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Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

BFFS Vorstandswahl 2018, Falten gehen – Board Elections of the Sadder Type

English Version follows German.

Der BFFS, die Satzung und die Vorstandswahl

Heute, am 7. Dezember beginnt die Onlinevorstandswahl des Schauspielverbands BFFS. Eine seltsame Wahl, denn durch eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen bei sehr schlecht besuchten Mitgliederversammlungen wurde per Satzung festgelegt, dass die Vorstandswahl ab sofort als Blockwahl durchgeführt wird und dass Kandidierende nur in Siebener-Teams, die nach einem bestimmten fachlichen und gendermäßigen Proporz zusammengesetzt sind, antreten dürfen. Es ist den Mitgliedern, uns Mitgliedern also nicht möglich, einzelne Kolleg*innen zu wählen oder sich gegen sie zu entscheiden.
Es ist den Mitgliedern, uns Mitgliedern nicht möglich, selber über die Zusammensetzung des neuen Vorstands zu entscheiden, darüber, welche „alten“ und welche „neuen“ wir an der Spitze unseres Verbands sehen wollen.
Den aktuell amtierenden Vorstand bilden Michael Brandner (Vorstandsvorsitzender), Hans-Werner Meyer (stv. Vorsitz), Antoine Monot Jr. (stv. Vorsitz), Heinrich Schafmeister (Schatzmeister), und als Beisitzende Simone Wagner und Bettina Zimmermann. Die vier Männer wurden vor vier Jahren auf einer Mitgliederversammlung gewählt (mein Bericht vom 22.12.14: Filmverbände und Gender Teil 3: Der BFFS), Simone Wagner und Bettina Zimmermann wurden von den Vorstandsmännern in den Vorstand berufen, nachdem Thomas Schmuckert, Martin May und Julia Beerhold zurücktraten. Diesem stimmten die folgenden Mitgliederversammlungen wie nicht anders zu erwarten zu. Eine Position blieb unkommentiert leer. Michael Brandner tritt nach etlichen Jahren Vorstandstätigkeit nicht mehr zur Wahl an, Bettina Zimmermann für viele überraschend auch nicht, sie hatte dem Vorstand nur zwei Jahre oder noch kürzer angehört. Ca. 2013 hatte der Vorstand darauf gedrungen, die Wahlperiode von zwei auf vier Jahre hochzusetzen, dem die MV dann auch zustimmte. Dass diese Zeit zu lang ist zeigen die drei Rücktritte in der aktuellen Vorstandsphase.
Das jetzt als einziges zur Wahl antretende Team setzt sich zusammen aus Leslie Malton, Hans-Werner Meyer, Simone Wagner, Heinrich Schafmeister, Klara Deutschmann, Antoine Monot Jr. und Till Völger. Leslie Malton und Klara Deutschmann waren in BFFS-Zusammenhängen noch nicht wirklich in Erscheinung getreten. Till Völger auch nicht, er war bis zur Auflösung des IVS bzw. der Vereinigung mit dem BFFS Vorsitzender des InteressenVerbands Synchronschauspieler. Bemerkenswert ist, dass in das kandidierende Team keine Mitarbeiter*innen aus den regionalen Stammtischteams aufgenommen wurden, sie, die seit Jahren in die Verbandsarbeit involviert sind. Vielleicht wollten sie alle nicht, vielleicht hätten sich einzelne von ihnen aufstellen lassen, wenn es keine Blockwahl geben würde, aber das können wir nur vermuten.

21 stimmen Nein. Ein Offener Brief

Einige BFFS-Mitglieder sind mit den Entwicklungen im Verband und dem Wahlmodus, mit dem der neue Vorstand für die nächsten vier Jahre gewählt werden soll, unzufrieden. 21 von ihnen haben sich unter folgendem Offenen Brief zusammengefunden, sie begründen, warum sie bei der Wahl mit Nein stimmen werden, und sie machen fünf Vorschläge für das weitere Vorgehen. Im folgenden druckte ich den Brief in voller Länge ab, die 21 Erstunterzeichnenden sind in alphabetischer Reihenfolge gelistet.

