SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts

19 Vorschläge für Film / TV / Bühne – 19 Ideas for Film / TV / Stage

English Version follows German.

Dieser Text sollte eigentlich am 1. Januar erscheinen, dann zumindest am 19. Wie das manchmal so ist, es kam viel zu viel dazwischen, und deshalb  erst heute: hier mein Text zum neuen Jahr, zum Rumschspinnen, zum Mitmachen! Welche Neujahrsvorsätze könnten der Branche guttun?

Produzent:  Das ist der verdammte Einfluss von Büffel!* Immer alles ändern.
Autorin:  Na er hat ja Recht. Was ich damals geschrieben habe das war verstiegen und romantisch, das gibt‘s gar nicht im wirklichen Leben.
Produzent: Die Leute sind romantisch. Die wollen doch auf der Leinwand nicht sehen was sie jeden Tag zu Hause haben können.
Autorin:   Büffel sagt, das Publikum ist viel vernünftiger als wir alle glauben.
Produzent:   Sein Wort in Gottes Gehörgang! (seufzt) Ich produziere auch nicht gerne Schnulzen.

* der Regisseur
DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1957). Regie: Helmut Käutner. Buch: Barbara Noack, Heinz Pauck, Helmut Käutner. Produzent: Walter Koppel. 

Die Nudelparabel
Eine Betriebskantine serviert jeden Tag Nudeln: Spaghetti oder Bandnudeln, Cannelloni, Tagliatelle oder Farfalle, Fettucine oder Makkaroni, Ravioli, Rigatoni oder Tortellini. Mal mit Fleisch, mal mit Fisch, mal mit Gemüse oder Salat. Es gibt täglich Nudeln, – andere Beilagen wie Reis, Hirse, Kartoffeln, Quinoa, Couscous, Pommes frites, Klöße, Brot oder Papadam stehen nie auf dem Speiseplan. Die Kantine ist immer gut besucht, den Gästen schmeckt’s.
Schlussfolgerung: Die Leute wollen nun mal am liebsten Nudeln.

Was wäre wenn: Neujahrs-Detox für die Branche

Viele Menschen fassen zum Jahresbeginn gute Vorsätze wie weniger Fleisch, Alkohol oder Zigaretten konsumieren, mehr Sport treiben, eine neue Sprache lernen, weniger Smartphone und Internet (digital detox), keine Inlandflüge, mehr regionale Lebensmittel, das örtliche Gewerbe unterstützen statt Onlineshopping, die Haarfarbe oder die Stammkneipe wechseln, Neues ausprobieren, mit Gewohnheiten brechen. Viele Vorsätze werden schnell wieder abgelegt, nach einer Woche, nach einem Monat. Manche halten das ganze Jahr.
In diesem Blog geht es ja schwerpunktmäßig um Film- und Fernsehen. Und deshalb habe ich mir spontan 19 Detox-Vorsätze zum neuen Jahr 2019 für diese Branchen überlegt, die ich heute etwas verspätet veröffentliche. Ich freue mich, wenn Ihr sie diskutiert und Eure eigenen (19?) Ideen in der Kommentarspalte hinterlasst – oder sie direkt an Sender, Produktionsfirmen und Fördereinrichtungen schickt. Und natürlich auch, falls Ihr Entscheider*innen seid, den einen oder anderen Vorsatz ausprobiert, eine Woche, einen Monat oder das restliche Jahr. Warum eigentlich nicht?

Es ist 2019. Mut zum Risiko, Lust auf Veränderung und neue Wege. Seid verwegen! Das bringt Spaß und oft auch die besten Ergebnisse. Hier 19 Detox-Vorsätze, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in beliebiger Reihenfolge. Erläuterungen im Anschluss:

1. Krimi-Detox
2. Status Pay Gap-Detox
3. Quote-Detox
4. Dubletten-Detox
5. Sendergesicher-Detox
6. GenderPayGap-Detox
7. Frauenmord-Detox
8. Männerproduktion-Detox
9. Klassiker-Detox
10. Gagendunkel-Detox
11. Autokratie-Detox
12. Jugendwahn-Detox
13. Täterblick-Detox
14. Männerrollenübergewicht-Detox
15. Familienfeindlichkeit-Detox
16. WeißeMonokultur-Detox
17. TechnikMännersache-Detox
18. VeralteteKlischees-Detox
19. Männersport-Detox

Ihr könnt die Detox-Phasen kurz oder lang fassen wie Ihr wollt, eine Woche, einen Monat, ein ganzes Jahr. Hier ausführlichere Gedanken zu einigen Punkten.

