SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts


Hinterlasse einen Kommentar

Weinstein and the Silence of the German Film Industry

Die deutsche Fkaassung dieses Textes wurde am 16.10.17 veröffentlicht.

Introduction

On Oct. 5 the New York Times published the article „Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades“ by Judi Kantor and Megan Twobei. Since then more women, actresses, models and also employees and journalists came out and spoke about sexual harassment, intimidations and even about rape. It is obvious that anyone accused remains innocent until tried by a court of law, but in this case the accusations are overwhelming – quite contrary to the common situations where it‘s testimony against testimony and an offense or criminal act can‘t be proven. There have been discussion about how it could have been possible for Harvey Weinstein to act unnoticed and undisturbed for decades the way he did, but it soon became clear that the way he treated numerous young actresses at the beginning of their careers was an open secret.
In the meantime, Weinstein has been fired from the Weinstein Company, from AMPAS Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, from the BFI British Film Institute, and a statement was issued by the International Film Festival of Cannes.
Some reports also mentioned other cases of sexual abuse, US actor Bill Cosby, Fox news reporter Bill O‘Reilly, Roy Price, head of amazon video department as well as US president Donald Trump. All in the USA, far away.
German media have also been covering the Weinstein scandal, some mentioning the social context as for example Julian Dörr did in the Süddeutsche (a German newspaper) from 14.10. in his German article „If you want to prevent abuse you can‘t ridicule Feminism“ (more articles to be found in the Additional Reading section).
What I found quite surprising though is [Weiterlesen – Read On]

Advertisements


Ein Kommentar

Der Fall Weinstein: Gedanken zur deutschen Filmbranche

The English version of this text, published a day later, can be found here.

Einleitung

Am 5. Oktober wurde in der New York Times der Artikel „Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades“ von Judi Kantor und Megan Twohey veröffentlicht. Seit dem sind immer mehr Frauen, Schauspielerinnen, Models und auch Firmenangestellte und Journalistinnen, an die Öffentlichkeit getreten, die von Übergriffen, sexuellen Belästigungen, Einschüchterungsversuchen bis hin zu Vergewaltigungen berichteten. Es ist klar, dass alle Angeklagten bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig zu gelten haben. Allerdings scheinen in diesem Fall die Vorwürfe  erdrückend – im Gegensatz zu den leider nur allzu häufigen Situationen, in denen Aussage gegen Aussage steht und eine Straftat oder ein Verbrechen nicht bewiesen werden kann.
Viel wurde zunächst darüber geschrieben, wie es möglich sein konnte, dass Harvey Weinstein über Jahrzehnte unerkannt und ungestört handeln konnte, doch schnell wurde klar, dass seine Übergriffe, sein Umgang mit insbesondere jungen Schauspielerinnen zu Beginn ihrer Karriere, ein offenes Geheimnis waren.
Mittlerweile wurde Weinstein aus dem Vorstand der Weinstein Company entlassen, aus der AMPAS Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, aus dem BFI British Film Institute, eine Stellungnahme vom Filmfestival Cannes liegt vor.
Im Zuge der Reportagen wurde auch auf andere Fälle von sexuellen Übergriffen hingewiesen, von US-Schauspieler Bill Cosby über Fox News-Moderator Bill O’Reilly und Chef der amazon-Videoabteilung Roy Price bis hin zu US-Präsident Donald Trump. Alles in den USA, weit weg.

Auch die deutschen Medien haben über den Weinstein-Fall berichtet, mitunter mit Thematisierung des gesellschaftlichen Kontexts, beispielsweise Julian Dörr in der Süddeutschen vom 14.10. mit „Wer Missbrauch verhindern will, darf den Feminismus nicht belächeln“ (weitere Artikel im Unterkapitel  Lesevorschläge).
Was mich aber erstaunt ist, dass bis jetzt fast nichts über hier, über die deutsche Filmbranche geschrieben wurde. Drängen sich nicht Fragen wie „Ist so etwas in Deutschland auch möglich, gibt es Fälle oder Gerüchte, und wie wird betroffenen Frauen geholfen?“ geradezu auf?
Ich habe lediglich das Kurzinterview mit der österreichischen Schauspielerin Adele Neuhaus gefunden, das sie der Rheinischen Post gegeben hat und das in verschiedenen anderen Medien zitiert wurde (das Original habe ich online nicht gefunden), beispielsweise in der Berliner Zeitung vom 14.10.. Sie sagte u.a., dass sie von dem Skandal nicht überrascht sei, und sich eher fragt, „warum das jetzt erst spruchreif wird. Hinter vorgehaltener Hand war eh immer klar, dass es eine Besetzungscouch gibt” und „wie viele Männer diese Situation ausgenutzt haben, weiß man.“