OFFENER BRIEF

Berlin, 7. Dezember 2018

Sehr geehrter Vorstand des BFFS, sehr geehrtes BFFS Mitglied,

Wir lieben den BFFS und machen uns Sorgen, dass sich Dinge in eine falsche Richtung entwickeln. Deshalb möchten wir konstruktiv unseren Verband nach vorne bringen, dessen Strukturen für alle transparent sein sollten.
Am 5. Mai 2018 wurde in Frankfurt auf der zweiten von sieben Mitgliederversammlungen, die 2018 in wechselnden Orten unter Anwesenheit einer jeweils niedriger, zweistelliger Zahl von Mitgliedern stattgefunden haben, eine massive Änderung und Neufassung der Satzung des Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) beschlossen. Der Vorstand des BFFS hatte eine Satzungsänderung als notwendig erklärt, um die Verschmelzung des BFFS mit dem Interessensverband Synchronschauspieler (IVS e.V.) vornehmen zu können. Es wurde aber nicht klar, warum für dieses Zusammengehen eine Satzungsänderung speziell im Wahlverfahren des Vorstands notwendig sein soll.
Protokolle der sieben Mitgliederversammlungen wurden bis heute leider nicht an die Mitglieder versendet. An dieser Stelle sei erwähnt: bei der Mitgliederversammlung vom 9.10.2016 in Köln hatte sich die Mehrheit aller stimmberechtigten (= anwesenden bzw. vertretenen) Mitglieder deutlich gegen eine Satzungsänderung ausgesprochen. Die stimmberechtigten Mitglieder hatten Sorge, dass eine Online-Wahl nicht nur für „kurzfristige Aktionen“ (sinnvoll) genutzt werden könne, sondern eben auch für Vorstandswahlen.

Die neue Satzung beinhaltet nun zwei große Änderungen:

  • ONLINE-WAHL über einen Zeitraum von 11 Tagen.
    Eine gewissenhaft durchgeführte geheime Online-Wahl könnte die Wahlbeteiligung erhöhen. Das ist grundsätzlich ein richtiger Gedanke. Wir sehen hier aber große Defizite und möchten uns aus folgenden Gründen klar gegen das aktuelle Prozedere aussprechen:
    Wie können die Wahlberechtigten sicher sein, dass ihre Wahl anonym und geheim ist?
    Und wie sollen Mitglieder verantwortlich wählen, wenn sie sich über das zur Wahl stehende Team nur am 25.11.18 in Berlin informieren konnten?
    Bis heute (Wahlbeginn) gibt es von der Mitgliederversammlung vom 25. November 2018 (Präsentationsphase der Vorstandswahl) kein Protokoll. Auch auf konkrete inhaltliche Nachfragen per Email gab es bis heute (Wahlbeginn) keine Antwort. Da nur etwa 50 Mitglieder am 25.11.18 anwesend waren, können sich die restlichen ca. 2950 Mitglieder keine verantwortungsvolle Meinung bilden. Demzufolge auch nicht verantwortlich wählen.
    Ein Wahlzeitraum von 11 Tagen ist unbegründet. Zahlreiche andere demokratische Wahlen finden an einem Tag statt. Da manchmal aus technischen Gründen ein Online-Zugang nicht gewährleistet ist, halten wir eine Erweiterung des Wahlzeitraums auf 24 Stunden für ausreichend.

    So wird ausgeschlossen, dass Insiderinformationen über den Verlauf der Wahl durchsickern, und diejenigen, die noch nicht gewählt haben, in ihrer Meinung beeinflusst werden könnten. Die Möglichkeit einer Briefwahl bleibt davon unberührt.
  • TEAMWAHL
    Die Idee einer Teamwahl mit erheblichen Anforderungen an die Zusammensetzung kandidierender Teams ist unrealistisch und verzerrt den Wettbewerb. Ein Team, in dem sich bereits erfahrene Vorstandsmitglieder befinden, hat einen enormen Vorsprung vor allen neuen Teams, deren Mitglieder sich erst zusammenfinden und bei den Wahlberechtigten um Vertrauen werben müssen.
    Zudem ist es völlig unrealistisch, dass sich ein Team von sieben Menschen für so eine komplexe Aufgabe innerhalb von vier Wochen zusammen findet. Diese Phase ist viel zu kurz. Über die Gründe, warum die Phase für die Teamaufstellung einen so kurzen Vorlauf hatte, können und sollten wir ausgiebig diskutieren.
    Fakt ist, dass sich kein zweites Team zur Wahl gestellt hat. Und wenn nur ein Team zur Wahl steht, ist es keine Wahl.

Deshalb stimmen wir im aktuellen Wahldurchgang mit NEIN ab.

Nicht, weil wir das aufgestellte Team ablehnen, sondern das Wahlprozedere an sich – und uns um die Akzeptanz und Zukunft des Verbandes sorgen, wenn die demokratischen Standards ausgehöhlt werden. Wir fordern deshalb:

  • Satzungsänderung / Vorstandswahl: Rückkehr zur Einzelpersonenwahl statt Teamwahl, ggf. mit Listen, um die Quotierung und die Berücksichtigung aller Berufsgruppen zu sichern.
  • Erklärung der Ungültigkeit der Vorstandswahl 2018, amtierender Vorstand bleibt bis 31.3.2019 im Amt
  • Neuwahl mit Einzelkandidat*Innen im 1. Quartal 2019
  • Information über die Einzelkandidat*Innen und ihr Wahlprogramm bis spätestens vier Wochen vor Wahl
  • Satzungsänderung / Vorstandswahl: wenn Online-Wahl, dann innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden statt 11 Tagen