Mit dem Zweiten sieht man besser Krimis.

    1.  Es gibt viele talentierte und weniger talentierte Autor*innen, die alle mehr können als Krimis, die Geschichten erzählen wollen und können, ohne das über den Umweg Mord und Totschlag zu machen, und ohne dass Kommissar*innen im Mittelpunkt stehen. Wir sehen Woche für Woche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mehr Morde, als in Deutschland begangen werden. Gleichzeitig wird die Art, wie in den 20.15 Uhr-Krimischienen von ARD und ZDF Gewaltverbrechen gezeigt werden, immer drastischer, – ohne dass es vor der Ausstrahlung Warnhinweise oder nach der Sendung Hilfsangebote für sensible oder von den gezeigten Verbrechen betroffene Zuschauer*innen gibt (wie es beispielsweise auf arte und in Großbritannien bereits bei zurückhaltenderen Darstellungen üblich ist) – weil das Publikum als mittlerweile abgehärtet oder abgestumpft gilt? Aktuelle gesellschaftliche und politische Themen werden oft in TATORTEN aufgearbeitet, anstatt sie unabhängig zu thematisieren. Krimis, Krimis, Krimis! Welche deutsche Stadt hat noch keinen TATORT, welche Region noch keine SOKO, welche Bevölkerungsgruppe noch keine Vorabendkrimiserie? Schluss damit, es geht auch anders! Ab sofort keine neuen Krimiprojekte mehr. Gebt gutem Fernsehen, Geschichtenvielfalt und neuen Formaten eine Chance. Eine Serie über die 20er Jahre? Gerne! Nur, warum als Krimi mit unzähligen Leichen und brutalen Morden in Großaufnahme? Macht mal ein Jahr Pause – keine neuen Krimireihen erfinden oder in Auftrag geben, weder für das Haupt- noch Vorabendprogramm, keine neuen TATORT-Teams, keine neuen TATORT-Standorte. #Krimi-Detox
    2. Lasst uns über Schauspielgagenobergrenzen sprechen! Über den Abbau der Status-Gehaltlücken im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zwischen prominenten und nicht-prominenten Schauspieler*innen. Ein Vorschlag: die höchste Schauspielgage in einer Produktion darf nicht mehr als das 50-fache der niedrigsten Gage betragen. In Zahlen: wenn die / der niedrigst bezahlte Schauspieler*in einen Drehtag hat und dafür eine Einstiegs- oder Sondergage bekommt (z.B. 800 €) darf die Hauptrolle des Films, die natürlich deutlich mehr Drehtage hat, insgesamt nicht mehr als 40.000 € verdienen. Für Vorsichtigere: Nehmt den gleichen Vorsatz, nur verdoppelt den Faktor, d.h. kein*e Schauspieler*in verdient mehr als das 100-fache der/des Kolleg*in mit der niedrigsten Gesamtgage – die oft den kompletten Drehzeitraum für ein oder zwei Drehtage freihalten müssen, wohingegen der Drehplan um die Verfügbarkeit der Hauptdarsteller*innen gebaut wird, die so mitunter parallel an mehreren Projekten mit großen Rollen arbeiten können. Das ist keine Neiddebatte sondern ein Anstoß, über gerechtere Bezahlung von Schauspielensembles nachzudenken (siehe auch Schauspiel und Fair Pay & Acting). #StatusPayGap-Detox 
    3. Wie wird festgestellt, ob ein Film, eine Serienfolge erfolgreich waren und die Umsetzung den Erwartungen der Redaktion entspricht? Weg mit der Quote! Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten eigene Kriterien aufstellen, nach denen sie die Qualität und ihre Zufriedenheit mit einer Produktion einordnen. Die angeblichen, hochgerechneten Zuschauerzahlen sind aus verschiedenen Gründen irrelevant (siehe auch Fernsehen: der öffentliche Anspruch und Um Himmels Willen, die TV-Quoten!). Also öffentlich-rechtliche Redaktionen: erklärt einen Monat zur einschaltquotenfreien Zeit, und lest in dieser Zeit auch keine Einschaltquotenauswertungen. Für ganz Mutige: löscht diese Angaben unwiderruflich. Für Verzagte: fangt mit einer einschaltquotenfreien Woche an. Gerade in letzter Zeit scheint die Zuverlässigkeit von Post / DHL nachgelassen zu haben, einige Briefe und Pakete die ich schickte oder bekommen sollte brauchten Wochen oder kamen gar nicht an. Wie schade, dass ausgerechnet die Übermittlung der GfK-Hochrechnungen aus den Messungen Tag für Tag reibungslos läuft und nicht mal für drei Monate ausfällt – wie zur Zeit große Strecken einiger Berliner U-Bahnlinien. #Quoten-Detox
    4. Blick nach vorn! Nicht schon wieder das in Auftrag geben, was Erfolg hatte. Keine Kopien und Endloswiederholungen, keine Remakes sondern neue Stoffe. Ist die Kreativität der Drehbuchautor*innen schon ausgereizt? Ich denke nicht. Traut Euch, und bedient nicht ,das Publikum‘, das vielleicht sehr viel mehr mag als nur Nudeln. Eine Randbemerkung: Klaus Pierwoß, ehemaliger Intendant des Bremer Theaters, ließ vor Jahren eine Publikumsbefragung durchführen und ignorierte dann die Ergebnisse, denn das Publikum wünschte sich an erster Stelle Boulevard und Operetten. Sein Haus war trotzdem ausgelastet. Ist Euer Projekt neu, originell, amüsant und spannend? Gut. Viel Erfolg! #Dubletten-Detox
    5. Neue Gesichter – gebt einer anderen Besetzungspolitik eine Chance! Was soll das mit den Sendergesichtern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Wer sagt, dass dem Publikum nur eine Handvoll Hauptrollen-Schauspieler*innen zugemutet werden können? Weil sie sonst nicht wissen, welchen Sender sie gerade eingeschaltet haben? Oder ganz abschalten? Es gibt nicht nur ein Publikum und nur einen Publikumsgeschmack. Und es gibt mehr als 20 Schauspielerinnen und mehr als 40 Schauspieler in Deutschland, die wichtige Rollen spielen können (ruft meine Agentin an!).  #Sendergesichter-Detox
    6. Gleiches Geld für gleiche Arbeit von Frauen und Männern, vor und hinter der Kamera, am Theater, im Ton- oder Synchronstudio, in Orchterstern, Tanztheatern, Radio- und Fernsehsendern – überall. #GenderPayGap-Detox