Ja, auch an deutschen Sets

Auch in Deutschland werden Schauspielerinnen und andere weibliche Filmschaffende sexuell belästigt und bedrängt. Auch hier [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Was wir hören sehen wir? – What we hear is what we see?

English Version follows German.

Heute geht es um Sprache, Onlinerecherche und Onlineübersetzungen sowie eine Auto-und-Fahrrad-Metapher.

Sprache, Bewusstsein und Veränderung

Sprache verändert sich, seit es Sprache gibt. Sprachempfinden und -verständnis sind subjektiv, wie sicher alle bestätigen werden, die schon einmal „ich hab doch nur gesagt..“ „ja, aber gemeint hast du / das klang total nach..“-Diskussionen mitbekommen haben. Neue Wörter finden den Weg in den Duden, und neue Formen werden ausprobiert, um neuen Anforderungen an Sprache zu begegnen. Mit den Wechselwirkungen von Sprache, Denken und Bewusstsein will ich hier gar nicht erst anfangen.
Was früher normal war ist heute passé. Frauen sowohl mit dem Nach- als auch dem Vornamen ihres Mannes anzusprechen (z.B. Frau Joachim Sauer) ist hochgradig unüblich, und auch die stillschweigende Übereinkunft, dass sich alle Frauen von männlichen Begriffen mitgemeint zu fühlen haben, hat ihre Allgemeingültigkeit verloren.
Natürlich gibt es immer noch Frauen, die von sich als Schauspieler oder Frisör oder gar Einzelhandelskaufmann sprechen. Und es gibt weiter Texte, die mit dem Satz „der besseren Lesbarkeit halber verwenden wir in diesem Text nur die männlichen Form“ beginnen. Aber zum Glück setzt sich immer mehr durch, von Frauen und Männern, also z.B. von Leserinnen und Lesern, Wählerinnen und Wählern, Nachbarinnen und Nachbarn zu sprechen, mit in der Schriftsprache den Lesefluss nicht störenden Zeichen wie /, _ und * zu arbeiten (Leser/innen, Wähler_innen, Nachbar*innen) -bzw. die grammatikalischen Möglichkeiten der deutschen Sprache zu nutzen und „der Antragsteller“ zum Beispiel durch „wer einen Antrag stellt“ oder „der Antrag wird gestellt von“ zu ersetzen und „alle die“ statt „jeder der“ zu verwenden, oder Lesende, Wahlberechtigte und Leute aus der Nachbarschaft zu verwenden, und so weiter und so fort. Ich hatte vor mehr als zehn Jahren ein „Fair in der Sprache“-Infoblatt bei einem Gastspiel in Erfurt gesehen, das ich mitnehmen durfte – und das an am Ende des Textes abgebildet ist.
Dass die Verwendung rein männlicher Formen als neutrale Begriffe (generisches Maskulinum) nicht wirklich funktioniert habe ich im Zusammenhang mit Drehbüchern an anderer Stelle bereits erwähnt, namenlose Rollen die Journalist, Polizist, Archäologe oder Anwalt heißen (egal ob im Singular oder Plural), werden mehrheitlich als männlich wahrgenommen, umso mehr, wenn Pronomen ins Spiel kommen („Im Park drei Gärtner, einer schneidet die Hecke. Gerda fragt ihn nach dem Weg“). Diese – mehrheitlich vermutlich unbeabsichtigte – Einseitigkeit von Drehbüchern kann durch den Einsatz meiner Methode NEROPA Neutrale Rollen Parität – abgebaut werden.

