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Gedanken einer Schauspielerin – An Actress's Thoughts


Babylon Männersoap Berlin – Zwischen den Weltkriegen

This text is about two German TV series, set between the two world wars in Germany and other parts of Europe. The English Version will appear as a separate article, at the latest when the TV series KRIEG DER TRÄUME / CLAüberSH OF FUTURES is broadcast in English speaking countries. BABYLON BERLIN apparently has already been screened by Sky Atlantic.

In meinem heutigen Text geht es um zwei Serien die mir nicht bzw. sehr gut gefallen haben:
BABYLON BERLIN
und KRIEG DER TRÄUME: 1918 1939.

Frauen im Top-Management

Kürzlich berichtete die Allbright Stiftung wieder einmal über die gendermäßige Zusammensetzung der Vorstände von börsennotierten deutschen Unternehmen. Rund die Hälfte, also 79 von 160, haben reine Männervorstände:

(…) 79 Firmen, die keine einzige Frau im Vorstand haben und die sich für die kommenden Jahre entweder gar kein Ziel oder aber das Ziel gesetzt haben, keine einzige Frau im Vorstand zu haben. (…). Nur 37 Unternehmen planen tatsächlich eine konkrete Erhöhung des aktuellen Frauenanteils. (…)
Diesen Unternehmen kann nicht bewusst sein, was für ein verheerendes Signal sie mit dieser »Zielgröße Null« aussenden: an die Managerinnen im Unternehmen (Ihr werdet hier nichts), an interessierte externe Top-Managerinnen (Ihr seid hier nicht willkommen), an die Öffentlichkeit (Wir sind nicht fähig und willens, uns an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Voraussetzungen anzupassen).
Quelle: Die Macht der Monokultur – Erst wenigen Börsenunternehmen gelingt Vielfalt in der Führung.

Und gestern las ich einen Artikel von Jim Waterson aus dem Guardian über eine Initiative der Financial Times, mehr Leserinnen zu erreichen durch eine App, die überprüft, ob auch ausreichend Expertinnen in Artikeln zitiert werden und nicht nur Experten, und dass auf den begleitenden Fotos nicht nur Männer zu sehen sind. Gleichzeitig wird ein Augenmerk auf ethnische und geographische Diversität gelegt (Financial Times tool warns if article quotes too many men)
Es gibt also schlechte und gute Nachrichten zur Frauenrepräsentanz in der Geschäftswelt. Nach diesem Exkurs zurück zurm Fiktionalen. Wer wäre das Top-Management einer Film- oder Fernsehproduktion, die Produzent*innen?

Nehmen wir als Beispiel die „ErfolgsserieBABYLON BERLIN, die „teuerste deutsche Serie aller Zeiten“ (ca. 3,5 Mio. € pro 45-minütiger Folge), mit drei Produzenten, Stefan Arndt, Uwe Schott und Michael Polle, und zwei Koproduzenten, Jan Mojto und Dirk Schürhoff – und keinen Frauen (Quelle X-Filme).
Der 6-Gewerke-Check (Drehbuch, Regie, Kamera, Filmton, Montage, Komposition) ergibt ein ähnlich einseitiges Bild, 15 Männer und eine Frau. (siehe linke Abbildung). Die mittlere Tabelle zeigt 17 von 31 ausgewerteten Teampositionen, die bei BABYLON BERLIN ausschließlich an Männer vergeben wurden (siehe auch Filmgewerke – 2017), und die dritte Abbildung  die 107 in der crew united Datenbank für diese Positionen Gelisteten, 80 Männer und 27 Frauen: für alle untersuchten Gewerke:

Ist das niemandem aufgefallen? Nicht den Fernsehsendern (Sky, ARD, WDR) die diese Serie mitfinanziert haben? Nicht den Filmfördereinrichtungen, die die Serie reichlich – größtenteils aus Kinofördertöpfen – bedacht [Weiterlesen – Read On]

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Ein Kommentar

Was tut sich am TATORT? – #2v6pN – Who’s to be seen in CRIME SCENE?

English Version follows German.

TATORT-Analyse 2011-18: Sechs Gewerke und der Hauptcast


Zum 1. August 2015 hatte sich die ARD-Tochter Degeto Film GmbH zunächst für drei Jahre verpflichtet, den Regisseurinnenanteil in ihren Produktionen auf 20 % zu erhöhen:

Damit greift Christine Strobl eine Forderung auf, die „Pro Quote Regie“ im vergangenen Jahr formuliert hatte. Zwanzig Prozent aller Filme in der Regie von Frauen, das sei ein „maßvolles Ziel“, sagt Christine Strobl (…). Sie will damit in der Branche, bei Produzenten und in den Redaktionen für ein „verändertes Bewusstsein“ sorgen.
(Manfred Hanfeld: Zwanzig Prozent Regisseurinnen FAZ 8.7.15)

Ob es zu den 20 % Regisseurinnen gekommen ist und auch zum veränderten Bewusstsein in Redaktionen weiß ich nicht – es ist auch gar nicht so einfach, die Degeto-Produktionen eines Jahrgangs herauszufinden – aber zumindest kann ich sagen, dass die ARD- TATORTE (die nicht von der Degeto sondern von Landesrundfunkanstalten produziert werden) im ersten Halbjahr 2018 die Regisseurinnenmarke von 20 % fast erreicht haben.

Ich habe außerdem noch einen weitergehenden Selbstverpflichtungs-Vorschlag, aber dazu später mehr, am Ende des Textes (2v6pN). Jetzt erst mal die TATORTE.

Das erste TATORT-Halbjahr 2018

4 von bislang 21 TATORTEN 2018, das sind 19 %, wurden von Frauen inszeniert. Im gleichen Zeitraum gingen allerdings die Frauenanteile in einigen anderen Gewerken  in den Keller. Keine Frau lieferte die Bilder, keine den Ton, und auch die Geschichten, die Dialoge schrieben nur zu 7 % Frauen. Das zeigt die folgende linke Abbildung.
Besteht womöglich ein Zusammenhang zum erhöhten Regisseurinnenanteil? Diese Vermutung äußerten letztes Jahr einige Kamerafrauen, sie hätten – nicht bei TATORTEN – bereits mehrfach gehört „wir haben jetzt schon eine Regisseurin, da können wir nicht auch noch eine Kamerafrau nehmen“. Oder kommen die ganzen TATORTE die von Frauen geschrieben und gefilmt wurden in der zweiten Jahreshälfte? Oder ist es einfach nur Zufall?
Vor der Kamera hat sich auch einiges getan, im ersten Halbjahr (und auch schon 2017) lag der Anteil der gemischten Ermittlungsteams in den ausgestrahlten TATORTEN bei über 60 % – eine ziemliche Steigerung, wenn wir 2011 mit weniger als 40 % betrachten. Und Hannover ist auch nicht mehr der einzige TATORT ohne Hauptermittler (siehe die folgende rechte Abbildung).

Sechs Monate sind natürlich nicht so aussagekräftig, deshalb ein Blick zurück.

TATORT 6-Gewerke-Check: Die Daten und die Quellen

2011 bis Sommer 2018, das sind siebeneinhalb Jahre mit insgesamt 276 TATORTEN, bei 6 Gewerken also insgesamt 1656 Teampositionen. Die TATORTE selber gibt es schön übersichtlich auf der ARD-Webseite, dort werden Sendetermine, Titel, Städte und Ermittlungsteams genannt und auf den Unterseiten dann eine inhaltliche [Weiterlesen – Read On]