  1. Zeigt lebendige Frauen! Kein Film mehr, der mit der Ermordung oder Vergewaltigung einer Frau beginnt, schon gar nicht mit einem detailliert gezeigten, brutalen Verbrechen. Eine große Enttäuschung 2018 war diesbezüglich der Polizeiruf TATORTE von Christian Petzold mit seinen zwei minutiös dargestellten Morde an Frauen, einer Hinrichtung zu Beginn und einer Erschießung aus nächster Nähe gegen Ende. Die Tötung eines Doppelmörders war nur in der Totale zu sehen, ohne anschließende Großaufnahme seines toten Gesichts. Natalie Portman ging im Oktober 2018 beim Power of Women Mittagessen des Variety Magazins noch einen Schritt weiter: „Erzählt eine neue Geschichte. Wie wäre es, wenn wir alle ein Jahr frei nehmen von Gewalt gegen Frauen? Wie wäre es, wenn alle in diesem Raum alles ihnen mögliche tun um sicherzustellen, dass sämtliche fiktionalen Produktionen, die von diesem Raum ausgehen, keine Vergewaltigung oder keinen Mord an einer Frau zeigen. In allen Projekten die Ihr schreibt, produziert, inszeniert, in denen Ihr mitspielt, die ihr verkauft und vermarktet, tut Frauen nichts. Lasst uns mal sehen wie das läuft.“ (hier im Video 12:56 bis 13:25 min). Ja bitte, probiert es aus, nutzt Euren Einfluss, folgt meinem Vorschlag oder ihrem, ein Jahr lang (mindestens). #Frauenmord-Detox
  2. Wir brauchen neue Fördermodelle und neue Produktionsleitlinien, die für genderausgewogene Filmteams sorgen, für mehr Frauen in verantwortlicher Position quer durch alle Gewerke. Ein Weg dahin – von hoffentlich vielen! – wäre mein Vorschlag #2v6pN, nach dem zwei der sechs Gewerke Regie, Drehbuch, Kamera, Ton, Musik und Schnitt von Frauen geleitet werden müssen (und dass die NEROPA Methode angewandt wird). Das würde bedeuten, dass es BABYLON BERLIN in der aktuellen Form nicht gegeben hätte mit seinen drei Regisseuren, drei Drehbuchautoren, drei Produzenten, zwei Koproduzenten, seinen drei Kameramännern, zwei Tonmeistern, zwei Komponisten, zwei Editoren (neben einer Editorin)… (Babylon Männersoap Berlin – Zwischen den Weltkriegen), und dass mehr Kamerafrauen und Tonmeisterinnen (in allen Erstausstrahlungen 2018 jeweils 0 %) sowie Drehbuchautorinnen (5,5 %) bei TATORTEN arbeiten würden (Was tut sich am TATORT? – #2v6pN). #Männerproduktion-Detox 
  3. Theater: neue Stücke, genderausgewogene Stücke, zeitgemäße Stücke. Muss Theater eigentlich immer nur Männergeschichten erzählen? Gebt neue Stücke in Auftrag. Und wie wäre es mit einer Spielzeit ohne Goethe, Schiller und Shakespeare? In vielen Stücken von ihnen kommen grob 20 Männer- auf eine Frauenrolle. Gut, manchmal gibt es auch zwei, ein junges Mädchen, das den Helden liebt und vielleicht an gebrochenem Herzen stirbt, und jemand wie eine alte Amme. Macht mal Pause von den Klassikern (siehe auch Eine Blume auf der Bühne). Für nicht ganz so Verwegene: halbiert die Zahl der Klassikervorstellungen und nehmt als Ausgleich frauenlastigere Stücke in den Spielplan (BERNARDA ALBAS HAUS, LUGHNASA TANZ…). Bühne frei für Veränderung! #Klassiker-Detox
  4. Gagentransparenz am Theater und angemessene Bezahlung für alle. Schluss mit der Variante, dass Kolleg*innen mit mehrjähriger Theatererfahrung auf Anfängervakanzen gesetzt werden, weil das Geld einspart. #Gagendunkel-Detox
  5. Mehr Demokratie in Film- und Theaterverbänden! Viele Führungskreise arbeiten für und mit ihren Mitgliedern, andere betrachten sie eher als Zahlmasse und Zahlenmasse. Eure Mitglieder sind Euer höchstes Gut? Dann zeigt das, lasst sie entscheiden, lasst sie zu Wort kommen, lasst sie mitbestimmen, nicht nur zustimmen. Nehmt mehr die Schweiz als Inspiration und weniger die Türkei. #Autokratie-Detox
  6. Angemessene Altersdifferenzierung und -darstellung vor der Kamera. In unserer Gesellschaft, ja auf der ganzen Welt, leben nicht nur junge Frauen und Männer jeden Alters, warum muss das im Film und in nichtfiktionalen Formaten anders sein? (siehe auch Sind Abiturienten dümmer – Cleverer Girls sowie Sind das Nachrichten: alte Männer und junge Frauen?) Das gilt selbstverständlich genauso hinter der Kamera. #Jugendwahn-Detox
