SchspIN

Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts


Hinterlasse einen Kommentar

Kamera: mit ihren Augen

The English version of this text on female Cinematographers was published on December 23.

Wird in Bezug auf Filme vom weiblichen Blick gesprochen, sind meistens Regisseurinnen gemeint. Seltsam, denn ich denke bei Blick eher an Kamera. Diese oft vernachlässtigte Teamposition kann – neben Regie und Drehbuch – als dritter Teil des künstlerischen Triumvirats eines Films gesehen werden. Eher als die Produzent*innen. Aber seltsamerweise wird oft nur Regie, Buch, Produktion erwähnt. Eigentlich erstaunlich. Wenn es nicht gerade um Bügelfilme geht prägt die Kamera doch das Filmerlebnis in erheblichem Maße. Wer gibt mir recht? Die ARD! Beispielsweise wird auf den TATORT-Seiten als Kerncrew das Triumvirat nebst Musik genannt – wie im Filmabspann in der Reihenfolge M, K, B, R. In Ausnahmefällen Schnitt oder Szenenbild. Nie Kostüm oder Maske, nie die Produzent*nnen. Beim Grimme-Preis werden Buch, Regie, Kamera und Ton gelistet.
Auch international ist dieses Phänomen zu finden. Es gibt beispielsweise eine sehr beeindruckende, umfangreiche Statistik vom British Film Institut BFI zu UK Filmen aus den Jahren 2003 bis 13, zu jedem der durchschnittlich 200 Filme pro [Weiterlesen – Read On]

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Was Hänschen lernt… – Teach an Old Dog Tricks!

English Version follows German.

Es gibt ein altes Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Nun können wir natürlich darüber sprechen, wie viel schwieriger es ist, eine Fremdsprache im Alter zu erlernen, das Spielen eines Musikinstruments oder die Grundbegriffe der Glazialmorphologie. Wir können aber auch einfach sagen, ,Ja, mag sein, aber auch Erwachsene können noch viel Neues dazulernen‘.
Nehmen wir als Beispiel Horatio Nelson (1758-1805), der 1797 im Alter von 39 Jahren Admiral wurde und dem einige Monate später, beim Angriff auf Santa Cruz de Tenerife, nach einer Schussverletzung der rechte Arm amputiert wurde. Er war Rechtshänder, und lernte danach mit der linken Hand zu schreiben. Nach einiger Zeit war seine neu erlernte linke Handschrift nicht mehr von der ursprünglichen rechten Handschrift zu unterscheiden (nach Stephen Kurdsen: „Reading Character From Handwriting“).
Sagen wir also, dass wir unser Leben lang lernen können, und unser Leben lang beeindruckbar und beeinflussbar bleiben können. Im Guten wie im Schlechten. Und dass nichts für die Ewigkeit ist. Im Schlechten wie im Guten.

Was Hänschen nicht gelernt hat, kann Hans ja nachholen

Dass Film und Fernsehen unsere Sicht und unser Denken beeinflussen können ist bekannt, das gleiche gilt auch für Bücher, z.B. jene, mit denen wir in der Schule oder als Erwachsene lernen. Für den heutigen Text habe ich ein paar Erwachsenensprachbücher durch die rosablaugrüne NEROPA-Brille betrachtet.
Im ersten Beispiel geht es um das Thema Arbeit und Berufe im Englischunterricht für Erwachsene (Reihe Refresh Now, Klettverlag. Zusatzmaterial). NEROPA fragt: für welchen Beruf ist das Geschlecht wichtig? Spontan fallen mir Henker, Papst, Ayatollah und Hebamme ein, aber diese Berufe sind nicht abgebildet. Sondern:

Kellnerin, Pfarrer, Bauer. Pilot, Soldat, Kapitän, Arzt, Geschäftsmann, Polizist, Krankenschwester, [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Neroping during Script Development

Die deutsche Fassung dieses Textes wurde am 6.11.17 veröffentlicht.

  • The Initial Question
  • The NEROPA-Lights
  • Write first, decide later
  • Is that really necessary?
  • German Film Funding November 17
  • Epilogue: Ships that Pass in the Night

The Initial Question

Every now then I get asked if script writers can also work with the casting method NEROPA to modify the striking gender imbalance between female and male roles on television. The clear answer to that is “not really“ and “yes of course“ at the same time, and that is something I will talk about today.
Ideally the NEROPA check is performed by three individuals. Six eyes won‘t read thesame way , three brains will tick differently and people will have had different experiences in their lives. So the 3 will most probably find differing neutral roles in the investigated script, i.e. roles whose gender is not essentioal to the plot. Then the three will talk and agree upon a final list of neutral characteres (see also NEROPA-Check).