Ergänzung 3. Nov.: Heute erschien ein Artikel in der britischen Zeitung The Guardian, der die Problematik der männlichen französischen Sprache, einer Stellungnahme der Académie Francaise und Reaktionen auf diese zum Thema hat: French language watchdogs say ’non‘ to gender-neutral style:

Eine Biographie mit deutscher Mutter

Männersprache bzw. mehr erwähnte Männer begegnen uns nicht nur in Drehbüchern und nicht nur in der Filmbranche. Wikipedia hat nicht nur ein sprachliches Genderproblem – was regelmäßig thematisiert wird, leider zumeist noch konsequenzlos. Es gibt wesentlich [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Südasien und wir – Brown People Matter

English Version follows German.
Aktualisierung 13./25.9. —- Update Sept. 13./25.

Heute geht es um die Medienberichterstattung über die Überschwemmungen in den USA und Südasien, den Film MONSOON BABY, Fake News und zwei künstlerische Projekte in der Crowdfundingphase.

Überschwemmungen

2.9.17
Es ist Samstag früh, ich schalte das Radio ein, und lande bei einem längeren Bericht über Texas / USA, die Folgen des Harvey genannten tropischen Wirbelsturms, Überschwemmungen, zerstörte Häuser, fast 60 Tote, evakuierte Menschen, Einzelschicksale im O-Ton.
Zur vollen Stunde in den Nachrichten wieder Texas, und 20 Minuten später der nächste Bericht, diesmal mit der Meldung, dass der US-amerikanische Präsident Donald Trump erneut in das Krisengebiet reisen wird.
Die Medien haben schon über die Katastrophe berichtet, bevor der Wirbelsturm Texas erreichte und die Berichterstattung ging und geht weiter, Tag für Tag.
Es hat deutlich länger gedauert, bis auch über die – verheerenderen – Überschwemmungen in Südasien berichtet wird. In Indien, aber auch in Bangladesch, Nepal und Pakistan hat der diesjährige Monsun* zu großen Überschwemmungen geführt, zu mehr als 1.500 Toten in den letzten drei Wochen (verschiedene Quellen sprechen von 1.300 bis 2.100 Toten), zu ruinierten Ernten, drohendem Hunger und Krankheiten.
Aber die Berichte sind spärlich, die täglichen ausführlichen Hintergrundsberichte oder gar Spendenaufrufe, bspw. in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen, fehlen.

*Mit Monsun werden großräumige Luftströmungen bezeichnet, „die durch jahreszeitliche Windrichtungsänderungen von mindestens 120° gekennzeichnet sind“ (vgl. Lexikon der Geographie / Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH). Die südasiatische Monsunzeit von Juni bis September fordert jedes Jahr sehr viele Opfer.

Es ist klar, dass ich nicht die Not der Menschen in Texas runterspielen möchte. Aber gerade bei den Zahlen der gestorbenen Menschen dort und da stockt mir der Atem. Aus Texas bekamen wir quasi täglich die Updates, 30, 32, 35, 41, 47, 50, 55, 57 Tote; die Zahlen für Südasien sind geschätzt, gerundet. Nicht auf 30, 40, 50 oder 100 Personen, sondern auf über eintausend; vielleicht 1.500 oder 1.700 Menschen, die ertranken, von Erdrutschen verschüttet oder von Stromschlägen getötet wurden. 45 Millionen Menschen, darunter 16 Millionen Kinder, sind direkt von der Katastrophe betroffen.

Füllt die Lücken!

Ich höre immer wieder „Ja, aber die USA stehen uns näher!“ – das mag schon sein. Wenn ich beispielsweise mein Netzwerk auf Twitter nehme, die internationalen Filmbranchenkontakte oder die Netzwerke meiner Kontakte, dann ist klar, dass in meiner Timeline mehr – wichtige und auch völlig banale – Meldungen zu den USA auftauchen als zu den meisten anderen Ländern und Regionen. Auch das Abonnieren von ,seriösen Medien‘ u.a.m. führt leider [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

2 Interviews

 

Letzte Woche wurde ich gleich zweimal interviewt: / Last week I was interviewed twice:

Cecilia Johnson-Ferguson vom EWAWOMEN Netzwerk befragte mich (auf Englisch) zu meinem Besetzungstool NEROPA, und Yvonne de Andrés vom Aviva Berlin Online Magazin sprach mit mir (auf Deutsch) anlässlich der Vorstellung der von Maria Furtwänglerin initiierten Studie «Audiovisuelle Diversität?»  der Universität Rostock.
Cecilia Johnson-Ferguson of EWAWOMEN Netzwerk interviewed me (in English) on my casting-tool NEROPA, and Yvonne de Andrés of Aviva Berlin Online Magazine spoke to me (in German) after the presentation of a summary of
the study «Audiovisual Diversity?» of the University of Rostock, which had been initiated by German actress Maria Furtwängler.