  7. Neue Bilder, neue Szenenuflösungen. Keine Gewaltverbrechen mehr gefilmt aus der Perspektive des Täters. Wie oft sehen wir die Großaufnahme einer angegriffenen Frau, ihren angsterfüllten Blick? Wir sehen was ihm den Kick gibt, die leidende Frau, über die er sexuelle Macht ausübt. Dreht es um, zeigt die Täter aus Perspektive der Opfer, oder zeigt die Tat aus einer neutralen Position, aber hört auf uns zu zwingen, die Tat durch die Augen des Täters miterleben zu müssen. #Täterblick-Detox
  8. Entwicklung von mehr Frauenfiguren, auch vor der Kamera brauchen wir eine zahlenmäßige Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern. Wie kommen wir da hin? Ein Schritt wäre der Einsatz meiner Methode NEROPA in Eurer nächsten Produktion, die Koppelung der Methode an Filmförderung, an die Auftragsvergabe im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (damit könnt Ihr auch gleichzeitig – durch den zweiten Schritt, NEROPA der Feinschliff – eine in jeder Hinsicht diverse Besetzung fördern). Holt NEROPA an die Filmhochschulen, probiert es aus wenn Ihr ein Drehbuch beginnt, so dass sukzessive und ab sofort mehr und vielseitigere Frauenrollen entstehen. Weitere Ideen unbedingt erwünscht! #Männerrollenübergewicht-Detox
  9. Wie schön wäre es, kreativ zu arbeiten und außerdem ein Familienleben zu haben, mit Kindern oder mit älteren Angehörigen, und diese regelmäßig sehen, sie womöglich versorgen oder mitpflegen zu können. Es gibt vielversprechende Arbeitszeitmodelle, die eine Vereinbarung von Filmberuf und Familie leichter machen, schauen wir doch, wie es einige europäische Nachbarn machen. Probiert etwas Neues bei Eurer nächsten Produktion, zum Beispiel Kinderbetreuung am Set, nicht nur für die Kinder der Hauptrollen oder Regie, und Drehtage, die nicht länger als zehn Stunden dauern, für niemanden. Geht nicht? Warum nicht?  #Familienfeindlichkeit-Detox
  10. Mehr ethnische Diversität vor und hinter der Kamera, auf und hinter der Bühne, mehr Internationalität! Wir sind Europa, wir sind Teil der Welt. Davon können wir alle nur profitieren, in der Branche und im Publikum. #WeißeMonokultur-Detox
  11. Fördert die weiblichen Talente in den angeblichen Männerabteilungen und -gewerken, fördert Frauen bei Film- und Bühnenmusik, Frauen im wahrsten Sinne des Wortes hinter der Kamera (ja, es gibt sie, die Cinematographinnen), am Mischpult, am Aufnahmegerät, – denn ja, es gibt auch Tonmeisterinnen. #TechnikMännersache-Detox
  12. Es ist das Jahr 2019. Bitte keine 1950er Inhalte in modernen Geschichten mehr.  #VeralteteKlischees-Detox
  13. Es ist immer wieder faszinierend, wie sportbegeistert die öffentlich-rechtlichen Sender sind, aber wie wenig sie Sportereignisse zeigen (oder mögen?), an denen keine Männer beteiligt sind. Auf zu neuen Ufern! Zeigt jeden zweiten Monat so viele Berichte über Frauensportwettkämpfe, wie es Euren Männersportberichten vom Vormonat entspricht – und so wenig Männersport, wie es Frauensport gab. Tagesschau und heute journal usw. bringen selbstredend die Ergebnisse der Fußballbundesliga und europäischen Wettbewerbe, nur jeden zweiten Monat eben nicht mehr die der Männer. Das ist Euch als erster Schritt zu drastisch? Dann überlegt Euch langsamere Übergänge. Zum Beispiel 50:50, pro Tag oder auf eine Woche gerechnet. Habt Ihr jemals ein Handballspiel im ÖR Fernsehen gesehen, ich meine, eins der Handballerinnen? Gestern (27.1.) gab es in der ARD Tagesschau einen fast 4-minütigen Sportblock mit Handball (Männer), Fußball (Männer) und Wintersport (Männer). Apropos Wintersport: Laura Dahlmeier gewann gestern den 20. Weltcupsieg ihrer Karriere beim Biathlon Massenstart in Antholz. 2. Marketa Davidova (CZ), 3. Vanessa Hinz (D). Und das weiß ich nicht aus der Tagesschau (Dank an Melanie auf twitter!). #Männersport-Detox