“not really“
A script – at least as long as it hasn‘t been altered by order of commissioning editors or others – represents the author‘s intention, it presents characters exactly in a way the authors meant them to be, they do and say exactly what the authors want them to do or say. If the authors were to nerope* their scripts they most probably end up with zero neutral roles as they were all intended to be who they are. Just ask a child about their soft toy: “Ah, so he‘s called Berti Bear. But couldn‘t it also be Berta Bear or Brownie Bear?“ No of course not. Everyone can see it‘s Berti Bear. (Actually I can‘t, but that‘s just the point. Stuffed animals‘ gender is in the eyes of the beholder. Or rather keeper.)
I imagine the characters in a script are like the stuffed animals of a writer, they have been playing / occupied with them for weeks, months or even years. They know them inside out, they know who they are and why they even are in the story in the first place. So the chances that an author will say „yes of course, these four or ten roles can be neutral“ (or worse “sure, they can be deleted
“) are pretty dim.

“yes, of course!“
Now the author could go about getting a couple of other persons, have them nerope the script and then discuss the neutral findings among the three of them. But that does not really [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Neropen in der Stoffentwicklung

The English Version of this text can be found here.

  • Die Ausgangsfrage
  • Die NEROPA-Ampel
  • Schreibe erst, entscheide später
  • Ist das wirklich nötig?
  • Die FFA-Filmförderung November 17
  • Epilog: Schiffe, die sich nachts begegnen

Die Ausgangsfrage

Ab und zu werde ich gefragt, ob auch Drehbuchautor*innen das Besetzungstool NEROPA anwenden können, um das Rollenungleichgewichte zwischen Männern und Frauen in Film und Fernsehen abzubauen. Die Antwort heißt „eher nein“ und „ja natürlich“ zugleich, letzteres werde ich heute erklären.
Der NEROPA-Check für einen Film wird idealerweise von drei Personen ausgeführt. Sechs Augen sehen mehr als zwei, Gehirne ticken nicht gleich und Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen. Die drei NEROPA-Beauftragten werden vermutlich differierende neutrale Rollen im Buch ausmachen, also Rollen, deren Geschlecht für die Handlung nicht wichtig ist. Dann sprechen sie miteinander und einigen sich auf eine gemeinsame Liste (siehe auch: Der NEROPA-Check).

„eher nein“
Ein Drehbuch – davon wollen wir ausgehen, zumindest solange es noch nicht beispielsweise in der Vorproduktion verändert wurde – ist das, was der Autor oder die Autorin meint, genau diese Figuren sollen darin vorkommen, genau das sagen sie, genau das tun sie. Wenn die Drehbuchautor*innen ihre fertiggestellten Bücher neropen* sollen, würden sie wahrscheinlich auf null neutrale Rollen kommen. Fragt mal ein Kind nach den Namen seiner Stofftiere. „Ah, das ist also der Hasi. Könnte es nicht [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Weinstein and the Silence of the German Film Industry

Die deutsche Fkaassung dieses Textes wurde am 16.10.17 veröffentlicht.

Introduction

On Oct. 5 the New York Times published the article „Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades“ by Judi Kantor and Megan Twobei. Since then more women, actresses, models and also employees and journalists came out and spoke about sexual harassment, intimidations and even about rape. It is obvious that anyone accused remains innocent until tried by a court of law, but in this case the accusations are overwhelming – quite contrary to the common situations where it‘s testimony against testimony and an offense or criminal act can‘t be proven. There have been discussion about how it could have been possible for Harvey Weinstein to act unnoticed and undisturbed for decades the way he did, but it soon became clear that the way he treated numerous young actresses at the beginning of their careers was an open secret.
In the meantime, Weinstein has been fired from the Weinstein Company, from AMPAS Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, from the BFI British Film Institute, and a statement was issued by the International Film Festival of Cannes.
Some reports also mentioned other cases of sexual abuse, US actor Bill Cosby, Fox news reporter Bill O‘Reilly, Roy Price, head of amazon video department as well as US president Donald Trump. All in the USA, far away.
German media have also been covering the Weinstein scandal, some mentioning the social context as for example Julian Dörr did in the Süddeutsche (a German newspaper) from 14.10. in his German article „If you want to prevent abuse you can‘t ridicule Feminism“ (more articles to be found in the Additional Reading section).
What I found quite surprising though is [Weiterlesen – Read On]


Ein Kommentar

Der Fall Weinstein: Gedanken zur deutschen Filmbranche

The English version of this text, published a day later, can be found here.