Mit solidarischen, herzlichen und immer dialogbereiten Grüßen,
Thomas Bauer, Theresa Berlage, Julia Effertz, Christiane Filla, Birte Flint, Andrea Gerhard, Patrick Heyn, Josef Heynert, Nora Jensen, Lisa Karlström, Mirjam Kendler, Bettina Kenney, Nina Kronjäger, Sandra Nedeleff, Marion Gretchen Schmitz, Birgit Stauber, Belinde Ruth Stieve, Simona Theoharova, Julia Weden, David Wehle, Christine Wilhelmi

Kontakt, auch zum nachträglichen Unterzeichnen: offenerbrief_bffs{at[web.de

Der BFFS und seine Satzung

Vor einigen Jahren hatte ich – u.a. auf Grundlage der Satzung des Verbands der Stuntleute und der des Regieverbands und mit Beratung einer Anwältin – eine überarbeitete Satzung für den BFFS vorgestellt. Diese hatte ich für mehrere BFFS-Mitgliederversammlungen als Antrag zur Tagesordnung eingereicht. Der übliche Ablauf wäre gewesen, den Antrag mit der Einladung an alle Mitglieder zu verschicken. Dies ist nie geschehen. Weil die Vorstandsmitglieder meine Änderungsanträge zu einer Demokratisierung des Verbands und zu einer Stärkung der Mitglieder inhaltlich ablehnten hatten sie meinen Antrag nicht zur MV zugelassen, den Mitgliedern vorenthalten und wie mir berichtet wurde unfairerweise diskreditiert. Für diejenigen, die sich jetzt mit den Vorschlägen beschäftigen wollen, hier mein Blogtext vom 9.12.16 Wir könn(t)en auch anders sowie der Satzungsantrag, der die damals gültigen Satzungspassagen meinen Änderungesvorschlägen gegenüberstellt. In dem o.g. Blogtext vom 22.12.14 Filmverbände und Gender Teil 3: Der BFFS), bin ich neben der Vorstandswahl 2014 auch noch auf die Mitgliedsbeiträge und die Gagensituation von Schauspieler*innen eingegangen. In den Zusammenhang passt auch der Text Schauspiel und Fair Pay. Und schließlich mein Artikel Ist das schon Diktatur?* – Superheroine against Violence vom 8.4.18 zur (damaligen?) Männerdominanz in unserem Verband.

English Version

Acting Union BFFS: Board Elections of the Sadder Type

If you follow this blog you may be a bit familiar with the goings-on at the BFFS, the German Acting Union, on an organizational level, and also in relation to several topics and the economically trying situation of the majority of actresses and actors, as I‘ve written about it several times in this blog:

Filmmakers‘ Unions and Gender: ACTING. Part 3 / 3
Superheroine Against Violence – #metoo
Wir könn(t)en auch anders (only available in German)

Today marks the start of the election for the new board. For the first time this is done via an online vote, but for whatever reason over a period of 11 days. Alternately members can vote via normal paper mail. So why the 11 days? But that‘s not the only aspect which is a bit problematic. It has been decided – through a change of the statutes at a general assembly which was attended by only about 30 of the around 3,000 members of the union – to hold the vote as a block election, or a team election as the current board likes to call it. Teams of seven can put themselves forward as candidate teams, if they are put together in a fashion that regards the four different membership groups of the union: stage, film, television and speech (dubbing etc.). A mix is a good thing, obviously also a gender mix (which the teams are to aim at) and possibly also a mix of old and new candidates. However, there is only one team that the actresses and actors can vote for (with yes and no, and maybe abstention). Does this come as a surprise? Not really. Because even if there are individual members that want to be candidates, and who have worked in the union, maybe at a regional level, for years, it is really not possible for them to find 6 others, and why should they? At the same time, who would vote for 7 complete newcomers to the board? It would have made much more sense to have individual votes and let the members decide on the make-up of the new board. Instead, it were the „old guys“, men who have been on the board practically since the union started, who picked and chose the new additions to their team.
Today the voting starts, and today an open letter by 21 members was published criticizing the procedures, and announcing that they (or rather we, I also signed the letter) will vote with no, because a vote without choice is not a proper election, because the one team has not really announced any sort of political agenda for the term of four years, and because it is strange that the online election is done over 11 days, why is this?
You find the original open letter (in German) in the upper half of today‘s text. I haven‘t had the time to translate it yet but hope that I brought across the general intention.
Today I heard from some British actress colleagues that they are still waiting for the introduction of an online vote – Equity UK does the voting via letters – as they think that might increase the percentage of participants. But they wouldn‘t do it over 11 days and of course they don‘t have block elections, at Equity you vote the representatives and councillors (and as far as I know also the members of the committees, am I right there?) from a long list of candidates.
Here‘s hoping that we in German will come to that as well at the next BFFS election – which will hopefully be held in spring 2019 – after the momentary election has been anulled.

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