Ja, apropos Winter, es wird – wenn auch nicht überall mit Schnee – allmählich doch noch richtig kalt. Denkt an diejenigen, die nicht im Warmen sitzen und helft bitte wo Ihr könnt. Wer es noch nicht gelesen hat, hier mein Text Früher war mehr Schnee mit praktischen Vorschlägen.

Ansonsten: was sind Eure (19) Vorschläge für die Branche?

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English Version

What If… – New Year’s Detox for Film / TV and Theatre


Producer:  That‘s this damn influence of Buffalo* again! Always wanting to change everything!
Author:  Yes, but he is right, isn‘t he? All I wrote in the beginning, it was so whimsical and romantic, – not at all like real life.
Producer: But people are romantic. They don‘t go to the cinema to see the everyday stuff they can get at home.
Author:   Buffalo says that the audience is a lot more sensible than we think.
Producer:   Well, let‘s hope he‘s right! (sighs) It‘s not that I enjoy producing schmalzy films…

* director‘s nickname
DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1957). director: Helmut Käutner. author: Barbara Noack, Heinz Pauck, Helmut Käutner. producer: Walter Koppel. 

The Pasta Parabola
A works canteen is serving noodles every day: spaghetti or ribbon noodles, cannelloni, tagliatelle or farfalle, fettucine or maccaroni, ravioli, rigatoni or tortellini. One day with meat, the next with fish or with vegetables or salad. Noodles every single day. Hmmmm!
Other side dishes like rice, millet, potatoes, quinoa, couscous, french fries, dumplings, bread or papadam are never on the menu. The canteen is always full, the guests enjoy their meals.
Conclusion: If people prefer noodles there‘s nothing we can do.

19 Resolutions for the New Year: Detox for the Industry

A lot of people make new year‘s resolutions, like cutting down on meat, alcohol or cigarettes, exercising more, learning a new language, using their smarphones and computers less (digital detox), buying more regional groceries, supporting local businesses instead of shopping online, trying out a new hair colour or a new pub, new stuff while breaking with old habits. Many resolutions are thrown overboard after a couple of days, weeks or months, some last the whole year.
Since my blog is mainly focussed on film and television, I‘ve spontaneously made a list of 19 detox-resolutions for the new year 2019 for these industries, that I am belatedly publishing today. I am looking forward to your comments and also your own (19?) suggestions, that you can leave in the comments section. Or you send them directly to the TV channels, producers or film funding bodies. And of course if you happen to be a decision-maker from the industry, how about trying out some of the resolutions in your area, for a week, a month or the rest of the year. Why not.

It‘s 2019. Time to take risks, and enjoy change and new ways. Be bold! That can be fun and often leads to the best results. With no claim of being exhaustive, and no systematic order or in full detail, here are 19 Detox resolutions, followed by more details for some of them:

1. CopDrama-Detox
2. StatusPayGap-Detox
3. Ratings-Detox
4. Duplicate-Detox
5. ChannelFaces-Detox
6. GenderPayGap-Detox
7. Femicide-Detox
8. MaleProductions-Detox
9. Classics-Detox
10. WageObscuring-Detox
11. Autocracy-Detox
12. YouthObsession-Detox
13. PerpetratorPoV-Detox
14. MaleRolesBias-Detox
15. FamilyHostility-Detox
16. WhiteMonoculture-Detox
17. TechnicalMensStuff-Detox
18. OutdatedStereotypes-Detox
19. MensSports-Detox

You can keep the detox phases short or long, just as you like it: a week, a month, a whole year. And here are some more elaborate thoughts to a number of points.

    1. There are a lot of talented and less talented authors who can write more than just crime stories, who want to tell stories without making a detour via murder and manslaughter, and without having a detective in the centre. In Germany, we see more people killed on public television than are actually murdered in our country. At the same time, the way in which violent crimes are depicted in the 8.15 pm cop dramas of the two big public broadcasting channels gets more and more graphic – without there being a warning for the audience before the film starts or a for sensitive audience or those affected by the issues in the film (like the do in the UK for example). Why doesn‘t this happen over here? Because the