SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts


Mehr Menschen sehen – THE SPLIT – Diversifying Casts

English Version follows German.

Heute geht es um das Abbilden von Diversität, NEROPA, ethnisch-diverse Besetzung am Beispiel der britischen Scheidungsrecht-Miniserie THE SPLIT (BBC, 2018) und  meine Schauspielkolleg*innen Fiona RodrigoJames Krishna Floyd und Samir Fuchs.

Vielfalt, Realität, Alltag

Vor vielen Jahren wurde ich von einer Casterin für die Rolle einer Krankenschwester vorgeschlagen – aber abgelehnt, mit der Begründung so sähe eine Krankenschwester nicht aus. Wirklich? Wäre ich statt Schauspielerin Krankenschwester geworden hätte zumindest eine Krankenschwester in Deutschland so ausgesehen wie ich. „Nein, aber nicht im Fernsehen“. Kürzlich wurde ich für die Rolle einer Sozialarbeiterin abgelehnt, weil „zu alt“. Ernsthaft? Arbeiten die nur bis vierzig?
Nicht ins Bild passen, das
erleben auch – vermutlich häufiger – viele andere Schauspieler*innen, in Deutschland geboren und aufgewachsen wie ich, jedoch mit sichtbarem Migrationshintergrund. „Ohne Erklärung kann ich Sie nicht einfach als [Rolle ABC] besetzen“. Ohne Erklärung für was? Den perfekten bayrischen Dialekt? Einen bestimmten Beruf? Die Normalität?

Neue Gesichter

Geschlechtergerechtigkeit vor der Kamera herstellen ist unerlässlich, um die Welt in der wir leben abzubilden und uns alle zu inspirieren. Es reicht nicht mehr, gesellschaftliche, politische, soziale, private, futuristische Themen aus Sicht von Männern und mit ewig männerlastigen Schauspielensembles zu erzählen. Genaugenommen war das noch nie in Ordnung, aber leider gängige Praxis.
Zur Vielfalt gehören aber nicht nur die (mehr als zwei) Geschlechter, sondern auch das unterschiedliche Aussehen und die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen. Und diese sollten nicht nur dann sichtbar sein, wenn eine Geschichte von ihnen handelt – von einer blinden Anwältin (DIE HEILAND), einer deutschtürkischen jungen Frau (GEGEN DIE WAND), einem Schwulen (FREIER FALL), einer Schwangeren (24 WOCHEN), einem gehörlosen Vater (JENSEITS DER STILLE) einer übergewichtigen Frau (ZUCKERBABY) oder einer Sozialhilfeempfängerin (DIE BOXERIN). Sie sollten in Filmen einfach so vorkommen, ob Haupt- und Nebenfigur oder Komparserie – soweit es zur Geschichte passt. Um wieder das Beispiel einer Verfilmung des Kardinalkonvents zur Papstwahl zu bemühen: da kann es jüngere und (vorwiegend) ältere Männer geben, weiße und schwarze, dicke und dünne, Brillenträger und Gehbehinderte. Aber keine Frauen. Und keine offen Homosexuelle.
Allerdings scheint – nicht nur in Deutschland – die (Weiterlesen – Read On)

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Babylon Männersoap Berlin – Zwischen den Weltkriegen

This text is about two German TV series, set between the two world wars in Germany and other parts of Europe. The English Version will appear as a separate article, at the latest when the TV series KRIEG DER TRÄUME / CLAüberSH OF FUTURES is broadcast in English speaking countries. BABYLON BERLIN apparently has already been screened by Sky Atlantic.

In meinem heutigen Text geht es um zwei Serien die mir nicht bzw. sehr gut gefallen haben:
BABYLON BERLIN
und KRIEG DER TRÄUME: 1918 1939.

Frauen im Top-Management

Kürzlich berichtete die Allbright Stiftung wieder einmal über die gendermäßige Zusammensetzung der Vorstände von börsennotierten deutschen Unternehmen. Rund die Hälfte, also 79 von 160, haben reine Männervorstände:

(…) 79 Firmen, die keine einzige Frau im Vorstand haben und die sich für die kommenden Jahre entweder gar kein Ziel oder aber das Ziel gesetzt haben, keine einzige Frau im Vorstand zu haben. (…). Nur 37 Unternehmen planen tatsächlich eine konkrete Erhöhung des aktuellen Frauenanteils. (…)
Diesen Unternehmen kann nicht bewusst sein, was für ein verheerendes Signal sie mit dieser »Zielgröße Null« aussenden: an die Managerinnen im Unternehmen (Ihr werdet hier nichts), an interessierte externe [Weiterlesen – Read On]


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Unterwegs auf der Grünen Insel – #WakingTheFeminists

The English version of this article was published on Oct. 24.