Cecilia Johnson-Ferguson: Neropa, an innovative tool to counterbalance the unequal gender distribution of film characters

One of our active members, Belinde Ruth Stieve, has developed an innovative tool to counterbalance the unequal gender distribution of film characters in the audiovisual industry. Belinde is a German actress from Hamburg, who started researching the situation of women behind and in front of the camera four years ago. We have asked her a few questions to find out more about NEROPA.

1.How and when did you come up with the idea of a casting tool?
That was 1 1⁄2 years ago. I had been doing my own research for years, both on the situation behind and in front of the camera, and of course I knew about the international findings. In Germany and probably most other countries there is a strong majority of male over female roles in film and television, in regards to both quantity and quality. And then there is this age thing, roles for women start decreasing from age 40, roles for men fifteen years later.
All this has a negative impact on the audience, young and old, female and male. With less women on screen, women have less potential characters to identify or contrast with. Less professional diversity of female characters (…)
Read more: european women’s audiovisual network, 18.7.17

Yvonne de Andrés: Interview mit Belinde Ruth Stieve

Überholte Rollenbilder in Film und TV. Die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“, initiiert von Dr. Maria Furtwängler, hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. AVIVA-Berlin sprach darüber mit Belinde Ruth Stieve, Schauspielerin und Bloggerin, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt.
Die Welt ist bunt und vielfältig, die Hälfte davon sind Frauen. Doch dies, so stellt die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ fest, wird nicht abgebildet. Über 3.000 Stunden TV-Programm aus dem Jahr 2016 und aus über 800 deutschsprachigen Kinofilmen aus den letzten sechs Jahren wurden analysiert. Dazu Dr. Maria Furtwängler: „Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird. In anderen Ländern wird schon viel getan, um die Darstellung von Frauen und Männern auf Bildschirm und Leinwand wissenschaftlich aufzuarbeiten.“
AVIVA-Berlin hat die Schauspielerin und Bloggerin Belinde Ruth Stieve zum Thema interviewt.

Seit Januar 2013 (…)
Weiterlesen hier:
Aviva-Berlin Online Magazin, 19.7.17

Irgendwann demnächst werde ich beide Texte übersetzen und zweisprachig hier im Blog veröffentlichen. / Sometime in the future I’ll translate both texts and publish them on SchspIN in German and English.

EWA Network on Twitter and Facebook
Aviva Berlin bei Twitter und Facebook
NEROPA Neutrale Rollen ParitätNeutral Roles Parity


Ein Kommentar

Geschafft! – I Did It!

English Version follows German.

In der Luft. 14. Mai 17
Heute geht es um erreichte und nicht erreichte Ziele, um Riga, eine internationale Konferenz von Filmfrauen in London und NEROPA.

