SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts


Sind Abiturienten dümmer – Cleverer Girls

English Version follows German.

Schülerinnen sind besser in der Schule, sie überspringen eher eine Klasse als Schüler, die wiederum häufiger sitzenbleiben, oft mehrfach.
Worauf stütze ich diese These?
Auf eine Analyse des Alters von Abiturient*innen (im ersten Bildungsweg). Die Schüler sind in der Regel beim Schulabschluss älter als ihre Klassenkameradinnen, das heißt sie haben eine oder mehrere Klassen wiederholt, und / oder wurden womöglich später eingeschult. Vielleicht sind sie also nicht dümmer, sondern einfach nur Spätzünder und lernen langsamer. Gleichzeitig sind Schülerinnen richtig gut in der Schule und überspringen mitunter eine oder mehrere Klassen. Ausnahmen bestätigen die Regel, das gilt für beide Gruppen.
Es gibt allerdings zwei Einschränkungen: zum einen gilt das nicht für Abiturient*innen im 21. Jahrhundert. Und zum anderen bezieht sich das nur auf fiktionale Abiturient*innen in Film und Fernsehen.

Klassentreffen

Gerade sind zwei deutsche Klassentreffen-Produktionen entstanden, der Kinofilm KLASSENTREFFEN 1.0 – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER SILBERRÜCKEN (Barefoot Films GmbH, Kinostart 20.9.) und der an nur zwei Tagen gedrehte Fernsehfilm KLASSENTREFFEN (Die Film GmbH für WDR, noch kein Sendetermin). Das habe ich zum Anlass genommen, Abitreffen-Filme zu betrachten, bzw. das Alter der Schauspieler*innen der ehemaligen Schüler*innen. Einige habe ich gesehen, manche vor längerer Zeit. Die analysierten Rollen sind nur solche, von denen ich sicher bin, dass sie ehemaligen Schüler*innen in den Klassen waren.
Deshalb sind beispielsweise bei dem Film KLASSENTREFFEN 1.0 bislang nur drei Schüler berücksichtigt. Ich habe den Film noch nicht gesehen, [Weiterlesen – Read On]

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Was tut sich am TATORT? – #2v6pN – Who’s to be seen in CRIME SCENE?

English Version follows German.

TATORT-Analyse 2011-18: Sechs Gewerke und der Hauptcast


Zum 1. August 2015 hatte sich die ARD-Tochter Degeto Film GmbH zunächst für drei Jahre verpflichtet, den Regisseurinnenanteil in ihren Produktionen auf 20 % zu erhöhen:

Damit greift Christine Strobl eine Forderung auf, die „Pro Quote Regie“ im vergangenen Jahr formuliert hatte. Zwanzig Prozent aller Filme in der Regie von Frauen, das sei ein „maßvolles Ziel“, sagt Christine Strobl (…). Sie will damit in der Branche, bei Produzenten und in den Redaktionen für ein „verändertes Bewusstsein“ sorgen.
(Manfred Hanfeld: Zwanzig Prozent Regisseurinnen FAZ 8.7.15)

Ob es zu den 20 % Regisseurinnen gekommen ist und auch zum veränderten Bewusstsein in Redaktionen weiß ich nicht – es ist auch gar nicht so einfach, die Degeto-Produktionen eines Jahrgangs herauszufinden – aber zumindest kann ich sagen, dass die ARD- TATORTE (die nicht von der Degeto sondern von Landesrundfunkanstalten produziert werden) im ersten Halbjahr 2018 die Regisseurinnenmarke von 20 % fast erreicht haben.

Ich habe außerdem noch einen weitergehenden Selbstverpflichtungs-Vorschlag, aber dazu später mehr, am Ende des Textes (2v6pN). Jetzt erst mal die TATORTE.