Vor zwei Wochen fanden auf Einladung von Irish Equity und Equity Schottland & Nordirland zwei NEROPA-Seminare für Vertreter*innen der Theater- und Filmbranche in Dublin und Belfast statt. Hier ein kurzer Bericht, eine Vorstellung der Beteiligten auf beiden Seiten der Grenze und außerdem – mit freundlicher Genehmigung – Ausschnitte aus den Keynotes von Sarah Durkin („We need to Talk about Power and Representation“) in Dublin und Maggie Cronin (We have Come a Long Way and still have a Long Way to Go“).

Mit NEROPA nach Dublin und Belfast

Ich habe ja schon öfter über Initiativen in Großbritannien zum Abbau des Genderungleichgewichts in der Filmbranche geschrieben, (aus dem Anfangsjahr dieses Blogs, 2013, ist z.B. das Interview mit der Schauspielerin und Equity Women‘s Committee Mitglied Jean Rogers (Gut gemacht, Schwester Equity!), und 2016 war ich das erste Mal zu einem Treffen mit verschiedenen Kolleginnen und Aktivistinnen in London (siehe SchspIN in London). Schließlich fand diesen Januar, organisiert von Equity UK und dem British Film Institute BFI, auf Initiative von Jean Rogers und dem Women‘s Committee ein NEROPA Symposium in London statt. Kurze Zeit darauf kontaktierte mich Lorne Boswell vom Equity Büro in Glasgow, der einen NEROPA Doppelpack in Irland und Nordirland vorschlug, und mich wiederum mit Karan O‘Loughlin von Equity in der Irischen Republik bekannt [Weiterlesen – Read On]


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NEROPA Touring the Irish Isle – #WakingTheFeminists

Die deutsche Fassung dieses Textes erschien am 27. Oktober.

A couple of weeks ago, invited by Irish Equity and Equity Scotland & Northern Ireland, I presented my gender diversity tool NEROPA in front of representatives from theatres and the film industry in Dublin and Belfast.
Today I want to give a very brief account of my days on the green isle and introduce and thank the people who made this all possible. Also I am very happy that the two great ladies who gave the key note introductions at the events – Sarah Durcan in Dublin („We need to Talk about Power and Representation“)  and Maggie Cronin in Belfast („We have Come a Long Way and still have a Long Way to Go“) – have kindly given me permission to reproduce the bigger parts of their speeches.

Bringing NEROPA to Dublin und Belfast

As some of you may know, since shortly after I started my analysis and blogging, I have been in regular contact with Jean Rogers of Equity UK (read my interview with her Well done, sister Equity! from 2013) and half a year after I published my method NEROPA Neutral Roles Parity in January 2016, I met Jean and other female film activists at Equity in London (read SchspIN in London). And eventually, this January, initiated by Jean Rogers and the Women’s Committee, Equity UK and the BFI held a NEROPA symposium in London.
Not too long after this I was contacted by Lorne Boswell from the Equity Glasgow office who suggested an Irish / Northern Irish double act with NEROPA and introduced me to Karan O’Loughlin of the republic’s [Weiterlesen – Read On]


Sind Abiturienten dümmer – Cleverer Girls

English Version follows German.

Schülerinnen sind besser in der Schule, sie überspringen eher eine Klasse als Schüler, die wiederum häufiger sitzenbleiben, oft mehrfach.
Worauf stütze ich diese These?
Auf eine Analyse des Alters von Abiturient*innen (im ersten Bildungsweg). Die Schüler sind in der Regel beim Schulabschluss älter als ihre Klassenkameradinnen, das heißt sie haben eine oder mehrere Klassen wiederholt, und / oder wurden womöglich später eingeschult. Vielleicht sind sie also nicht dümmer, sondern einfach nur Spätzünder und lernen langsamer. Gleichzeitig sind Schülerinnen richtig gut in der Schule und überspringen mitunter eine oder mehrere Klassen. Ausnahmen bestätigen die Regel, das gilt für beide Gruppen.
Es gibt allerdings zwei Einschränkungen: zum einen gilt das nicht für Abiturient*innen im 21. Jahrhundert. Und zum anderen bezieht sich das nur auf fiktionale Abiturient*innen in Film und Fernsehen.