Einleitung

Am 5. Oktober wurde in der New York Times der Artikel „Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades“ von Judi Kantor und Megan Twohey veröffentlicht. Seit dem sind immer mehr Frauen, Schauspielerinnen, Models und auch Firmenangestellte und Journalistinnen, an die Öffentlichkeit getreten, die von Übergriffen, sexuellen Belästigungen, Einschüchterungsversuchen bis hin zu Vergewaltigungen berichteten. Es ist klar, dass alle Angeklagten bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig zu gelten haben. Allerdings scheinen in diesem Fall die Vorwürfe  erdrückend – im Gegensatz zu den leider nur allzu häufigen Situationen, in denen Aussage gegen Aussage steht und eine Straftat oder ein Verbrechen nicht bewiesen werden kann.
Viel wurde zunächst darüber geschrieben, wie es möglich sein konnte, dass Harvey Weinstein über Jahrzehnte unerkannt und ungestört handeln konnte, doch schnell wurde klar, dass seine Übergriffe, sein Umgang mit insbesondere jungen Schauspielerinnen zu Beginn ihrer Karriere, ein offenes Geheimnis waren.
Mittlerweile wurde Weinstein aus dem Vorstand der Weinstein Company entlassen, aus der AMPAS Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, aus dem BFI British Film Institute, eine Stellungnahme vom Filmfestival Cannes liegt vor.
Im Zuge der Reportagen wurde auch auf andere Fälle von sexuellen Übergriffen hingewiesen, von US-Schauspieler Bill Cosby über Fox News-Moderator Bill O’Reilly und Chef der amazon-Videoabteilung Roy Price bis hin zu US-Präsident Donald Trump. Alles in den USA, weit weg.

Auch die deutschen Medien haben über den Weinstein-Fall berichtet, mitunter mit Thematisierung des gesellschaftlichen Kontexts, beispielsweise Julian Dörr in der Süddeutschen vom 14.10. mit „Wer Missbrauch verhindern will, darf den Feminismus nicht belächeln“ (weitere Artikel im Unterkapitel  Lesevorschläge).
Was mich aber erstaunt ist, dass bis jetzt fast nichts über hier, über die deutsche Filmbranche geschrieben wurde. Drängen sich nicht Fragen wie „Ist so etwas in Deutschland auch möglich, gibt es Fälle oder Gerüchte, und wie wird betroffenen Frauen geholfen?“ geradezu auf?
Ich habe lediglich das Kurzinterview mit der österreichischen Schauspielerin Adele Neuhaus gefunden, das sie der Rheinischen Post gegeben hat und das in verschiedenen anderen Medien zitiert wurde (das Original habe ich online nicht gefunden), beispielsweise in der Berliner Zeitung vom 14.10.. Sie sagte u.a., dass sie von dem Skandal nicht überrascht sei, und sich eher fragt, „warum das jetzt erst spruchreif wird. Hinter vorgehaltener Hand war eh immer klar, dass es eine Besetzungscouch gibt” und „wie viele Männer diese Situation ausgenutzt haben, weiß man.“

Ja, auch an deutschen Sets

Auch in Deutschland werden Schauspielerinnen und andere weibliche Filmschaffende sexuell belästigt und bedrängt. Auch hier [Weiterlesen – Read On]


Hinterlasse einen Kommentar

Was wir hören sehen wir? – What we hear is what we see?

English Version follows German.

Heute geht es um Sprache, Onlinerecherche und Onlineübersetzungen sowie eine Auto-und-Fahrrad-Metapher.

Sprache, Bewusstsein und Veränderung

Sprache verändert sich, seit es Sprache gibt. Sprachempfinden und -verständnis sind subjektiv, wie sicher alle bestätigen werden, die schon einmal „ich hab doch nur gesagt..“ „ja, aber gemeint hast du / das klang total nach..“-Diskussionen mitbekommen haben. Neue Wörter finden den Weg in den Duden, und neue Formen werden ausprobiert, um neuen Anforderungen an Sprache zu begegnen. Mit den Wechselwirkungen von Sprache, Denken und Bewusstsein will ich hier gar nicht erst anfangen.
Was früher normal war ist heute passé. Frauen sowohl mit dem Nach- als auch dem Vornamen ihres Mannes anzusprechen (z.B. Frau Joachim Sauer) ist hochgradig unüblich, und auch die stillschweigende Übereinkunft, dass sich alle Frauen von männlichen Begriffen mitgemeint zu fühlen haben, hat ihre Allgemeingültigkeit verloren.
Natürlich gibt es immer noch Frauen, die von sich als Schauspieler oder Frisör oder gar Einzelhandelskaufmann sprechen. Und es gibt weiter Texte, die mit dem Satz „der besseren Lesbarkeit halber verwenden wir in diesem Text nur die männlichen Form“ beginnen. Aber zum Glück setzt sich immer mehr durch, von Frauen und Männern, also z.B. von Leserinnen und Lesern, Wählerinnen und Wählern, Nachbarinnen und Nachbarn zu sprechen, mit in der Schriftsprache den Lesefluss nicht störenden Zeichen wie /, _ und * zu arbeiten (Leser/innen, Wähler_innen, Nachbar*innen) -bzw. die grammatikalischen Möglichkeiten der deutschen Sprache zu nutzen und „der Antragsteller“ zum Beispiel durch „wer einen Antrag stellt“ oder „der Antrag wird gestellt von“ zu [Weiterlesen – Read On]