Das erste TATORT-Halbjahr 2018

4 von bislang 21 TATORTEN 2018, das sind 19 %, wurden von Frauen inszeniert. Im gleichen Zeitraum gingen allerdings die Frauenanteile in einigen anderen Gewerken  in den Keller. Keine Frau lieferte die Bilder, keine den Ton, und auch die Geschichten, die Dialoge schrieben nur zu 7 % Frauen. Das zeigt die folgende linke Abbildung.
Besteht womöglich ein Zusammenhang zum erhöhten Regisseurinnenanteil? Diese Vermutung äußerten letztes Jahr einige Kamerafrauen, sie hätten – nicht bei TATORTEN – bereits mehrfach gehört „wir haben jetzt schon eine Regisseurin, da können wir nicht auch noch eine Kamerafrau nehmen“. Oder kommen die ganzen TATORTE die von Frauen geschrieben und gefilmt wurden in der zweiten Jahreshälfte? Oder ist es einfach nur Zufall?
Vor der Kamera hat sich auch einiges getan, im ersten Halbjahr (und auch schon 2017) lag der Anteil der gemischten Ermittlungsteams in den ausgestrahlten TATORTEN bei über 60 % – eine ziemliche Steigerung, wenn wir 2011 mit weniger als 40 % betrachten. Und Hannover ist auch nicht mehr der einzige TATORT ohne Hauptermittler (siehe die folgende rechte Abbildung).

Sechs Monate sind natürlich nicht so aussagekräftig, deshalb ein Blick zurück.

TATORT 6-Gewerke-Check: Die Daten und die Quellen

2011 bis Sommer 2018, das sind siebeneinhalb Jahre mit insgesamt 276 TATORTEN, bei 6 Gewerken also insgesamt 1656 Teampositionen. Die TATORTE selber gibt es schön übersichtlich auf der ARD-Webseite, dort werden Sendetermine, Titel, Städte und Ermittlungsteams genannt und auf den Unterseiten dann eine inhaltliche [Weiterlesen – Read On]


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Let’s Talk about the Inclusion Rider

Die deutsche Fassung wurde am 4. Juni veröffentlicht.

“I have two words to leave with you tonight, ladies and gentlemen: Inclusion Rider.”
Frances McDormand, US-American Actress, Academy Awards March 2018

A Closer Look at the Inclusion Rider

For the last months, the term inclusion rider has been popping up in newspapers and social media In many countries across the globe, including Germany. At the same time I got the impression that it is not always quite clear what this is all about, and that maybe applying it in the German film industry may not be that easy. So today I am publishing a more extensive article on the topic.
All highlighting within original quotes was done by me.

A Best Actress‘s Acceptance Speech

Within one night (the term) inclusion rider came known to a bigger audience was made known to a bigger audience. It happened in March 2018 at the Academy Awards. Frances McDormand was voted Best Actress for her leading role in THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI. At the end of her acceptance speech she asked all female nominees in the room to get up and concluded:

„we all have stories to tell and projects we need financed. Don’t talk to us about it at the parties tonight. Invite us into your office in a couple of days, or you can come to ours, whichever suits you best, and we’ll tell you all about them. I have two words to leave with you tonight, ladies and gentlemen: Inclusion Rider.“

What exactly is the inclusion rider and what can it achieve? McDormand said after the ceremony, that an inclusion rider allows actors to demand that the cast and crew consist of a certain percentage of people who represent diversity — i.e. women, LGBTQ people, people with disabilities, and people of color. (tvguide, 5.3.) and that everybody who does a negotiation on a film — which means you can ask for or demand at least 50 percent diversity in not only the casting but the crew. (Hollywoodreporter 4.3.)
Diversity is yet another term that everybody understands and uses differently – is diversity another word for reality, i.e. the mix of people in our societies? Then the target should be 100 %. Or is diversity another word for underrepresented minorities? Then it would mean that white, heterosexual women without disabilities are not part of it, unless they are old? This is a topic for another day.
The inclusion rider – I am proposing Diversitätsklausel as the German translation – has been defined in many ways in the night [Weiterlesen – Read On]


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Der Inclusion Rider – Die Diversitätsklausel

The ENGLISH VERSION of this text was published in a separate article on June 15.

