduation 25 years ago. 8 female (MV 18.9), 9 male students (18.7), oldest: Marion (23).

Well, these age differences are not as bad as they were between the two leads in KEINOHRHASEN / RABBIT WITHOUT EARS (2007), Ludo (Til Schweiger) and Anna (Nora Tschirner) who were supposed to have been at school together, and in real life there are 17 ½ years between them. But still, the male ex-classmates are overall older than the females, and also there are more of them in the main casts.
Of course it would be appropiate now to speculate on the reasons for this gender imbalance, and more so for the age differences, but since I can‘t possibly imagine that those responsible think that female peers have to be younger than the men, and that you can‘t have 45-year old women on the screen, I can not come up with anything other than that it must be coincidental or thoughtless or simply a bad habit. Like smoking. Which isn‘t healthy either.
And after 28 years I think it may be time for another class reunion film directed by a woman (on my list, Vivian Naefe was the last one).

But to end on a more positive note: the next class reunion film (directed by Jan Georg Schütte) might be quite interesting, there was no script, only profile notes for the character, and the scenes were mainly improvised. And from an empirical point of view: the reunion was quite gender balanced and on average all students graduated after the customary 13 years. Well done!

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