audience has become emotionally dulled over time? Then, current social and political issues are very often processed in Germany‘s top cop drama TATORT / CRIME SCENE, instead of being put into films of their own. Cop dramas, polices stories, thrillers! Which German city hasn‘t got its own TATORT version yet, which region doesn‘t have their own SOKO (another TV series, set in different German areas, SOKO = Sonderkommission = special commission), which population group doesn‘t have their own early evening police series yet? Please stop this, it can always be done differently. Put an immediate stop to new crime film projects. Give a chance to good television, varied storytelling and new formats. A series about the 1920s? Why not? But please, not another crime story with countless dead bodies and violent murders in close-ups? Take a one-year break – no new crime series commissioned or develeoped, neither for the main or the early evening programme. No new TATORT teams, no new TATORT towns. #CopDrama-Detox
    2. Let‘s talk about wage caps for actors and actresses! About reducing the status wage gaps between celebrities and unknowns in public television. A suggestion: the highest wage in the acting department of a film must not be more than 50 times that of the lowest paid. In numbers: if the actor or actress receiving the lowest wage, because they are a newcomer or they are paid a „special wage“ (i.e. less than their usual pay per day of shooting) of say 800 €, then the top earner must not earn more than a total of 40,000 €. For the more hesitant: pledge to the same resolution, only double it, meaning that from the acting people no one will earn more than the hundredfold wage of the ones with the lowest earnings. The latter very often have to reserve the whole time of shooting for their one or two days – whereas the colleagues plaing the leads have the schedule built around their projects so they can often work on more than one. This is no debate based on envy, but rather it‘s intended to prompt a long-overdue on fair payment of acting people (this goes for Germany, I don‘t know about the situation in other countries). #StautsPayGap-Detox
    3. How do you assess if a film, an episode were successful and met the expectations, e.g. of the commissioners? Let‘s get rid of the ratings! Public broadcasters should set up their own criteria for measuring the qualifity of and satisfaction with a production. The alleged, projected audience numbers are irrelevant for a number of reasons (also read The Standards for Public Broadcaasting and For Heaven‘s Sake, Look at the Ratings!). So, der public TV commissioners: declare a month as a ratings-free period, and also don‘t read any ratings‘ evaluations in that time. For the Brave: delete all information irrevocably. For the Fainthearted: begin with a ratings-free week. #Ratings-Detox
    4. Look to the future, not the past! Don‘t commission stories that have been successful in the past. No copies or endless repeats, no remakes, but rather let‘s get new film stories. Has the creativity of screenwriters already been exhausted? I don‘t think so. So let‘s take a risk, and don‘t serve „the audience“ who may like a lot more than just noodles. On a side-note: Some years ago, Klaus Pierwoß, former general director of Bremen theatre (quite big, with theatre, opera and dance) conducted an audience survey (or ordered it to be conducted), and afterwards ignored the results, because the audience‘s number one wish were light theatre and operettas. His theatre was still very well-attended. So is your project new, original amusing and exciting? Wonderful. Good luck! #Duplicate-Detox
    5. New Faces – try out a different hiring policy! What about these “channel faces“ (we have in German public television)? Who says that the audience cannot deal with more than a handful of actors and actresses in leading roles? Is it because otherwise they wouldn‘t know what channel they have tuned into? Or they will switch off? There is not just one audience and just one audience‘s taste. And there are more than 20 actresses and more than 40 actors in Germany that can play important roles (call my agent!). #ChannelFaces-Detox
    6. Equal pay for equal work of women and men, on and off screen, in theatres, in recording studios, radio stations, broadcasting corporations, orchestras and dance companies – everywhere. #GenderPayGap-Detox