“I have two words to leave with you tonight, ladies and gentlemen: Inclusion Rider.”
Frances McDormand, US-amerikanische Schauspielerin

Reden über den Inclusion Rider

Auch hier in Deutschland taucht der Begriff Inclusion Rider seit einigen Monaten in Medien und sozialen Netzwerken auf, wobei ich den Eindruck habe, dass nicht ganz klar ist, worum es genau geht und dass eine Anwendung in der deutschen Filmbranche vielleicht nicht ohne weiteres machbar ist. Deshalb heute ein etwas ausführlicherer Artikel zum Thema. Alle Übersetzungen von Zitaten stammen von mir, ebenso etwaige Hervorhebungen darin.

Die Dankesrede einer Best Actress

Schlagartig einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde der Inclusion Rider – zumindest als Begriff – durch die Academy Awards, die Verleihung der US-amerikanischen Filmpreise im März 2018. Die Auszeichnung als beste Schauspielerin 2018 ging an Frances McDormand für ihre Hauptrolle in THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI, die zum Schluss ihrer Dankesrede alle nominierten Filmfrauen im Saal bat aufzustehen und sagte:

Wir alle wollen Geschichten erzählen und haben Projekte die finanziert werden müssen. Sprecht uns an, aber nicht auf den Parties heute Abend, sondern ladet uns in den nächsten Tagen in Euer Büro ein oder kommt zu uns, wie es am besten passt, und dann reden wir. Und ich möchte Euch noch zwei Wörter mit auf den Weg geben: Inclusion Rider.

Was ist und kann ein Inclusion Rider? McDormand sagte im Anschluss an die Preisverleihung, dass er Schauspieler*innen ermöglicht „in ihren Filmverträgen Quotierungen zu verlangen für Menschen die Diversität repräsentieren – Frauen, nicht-weiße Menschen (people of colour), Menschen mit Behinderungen und LGBTQ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queer) – für Teampositionen hinter der und Rollen vor der Kamera.“ (tvguide 5.3.) und dass „alle, die Vertragsverhandlungen führen, 50 % Diversität in Cast und Crew (…) fordern können.“ (Hollywoodreporter 4.3.)
Diversität ist auch so ein Begriff, der recht unterschiedlich verwendet wird – ist Diversität die gesellschaftliche Realität, d.h. eine Mischung, dann müssten 100 % das Ziel sein, oder stellen die unterrepräsentierten Minderheiten Diversität dar, was heißen würde, dass weiße, heterosexuelle Frauen ohne Behinderung nicht dazu gehören, es sei denn, sie sind alt? Ein Thema für einen anderen Tag.
Der Inclusion Rider – ich schlage als deutschen Begriff Diversitätsklausel vor – wurde in der Oscarnacht und danach auch recht unterschiedlich definiert, was Raum für Fragen öffnete: Können diesen Passus alle Schauspieler*innen in ihre Verträge setzen? Ist es eine Absichtserklärung oder Pflicht? Geht es um die gesamten Crews? Wie soll die Klausel [Weiterlesen – Read On]


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Equity NEROPA Symposium, London Jan. 18

Heute gibt es keine deutsche Fassung, der Artikel ist eine (überarbeitete) Präsentation, die ich am 18.1. in London beim NEROPA-Symposium von Equity UK gehalten habe, nebst englischem Audiokommentar.

On January 18, I was invited to speak at the Equity NEROPA Symposium at the BFI in London and present NEROPA.
This was strongly initiated by actress Jean Rogers (whom I interviewed in 2013: Well done, Sister Equity!), and who has been convinced by NEROPA right from the start. She organized a Meeting to explore NEROPA at Equity’s London headquarters in 2016 (SchspIN in London). Now, with the support of the Equity Women’s Committee and others within the union, the UK launch of NEROPA became reality, introducing it to the British film industry.

NEROPA: Changing the Narrative – January 18th, 2018, The BFI Southbank.