We’re Running Up That Hill

Nächsten Monat ist es drei Jahre her, dass ich angefangen habe zu laufen, in der Vergangenheit habe ich schon mehrfach darüber gebloggt (Die Sache mit der Bavaria und den Schuhen, Und nach zwölf Wochen, Au weia ist das deutsch), und heute gibt es ein Update. Ich bin weiter gelaufen und nehme auch weiter an Laufwettbewerben und Volksläufen teil, meistens in der Langstreckendisziplin 5.000 m, aber auch ein paar mal über 10.000 m (u.a. mit Flughafenbezug: Elly Beinhorn-Lauf 2016 und Airport Night Run 2017). Letzten September hörte ich von einem tollen Laufwochenende in Riga, an dem neben Marathon auch Halbmarathon, 10.000 und 6.000 m gelaufen werden (und dazu noch ein Kinderlauf, da weiß ich grad die Strecke nicht). Die frühere Hansestadt und ehemalige Europäische Kulturhauptstadt Riga ist wunderschön, ich hatte das Glück, letztes Jahr dort zu drehen, da habe ich sie ein bisschen kennengelernt. Damals hatte ich auch eine Münze in die Daugava geworfen (das ist der Fluss, der durch die Stadt fließt), was bewirkt, dass man wiederkommt. Alles klar, ich habe mich also im Dezember für – Achtung! – den Halbmarathon angemeldet, mit der Option, nicht hinzufahren wenn was dazwischen kommt oder auf 10.000 m runterzustufen, wenn meine Vorbereitung nicht gut läuft. Allerdings hatte ich etwas unbedacht im Januar quasi öffentlich erzählt, dass ich den Halbmarathon laufen will, diese Aussage gibt es auf Film, das machte es für mich schon zu einer ziemlich ernsten inneren Verpflichtung (ist ja doof wenn Leute fragen: Wie war Dein Halbmarathon in Riga? Und Du sagst dann: Gut, ich hab ihn sogar in 10.000 m geschafft. Haha.)
Also habe ich mit einem 9-wöchigen Halbmarathon-Trainingsprogramm losgelegt (etwas verspätet, es blieben nur 6 Wochen) und mir folgende Ziele gesteckt, in dieser [Weiterlesen – Read On]


2 Kommentare

Die Dramaturgie der Dusche – Taking a Shower

English Version follows German.

Nicht nur als Langstreckenläuferin finde ich Duschen eine gute Sache, und wie wohl viele kenne ich jede Menge Duschgeschichten aus Alltag, Arbeit oder Urlaub (z.B. vom mitternächtlichen Wasserausfall in Cajamarca). Und auch für Filme sind Duschen nicht uninteressant.

Die Sache mit den Duschszenen

Letztes Wochenende sah ich vier Filme, und in allen haben Frauen geduscht. Männer nicht. Das kann natürlich Zufall sein. Aber ganz abgesehen davon, wie ist das mit Duschen und Film, ist die duschende Figur ein Stilmittel, ein dramaturgischer Kniff? Ist Duschen filmisch das, was früher die Zigarette oder das Glas Alkohol war? Geht es um das Zeigen von Nackheit, Sauber- oder Verletzlichkeit? Um Erotik? Ist eine Dusche als Drehort besonders herausfordernd und als Schauplatz filmisch besonders reizvoll oder spannend?
In der arte-Mediathek steht aktuell noch der 11-minütige Beitrag DIE DUSCHE IM FILM von Luc Lagier. Gezeigt werden Morde unter der Dusche, Duschen nach der Schlacht, duschende Männerteams nach dem Sport. Frauen und Männer gemeinsam und Männer alleine unter der Dusche beim Sex, Männer die im Alltag duschen. Frauen die weder Sex haben noch angegriffen werden, also einfach so duschen, kamen weniger vor.
Duschen in Komödien? Mir fallen spontan drei alte witzige Duschszenen ein: Cary Grant duschte, vollständig angezogen inklusive wasserdichter Uhr, in CHARADE, Marty Feldman, Mel Brooks und Dom DeLuise versuchten in SILENT MOVIE, Burt Reynolds unter seiner Dusche für ihr Filmprojekt zu gewinnen, und Steve Martins Dusche in L.A. STORIES hatte einen Slomo-Hebel. Duschszenen mit Frauen und Humor erinnere ich nicht (aber vielleicht gibt es sie?).

Rein optisch erinnert eine Duschkabine ein wenig an eine Telefonzelle. Diese ist aus Filmen, die im digitalen Smartphonezeitalter spielen, fast vollständig verschwunden. Duschkabinen hingegen, diese beengten Orte der Privatsphäre, wird es wohl noch eine Weile geben, und somit auch Duschszenen im Film.
Vier Fragen stelle ich heute an ,meine‘ Szenen:

  1. Bringt die Duschszene die Geschichte weiter?
  2. Erfahren wir durch sie etwas Neues über die Figur?
  3. Verstärkt das Duschen und wie es filmisch festgehalten ist die Stimmung der Szene?
  4. Ist die Szene witzig oder originell?

Eine Szene, die keine dieser vier Fragen mit JA beantwortet, läuft Gefahr, die [Weiterlesen – Read On]