  1. Show women who are alive! No more films that start with the brutal murder or rape of a woman, and certainly not with a violent crime shown in every detail. One of the bigger disappointments in 2018 was a TV cop drama (from the 90 min. series Polizeiruf 110 in the main programme from public TV ARD) written and directed by arthouse director Christian Petzold that showed two murders of women in great detail, an execution-like murder of a woman at the beginning of the film, and the shooting of a female police-officer from close distance, her dead, shot face shown from close distance afterwards. The shooting of a murderer was only shown from a distance, with no close up to his face or body afterwards. Natalie Portman went one step further in her speech at the Power of Women luncheon of Variety Magazine: Variety Magazine’s Power of Women luncheon last October „Tell a new story. What if we took a year off from violence against women? What if for one year everyone in this room does everything in their power to make sure that all the entertainment produced from this room doesn‘t depict a rape or murder of a woman. In the projects you write, produce, direct, act, package, market, do not harm women this year. Let‘s see how that goes.“ (here’s the video, it’s from 12:56 to 13:25 min). Yes please, do try it, use your influence, follow my suggestion or hers, for a year (at least). #Femicide-Detox

  2. We need new models for funding and new guidelies for productions that will ensure gender balanced film teams, with more wonen in positions of power across all departments. One way – of hopefully many! Is my proposal #2v6pN, according to which zwei of the six departments directing, script, DoP, sound, music and editing should be headed by women (and also the NEROPA method should be applied). This would mean that a series like BABYLON BERLIN wouldn‘t have been produced in the way it was with its three male directors, three male writers, three male producers, two male co-prodcers, three male DoP and two male sound mixers, two male composers, two male (and one female) editors… (this text unfortunately only exists in German, but you can get an idea when you look at the images: Babylon Männersoap Berlin – Zwischen den Weltkriegen), and that also there would be more female DoPs and female sound mixers in German top cop drama TATORT (2018 each with 0 %) and more female writers (5,5 %). #MaleProductions-Detox
  3. Stage: new plays, gender balanced plays, contemporary plays. Does theatre need to tell men‘s stories all the time? Commission new plays. And how about a season with Goethe, Schiller and Shakespeare? In many of their plays there are roughly 20 male to one female role. OK, maybe sometimes there will be two, a young girl who is in love with the protagonist and possibly dies of a broken heart, and someone like an old governess. Give the classics a break (see also A Flower on the Stage). And for the less bold, just halve the numer of classical performances in a season and produce some female biased plays instead like THE HOUSE OF BERNARDA ALBA and DANCING AT LUGHNASA). Clear the stage for change! #Classics-Detox
  4. Let‘s introduce pay transparency at theatres and also appropiate pay. Stop with this weird custom (at some German stages) that an actress or actor who has already worked at the theatre for a while is put on an entry position, to save money and get someone more experienced at the same time. #WageObscuring-Detox
  5. More democracy in film and theatre associations! Many at the top of these organizations work well for and with the members, others think of them as ,the masses‘ and as a source for financing the association. Your members are your supreme good? Then show it, let them decide, listen to them, let them participate not just nod through your ideas. Be inspired more by Switzerland and less by Turkey. #Autocracy-Detox
  6. Adequate age differenciation and representation on-screen. In our society, indeed all over the world, you find not only young women and men of all ages, so why should it be different in films and non-fictional programmes? (also see Cleverer Girls and Are They the News: Old Men and Young Women). The same applies off-screen as well of course. #YouthObsession-Detox