  • Welcome – Jennifer Smith (Head of Inclusion, BFI Southbank)
  • Presentation of Filmography – Stephen McConachie (Head of Data, BFI Southbank)
  • Introduction – Jean Rogers (Equity Councillor & Equity Women’s Committee)
  • Presentation of NEROPA – Belinde Ruth Stieve followed by Q & A
  • Vote of thanks Kelly Burke (Chair, Equity’s Women’s Committee)

And Flip Webster did a lovely skit on the life of an elder [Weiterlesen – Read On]


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Neroping during Script Development

Die deutsche Fassung dieses Textes wurde am 6.11.17 veröffentlicht.

  • The Initial Question
  • The NEROPA-Lights
  • Write first, decide later
  • Is that really necessary?
  • German Film Funding November 17
  • Epilogue: Ships that Pass in the Night

The Initial Question

Every now then I get asked if script writers can also work with the casting method NEROPA to modify the striking gender imbalance between female and male roles on television. The clear answer to that is “not really“ and “yes of course“ at the same time, and that is something I will talk about today.
Ideally the NEROPA check is performed by three individuals. Six eyes won‘t read thesame way , three brains will tick differently and people will have had different experiences in their lives. So the 3 will most probably find differing neutral roles in the investigated script, i.e. roles whose gender is not essentioal to the plot. Then the three will talk and agree upon a final list of neutral characteres (see also NEROPA-Check).

“not really“
A script – at least as long as it hasn‘t been altered by order of commissioning editors or others – represents the author‘s intention, it presents characters exactly in a way the authors meant them to be, they do and say exactly what the authors want them to do or say. If the authors were to nerope* their scripts they most probably end up with zero neutral roles as they were all intended to be who they are. Just ask a child about their soft toy: “Ah, so he‘s called Berti Bear. But couldn‘t it also be Berta Bear or Brownie Bear?“ No of course not. Everyone can see it‘s Berti Bear. (Actually I can‘t, but that‘s just the point. Stuffed animals‘ gender is in the eyes of the beholder. Or rather keeper.)
I imagine the characters in a script are like the stuffed animals of a writer, they have been playing / occupied with them for weeks, months or even years. They know them inside out, they know who they are and why they even are in the story in the first place. So the chances that an author will say „yes of course, these four or ten roles can be neutral“ (or worse “sure, they can be deleted
“) are pretty dim.

“yes, of course!“
Now the author could go about getting a couple of other persons, have them nerope the script and then discuss the neutral findings among the three of them. But that does not really [Weiterlesen – Read On]


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Neropen in der Stoffentwicklung

The English Version of this text can be found here.

  • Die Ausgangsfrage
  • Die NEROPA-Ampel
  • Schreibe erst, entscheide später
  • Ist das wirklich nötig?
  • Die FFA-Filmförderung November 17
  • Epilog: Schiffe, die sich nachts begegnen

Die Ausgangsfrage

Ab und zu werde ich gefragt, ob auch Drehbuchautor*innen das Besetzungstool NEROPA anwenden können, um das Rollenungleichgewichte zwischen Männern und Frauen in Film und Fernsehen abzubauen. Die Antwort heißt „eher nein“ und „ja natürlich“ zugleich, letzteres werde ich heute erklären.
Der NEROPA-Check für einen Film wird idealerweise von drei Personen ausgeführt. Sechs Augen sehen mehr als zwei, Gehirne ticken nicht gleich und Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen. Die drei NEROPA-Beauftragten werden vermutlich differierende neutrale Rollen im Buch ausmachen, also Rollen, deren Geschlecht für die Handlung nicht wichtig ist. Dann sprechen sie miteinander und einigen sich auf eine gemeinsame Liste (siehe auch: Der NEROPA-Check).

„eher nein“
Ein Drehbuch – davon wollen wir ausgehen, zumindest solange es noch nicht beispielsweise in der Vorproduktion verändert wurde – ist das, was der Autor oder die Autorin meint, genau diese Figuren sollen darin vorkommen, genau das sagen sie, genau das tun sie. Wenn die Drehbuchautor*innen ihre fertiggestellten Bücher neropen* sollen, würden sie wahrscheinlich auf null neutrale Rollen kommen. Fragt mal ein Kind nach den Namen seiner Stofftiere. „Ah, das ist also der Hasi. Könnte es nicht [Weiterlesen – Read On]