Klassentreffen

Gerade sind zwei deutsche Klassentreffen-Produktionen entstanden, der Kinofilm KLASSENTREFFEN 1.0 – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER SILBERRÜCKEN (Barefoot Films GmbH, Kinostart 20.9.) und der an nur zwei Tagen gedrehte Fernsehfilm KLASSENTREFFEN (Die Film GmbH für WDR, noch kein Sendetermin). Das habe ich zum Anlass genommen, Abitreffen-Filme zu betrachten, bzw. das Alter der Schauspieler*innen der ehemaligen Schüler*innen. Einige habe ich gesehen, manche vor längerer Zeit. Die analysierten Rollen sind nur solche, von denen ich sicher bin, dass sie ehemaligen Schüler*innen in den Klassen waren.
Deshalb sind beispielsweise bei dem Film KLASSENTREFFEN 1.0 bislang nur drei Schüler berücksichtigt. Ich habe den Film noch nicht gesehen, [Weiterlesen – Read On]


Der kleine Mann im Ohr – Listen to what the Man says

English Version follows German.

Mann und Frau verwechsel ich nicht,
das kommt bei mir nicht vor.
Ich hab`nen kleinen Mann im Ohr,
der sagt mir alles vor.

  • Zum einen Ohr rein, und es bleibt drin
  • Morgens um sieben ist die Radiowelt noch in Ordnung
  • Eine blaue Bahn
  • Eine rote Katze
  • Ausblick

Am ersten September absolvierte die Deutsche Fußballnationalmannschaft in Island ein WM-Qualifikationsspiel von großer Bedeutung, die Deutschen gewannen 2:0, was im Vorfeld nicht so ganz selbstverständlich schien – hatte doch Island die Begegnung in Deutschland im letzten Oktober mit 3:2 gewonnen. Das ZDF übertrug das Spiel (zu den Halbzeitinterviews zwei Twitter-Kommentare von Anna und Alice). Als ich an dem Samstag abends von einem Dreh nach Hause kam schaltete ich das Radio an, um das Ergebnis zu erfahren. Fehlanzeige, Deutschlandfunk Kultur berichtete in den Nachrichten nur von der Männerfußball-Bundesliga, sehr ausführlich. Sie waren aber nicht die einzigen, die das Island-Deutschland-Spiel nicht erwähnten.

Foto: SchspIN

Zum einen Ohr rein, und es bleibt drin

Immer wieder hören wir weniger von Frauen, also ÜBER Frauen, wir hören aber auch weniger von Frauen, also DURCH Frauen. Das verstärkt das Männliche als Norm, die Männerstimme als die maßgebliche, wichtige. Und schlimmstenfalls werden Stereotype darüber, was Frauen und Männer können bzw. nicht können und was sie interessiert bzw. nicht interessiert, geschaffen und verfestigt, je nachdem, [Weiterlesen – Read On]


2 Kommentare

Was tut sich am TATORT? – #2v6pN – Who’s to be seen in CRIME SCENE?

English Version follows German.

TATORT-Analyse 2011-18: Sechs Gewerke und der Hauptcast


Zum 1. August 2015 hatte sich die ARD-Tochter Degeto Film GmbH zunächst für drei Jahre verpflichtet, den Regisseurinnenanteil in ihren Produktionen auf 20 % zu erhöhen:

Damit greift Christine Strobl eine Forderung auf, die „Pro Quote Regie“ im vergangenen Jahr formuliert hatte. Zwanzig Prozent aller Filme in der Regie von Frauen, das sei ein „maßvolles Ziel“, sagt Christine Strobl (…). Sie will damit in der Branche, bei Produzenten und in den Redaktionen für ein „verändertes Bewusstsein“ sorgen.
(Manfred Hanfeld: Zwanzig Prozent Regisseurinnen FAZ 8.7.15)

Ob es zu den 20 % Regisseurinnen gekommen ist und auch zum veränderten Bewusstsein in Redaktionen weiß ich nicht – es ist auch gar nicht so einfach, die Degeto-Produktionen eines Jahrgangs herauszufinden – aber zumindest kann ich sagen, dass die ARD- TATORTE (die nicht von der Degeto sondern von Landesrundfunkanstalten produziert werden) im ersten Halbjahr 2018 die Regisseurinnenmarke von 20 % fast erreicht haben.

Ich habe außerdem noch einen weitergehenden Selbstverpflichtungs-Vorschlag, aber dazu später mehr, am Ende des Textes (2v6pN). Jetzt erst mal die TATORTE.

Das erste TATORT-Halbjahr 2018

4 von bislang 21 TATORTEN 2018, das sind 19 %, wurden von Frauen inszeniert. Im gleichen Zeitraum gingen allerdings die Frauenanteile in einigen anderen Gewerken  in den Keller. Keine Frau lieferte die Bilder, keine den Ton, und auch die Geschichten, die Dialoge schrieben nur zu 7 % Frauen. Das zeigt die folgende linke Abbildung.
Besteht womöglich ein Zusammenhang zum erhöhten Regisseurinnenanteil? Diese Vermutung [Weiterlesen – Read On]