  7. New images, new breakdowns of the scenes for the camera. No more violent crimes being filmed from the perspective of the perpetrator. How often do we have to see a close-up of a woman under attack, her frightened eyes, her frozen face? Wie see where the perpetrator gets his kicks from, a victimized woman he can sexually assault and dominate. Turn it around, show the man seen from the perspective of his victim, or show the crime from a neutral position, but please don‘t force us to have to see it through the eyes of the offender. #PerpetratorPoV-Detox
  8. Let‘s develop more female characters, we also need a quantitative gender balance of the characters we see. How do we get there? One step could be applying my method NEROPA in your next production, or link it to film funding, to commissioning of TV productions (with the second step – NEROPA Finetuning – you can afterwards encourage a cast that is diverse in every sense of the word). Have it introduced at film schools, try it out when you start on your next script, so that eventually there will be more and more diverse female characters. More ideas welcome! #MaleRolesBias-Detox
  9. It would be so nice to work in the creative industries and at the same time have a family life, with children or older relatives, and see them all regularly, maybe even care for them. There are some promising working hours models, that help with combining a film job and family, let‘s have a look at what European neighbours are doing. So try out something new in your next production, for example organize child care on set, not only for the child of the leading actress or director, and have the working hours during filming no longer than ten hours maximum for all. Not possible? Why not? #FamilyHostility-Detox
  10. Let‘s have more ethnical diversity on- and off-screen, on- and off-stage, more internationality! We are Europe, we are a part of the world. We can all just benefit from that, within the industry, and as members of the audience. #WhiteMonoculture-Detox
  11. Support female talent in the so-called male departments, encourage women in film and stage music, women behind the camera in the truest meanung (yes, they do exist in Germany, have a look at the Cinematographinnen – page available in English), women at the mixing desk, at the recording device – because yes, they also exist. #TechnicalMensStuff-Detox
  12. It’s the year 2019. Please let’s not have stereotypes from the 1950’s in modern stories any more. #OutdatedStereotypes-Detox
  13. It‘s always quite fascinating to see how sports-mad German public television channels are but at the same time how very few sports event they show (or like?) that don‘t involve men. On to new shores! Every other month, show as many reports on women‘s sports competitions as you showed men‘s sport the month before – and then as few sports reports on the men as there were on women. Of course the main news on ARD and ZDF (the two major German public channels) can continue to deliver the results of the Bundesliga / football league and of the European football competetions, but again, every other month only those of the women‘s championships. This sounds too much for you as a first step? Then think of slower change. For example 50:50, per day or for each week. Have you actually ever seen a handball match on public TV, but with women‘s teams? On Sunday night, Jan. 27, there was a nearly 4 min. sports slot on the main news (Tagesschau, always on from 8 to 8.15 pm). They reported on handball (men‘s), football (men‘s) and winter sports (men‘s), with footage. Talking of winter sports, German Laura Dahlmeier won her 20th world cup title at the Biathlon mass start race in Antholz on Sunday, 2nd was Marketa Davidova (CZ), 3rd Vanessa Hinz (Germany). And this I don‘t know from Tagesschau (but from Melanie on twitter, thank you!). #MensSports-Detox

Speaking of winter, it is getting really cold now, even though some places are still without snow. Think of those that don‘t have a warm place to stay and help where you can. If you haven‘t read But Baby, it‘s Cold Outside yet, here‘s my text with some practical suggestions.
Other than that: what war your (19) resolutions for the industry?

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